Verena Maria Kitz ist die neue Leiterin des Zentrums für Trauerseelsorge. Hier in der Kirche St. Michael, die gerade saniert wird und später Platz für 2500 Urnen bieten soll.
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Verena Maria Kitz ist die neue Leiterin des Zentrums für Trauerseelsorge. Hier in der Kirche St. Michael, die gerade saniert wird und später Platz für 2500 Urnen bieten soll.

Nordend

Nordend: Trauer findet auch im Internet statt

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Die neue Leiterin des Trauerzentrums St. Michael will für Hilfesuchende ganz praktisch und virtuell da sein. Geplant sind Beratungen, virtuelle Kondolenzbücher, Chatrooms.

Die Kirche St. Michael ist nahezu leer. Jeder Schritt hallt laut durch den langgezogenen, kleeblattförmigen Bau. Die hohen Wände sind kahl, die Bänke an die Seite gerückt, der Altar liegt verlassen am Kopfende. Das denkmalgeschützte Gotteshaus an der Gellertstraße wird demnächst zu Frankfurts erster Begräbniskirche umgebaut. Doch nicht nur in der Kirche steht ein Wandel an. Auch das Zentrum für Trauerseelsorge, das in den Räumen von St. Michael seinen Sitz hat, befindet sich im Umbruch.

Den Überblick behält Verena Maria Kitz. Seit Anfang des Jahres leitet sie das Trauerzentrum. Sie folgt auf Pfarrer Joachim Metzner, der in eine andere Pfarrei gewechselt ist. Kitz sieht es als Herausforderung an, die Einrichtung als Ort der Trauer für die ganze Stadt weiterzuentwickeln.

„Wir müssen uns fragen: für wen sind wir da? und: wie wollen wir die kirchliche Arbeit neu konzipieren?“ Bestehende Angebote sollen erhalten bleiben. Es gebe aber noch viele Bereiche, die ausgebaut werden könnten. Wichtig ist Kitz, das Zentrum gastfreundlich zu machen.

Die Corona-Krise ist für das Zentrum eine besondere Aufgabe. Kontakte, die in Zeiten der Trauer helfen, müssten unterbleiben. „Ein Gespräch in diskretem Rahmen mit einem Begleiter oder einer Begleiterin kann diese persönlichen Kontakte nicht ersetzen, aber vielleicht eine Unterstützung sein“, sagt Kitz.

So können Trauernde mit einer Seelsorgerin Kontakt aufnehmen und unter Wahrung der nötigen Vorsichtsmaßnahmen ein persönliches Gespräch, ein gemeinsamer Spaziergang sowie Telefonate oder eine Unterhaltung per E-Mail führen.

Langfristig möchte die neue Leiterin Trauerarbeit für Kinder und Jugendliche anbieten, das Trauercafé reaktivieren und sich der digitalen Welt öffnen. „Das Internet ist ein wesentlicher Kommunikationsraum, da kommt alles vor, auch die Trauer.“

das zentrum

Seit 2009gibt es das Zentrum für Trauerseelsorge St. Michael in der Butzbacher Straße 45. Es ist eine Einrichtung des Bistums Limburg für die Stadtkirche Frankfurt. Träger ist der Gesamtverband katholischer Kirchengemeinden. Erreichbar unter Telefon 45 10 24, via E-Mail: trauerseelsorge@bistumlimburg.de. bos

Denkbar sei ein Chatroom, in dem sich Trauernde unter Moderation austauschen können. Oder virtuelle Kondolenzbücher. Es gehe um die Regelung des digitalen Nachlasses, und die Frage, „wie will ich nach dem Tod in Erinnerung bleiben?“ – etwa über QR-Codes, die auf Grabsteinen das Leben der Verstorbenen erfahrbar machen.

Ganz praktisch wollen Kitz und ihr Konzeptteam Menschen helfen, die sich fragen, wie sie einen Kredit abbezahlen sollen oder was nach dem Tod der Oma mit der Wohnung passiert. Zwar könne das Trauerzentrum nicht in allen Belangen helfen, doch wolle es unterstützen und etwa auf bestehende Angebote verweisen. Derzeit arbeite Kitz an einem Netzwerk, sammle Adressen von Fachstellen wie der Schuldnerberatung, dem Alleinerziehendentreff, dem Familienmarkt oder von Gruppen, die sich um Wohnungsauflösungen kümmerten.

Für Kitz ist das Thema Trauer nicht neu. Zuletzt war sie im Refugium tätig, einer Seelsorgeeinrichtung des Bistums Limburg und des Franziskanerordens in Hofheim. Die gebürtige Frankfurterin war nach ihrem Theologiestudium in Frankfurt-Sankt Georgen und München zunächst Pastoralreferentin in Niederrad.

2001 wechselte sie als Seelsorgerin ins Refugium für Mitarbeitende in Caritas und Pastoral. Bundesweit bekannt wurde sie zwischen 2008 und 2015 als Sprecherin des Wortes zum Sonntag in der ARD. Beim HR ist sie in kirchlichen Hörfunksendungen bis heute präsent.

Um ihre Ideen umsetzen zu können, benötigt Kitz ehrenamtliche Helfer. Mehrere hätten sich schon gemeldet, zum Teil kirchenferne. „Sie können bei Bedarf Gesprächspartner sein, einkaufen oder zum Friedhof mitgehen.“

Dass jetzt auch das Gotteshaus zu einer Begräbniskirche umgebaut wird, ist für Kitz der richtige Schritt. Die Idee gebe es seit Jahren. Die Kirche soll Platz für 2500 Urnen bieten. Über ihre Gestaltung wird in einer Art Architekten-Wettbewerb bis zum Herbst entschieden.

Auch das Oratorium von St. Michael neben dem Trauerzentrum soll umgebaut werden. Bistum und Pfarrei planen dort ein generationsübergreifendes Wohnprojekt, sagt Pia Arnold-Rammé, Referentin für diakonische Pastoral im Haus am Dom. Die Bewohner seien im Hospizbereich tätig.

Von Boris Schlepper

Das Projekt Lacrima hilft Angehörigen im Frankfurt und Bad Naheim bei der Trauerarbeit. Die Corona-Pandemie ist dabei eine Herausforderung.

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