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Karin Guder tritt dafür ein, dass der Luisenplatz um 22 Uhr geräumt wird.
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Karin Guder tritt dafür ein, dass der Luisenplatz um 22 Uhr geräumt wird.

Nordend

Auf der Suche nach den Stellschrauben

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Das Jahr im Ortsbeirat 3: Ortsvorsteherin Karin Guder über Probleme auf öffentlichen Plätzen und positive Entwicklungen im Stadtteil.

Frau Guder, die Corona-Pandemie hat in diesem Jahr vieles verändert. Zwei Sitzungen sind ausgefallen. Die Menschen treibt es ins Freie, vor allem auf öffentliche Plätze – zum Leidwesen der Anwohner:innen. Besonders viele Klagen kommen vom Luisenplatz, wo jetzt auf Wunsch des Ortsbeirats freitags Toiletten aufgestellt werden. Reicht das aus?

Nein. Der Ortsbeirat hat beschlossen, der Magistrat möge den Platz – ebenso wie den Friedberger Platz – um 22 Uhr räumen. Damit haben wir auf die Beschwerden reagiert und Treffen mit Anwohnenden organisiert, die Toiletten waren ein Ergebnis davon. Außerdem freue ich mich, dass eine Anwohnerin bereit ist, in der Steuerungsgruppe mitzuarbeiten. Es gab es im Sommer weitere nachvollziehbare Beschwerden. Mein Ziel ist es, im Frühjahr gemeinsam präventive Maßnahmen zu organisieren.

Einige Besucher:innen bleiben uneinsichtig, machen weiter Lärm und Dreck bis in die Nacht. Was kann man da machen?

Einerseits müssen wir schauen, was für Stellschrauben wir noch haben. Anderseits erwarten wir von der Verwaltung mehr Kontrollen, und nicht nur coronabedingte, wenn Regeln verletzt werden.

Am Friedberger Platz dagegen klappt es inzwischen ganz gut?

Ja, da hat sich die Situation gut eingespielt. An einigen Freitagen war der Platz komplett gesperrt. Der Platz wurde freitags ab 22 Uhr abgesperrt und die Leute aufgefordert, ihn zu verlassen. Viele weichen allerdings dann auf den Luisenplatz aus.

Sie haben im Stadtteil durch Corona aber auch positive Entwicklungen beobachtet?

Ja. Im März und April hingen überall Zettel, auf denen Menschen ihre Hilfe angeboten haben, etwa für Ältere oder Leute, die nicht raus durften. Diese Nachbarschaftshilfe ist typisch für das Nordend. Der Ortsbeirat hat jetzt beschlossen, den kommenden Stadtteilpreis darauf abzustimmen.

Erfreulich war auch, dass Anfang des Jahres endlich der Stadtteiltreff im ehemaligen Merianbad eröffnet werden konnte. Wird das Angebot gut angenommen?

Die Nachfrage ist groß. Schon im Januar und Februar haben sich die ersten Interessenten gemeldet. Besonders erfreulich finde ich, dass es viele Gruppen gibt, die dort etwa Beratungen anbieten. Seit September wird der Raum auch von Thomas Lier, unserem Schutzmann vor Ort, genutzt. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Polizei das Revier in der Mercatorstraße aufgibt, sind die regelmäßigen Sprechstunden positiv. Nicht nur für Bürger. Herr Lier unterstützt auch die Arbeit im Ortsbeirat – etwa bei ordnungspolitischen Konflikten.

Zur Person

Karin Guder (67) ist seit 2003 Vorsteherin im Ortsbeirat 3. In den 80ern war sie Landesgeschäftsführerin der Grünen, in den 90ern Stadtverordnete in Frankfurt. Guder, geboren in Bad Freienwalde in Brandenburg, floh als Kind mit ihren Eltern aus der DDR und lebt seither in Frankfurt. Bis August 2019 arbeitet sie als Lehrerin an der IGS Eschersheim.

Der Ortsbeirat 3 hat 19 Sitze. Die Grünen sind mit fünf Sitzen stärkste Kraft. CDU und SPD haben jeweils vier Mandate. Linke und FDP sind mit je zwei Personen vertreten, jeweils ein Mandat haben Ökolinx und die BFF.

Die nächste Sitzung findet am 21. Januar 2021, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Straße 24, statt.

Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2020. Die Serie beginnt heute und erscheint in loser Folge.

Das ist ein Quantensprung für den Radverkehr. Staus von Autos habe ich dort nur ganz selten beobachtet. Auch habe ich das Gefühl, als wäre das Nordend dadurch näher an die Innenstadt gerückt. Jetzt gibt es eine sichere und schnelle Verbindung, die auch Familien mit Kindern nutzen können. Wenn die Verkehrswende kommen soll, muss der Ausbau weitergehen.

Am Friedberger Platz endet der Radweg abrupt. Muss die Stadt da nachbessern?

Da muss es eine Lösung geben. Wir haben vorgeschlagen, dass der Weg wenigstens gestrichelt auf der Friedberger fortgesetzt wird. Für Radfahrer, die sich das nicht trauen, braucht es aber noch eine Umfahrung über die Rotlintstraße.

Weiter beschäftigen werden Sie die geplanten Günthersburghöfe. Eine Mehrheit des Gremiums fordert ein Moratorium für die Planung, obwohl das Gros des Ortsbeirats dem Entwurf des Bebauungsplans zugestimmt hat. Was wollen Sie jetzt erreichen?

Der Ortsbeirat lehnt das Neubaugebiet nicht generell ab. Wir brauchen aber eine klimagerechte Planung, was Wohnungen, Bildung und Grünflächen betrifft. Es gibt immer heißere Sommer. Da wollen wir wissen, welche Auswirkungen die geplante Bebauung auf das Nordend hat. Man muss diskutieren, ob die geplanten Höfe in der vollen Größe gebaut werden müssen. Das muss man noch einmal prüfen und öffentlich präsentieren. Wir brauchen eine Planung, die akzeptiert wird im Stadtteil.

Was halten Sie von den vorgesehenen Standorten für die Schulen für das Neubaugebiet?

Für das Areal der Grundschule neben dem Abenteuerspielplatz Günthersburg gibt es eine große Akzeptanz, auch wegen der Nähe zum Park, zum Wasserlehrpfad im Wasserpark und zum Abenteuerspielplatz. Dass an der Dortelweiler Straße ein sechszügiges Gymnasium entstehen soll, beobachtet der Ortsbeirat kritisch. Nicht nur die Größe halten wir für problematisch, auch eine Verkehrsanbindung von Osten.

Positiv sieht Ihr Gremium dagegen, dass ein kleiner Turm auf dem Alleenring künftig auf die sogenannte Campusmeile hinweisen soll.

Es ist sehr schön, was die Studierenden der FH entwickelt haben; mit der Präsentation und Preisverleihung im Ortsbeirat wurden die Modelle für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar. Mit dem „Campussign“, vielleicht einem Turm, soll auf die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Frankfurt hingewiesen werden; ebenso auf die Campusmeile, die es lohnt, deutlicher entwickelt zu werden, auch um eine bessere Aufenthaltsqualität zu erreichen.

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