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Jörg Harraschain macht sich Gedanken.  

Nordend

Nordend: In der Krise nicht allein

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Jörg Harraschain bringt in Zeiten der Corona-Krise Menschen am Telefon zusammen. Telefonpaten plaudern mit älteren Mitmenschen.

Es begann mit einem Leserbrief in der Zeitung. Eine ältere Dame hatte geschrieben, dass sie allein sei und niemanden zum Sprechen habe. Jörg Harraschain suchte im Telefonbuch nach ihrer Nummer und rief an. Aus dem Gespräch mit der 70-Jährigen ging der ehemalige Ortsvorsteher aus dem Nordend mit einer Idee heraus. Unter dem Motto „Kein Anschluss unter dieser Nummer!“ will er trotz Coronavirus-Krise Menschen zusammenbringen.

Vor allem Ältere vereinsamten in ihrer Wohnung, da sie als Risikogruppe zu Hause bleiben sollen. Spaziergänge sind möglich, aber nicht jeder ist dafür fit genug. Zudem erschwert der Sicherheitsabstand von zwei Metern denjenigen Gespräche, die nicht mehr gut hören. So bleibt selbst das gewohnte Schwätzchen mit der Nachbarin aus.

Bei der anfangs erwähnten Dame, die schon nach zehn Minuten Plaudern „sehr happy“ gewesen sei, fing Harraschain gleich mit seiner Aktion an. Der 77-Jährige hat durch die städtische Initiative „Neue Nachbarschaften“ aber auch das Netzwerk „nebenan.de“ Kontakte zu Menschen im fortgeschrittenen Alter geknüpft. Aus diesen heraus erklärte sich eine Frau bereit, die Verbindung zu der Leserbriefschreiberin zu pflegen. Die beiden verstehen sich gut und telefonieren seitdem regelmäßig.

Mittlerweile hat Harraschain weitere sechs Freiwillige „ab 40" gefunden, die Lust darauf haben, anderen die Einsamkeit zu vertreiben, und dabei auch selbst von dem Austausch profitieren sollen. Weitere Interessenten, aber auch diejenigen, die auf der Suche nach Unterhaltung sind, können sich sowohl bei ihm unter der Nummer 59 58 58 als auch seiner Kollegin Angelika Ehrhardt 17 52 60 46 melden.

Über Hobbys sprechen

Um einen Gesprächspartner zu finden, hilft es, Alter, Beruf oder Hobbys anzugeben. Bei der Weitergabe versucht Harraschain die Datenmenge gering zu halten, um kein Risiko einzugehen: Vorname und Telefonnummer sollten erst mal reichen, um Bekanntschaft zu schließen. „Ich hoffe, dass auch jüngere Leute sich dazu bereitfinden“, sagt der ehemalige Lehrer.

Aus seiner eigenen Erfahrung heraus kann er sagen, dass sich nach wenigen Minuten Atmosphäre entfalten und interessante Themen finden lassen. Mit der anfangs erwähnten Dame landete er bei der Glaubensfrage, „sie ist religiös und ich gar nicht“, da gab es doch einiges zu bereden. Bemerkenswerterweise habe die Frankfurterin Familie und sei im normalen Alltag unter anderem als ehrenamtlich Tätige und Leiterin von Gymnastikgruppen im Sportverein aktiv. Dennoch klingelt ihr Telefon derzeit nicht.

Wichtig erscheint Harraschain herauszustellen, dass „wir keine therapeutische Einrichtung“ sind, sondern nur ganz normale Bürger. „Wir versuchen einfach, etwas Positives ins Leben zu bringen“, Möglichkeiten zu schaffen, wieder mit anderen zu lachen und Gemeinschaft zu empfinden. Ein paar Minuten mit dem Hörer in der Hand reichen dafür aus. Über die Intensität der Bekanntschaft könne jeder selbst entscheiden.

Bislang ist das Angebot erfolgreich angelaufen, sagt Harraschain. Den Aufruf veröffentlicht er in Zeitungen. Übers Internet, glaubt er, werde er die am meisten vom Alleinsein betroffene Altersgruppe kaum erreichen.

Wer Anschluss sucht oder helfen möchte: Jörg Harraschain, Tel. 59 58 58; Angelika Ehrhardt, Tel. 17 52 60 46.

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