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Das „Maincheck“ nimmt Formen an. Carsten Gehrig im künftigen Zentrum für Sexualität, Identität und Gesundheit.  

Nordend

Ort der kurzen Wege im Nordend

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Die Renovierungen für das „Maincheck“ als Zentrum für Sexualität, Identität und Gesundheit gehen voran. Mitte Mai will die Aids-Hilfe in ihre neuen Räumlichkeiten einziehen.

Prall gefüllte, blaue Müllsäcke lehnen an großen Kabelrollen, neu gezogene Wände werden isoliert und verputzt – in den Räumlichkeiten der Aids-Hilfe Frankfurt gehen die Umbauten für das geplante Zentrum für Sexualität, Identität und Gesundheit bald in die letzte Phase. „Maincheck“ soll es heißen und verschiedenste Projekte der AIDS-Hilfe in Frankfurt unter ein Dach bringen.

„Wir haben ein großes Portfolio an Angeboten, die teilweise auch erstmal gar nichts mit HIV und Aids zu tun haben“, sagt Carsten Gehrig, Fachbereichsleiter für Psychosoziales und Prävention. Dem solle nun das „Maincheck“ Rechnung tragen.

Ursprünglich gegründet als Selbsthilfeorganisation während der HIV-Krise in den Achtzigern, hat die Aids-Hilfe Frankfurt zunehmend ihren Fokus erweitert. Die Bar „Switchboard“, das Drogenhilfezentrum „La Strada“ und die monatlichen „Frankfurter Vorträge“ gehören schon länger zum Programm. Vor anderthalb Jahren kam ein Safehouse für queere Geflüchtete hinzu. „Das ist generell die Richtung, in die es für die Aids-Hilfe geht: mehr zum LSBT*IQ Bereich. Das war ja eigentlich schon immer ein großer Teil“, sagt Gehrig.

Pünktlich zum 35-jährigen Bestehen verwandelt sich nun also die zweite Etage in der Friedberger Anlage in eine zentrale Anlaufstelle für Männer und Frauen, für Homo-, Hetero-, Trans- oder Intersexuelle, für Menschen mit HIV und ohne, kurz gesagt: für alle.

Einzug Mitte Mai

Das „Maincheck“ , das Zentrum für Sexualität, Identität und Gesundheit, öffnet voraussichtlich Mitte Mai in den Räumlichkeiten der Aids-Hilfe Frankfurt in der Friedberger Anlage 24. Weitere Informationen gibt es online unter www.frankfurt-aidshilfe.de.

Seit über zwei Jahren ist das „Maincheck“ in Planung. Immer wieder wurde der Umbau aus finanziellen Gründen verschoben. Im Februar begannen dann die Bauarbeiten. Die Kosten: etwa 150 000 Euro. Kein Zuckerschlecken für einen Verein, der auf Förderung und Spenden angewiesen ist. Trotzdem: „Ich glaube, es ist die richtige Entscheidung, weil wir uns einfach weiterentwickeln müssen“, sagt Carsten Gehrig.

Neben mehreren Beratungsräumen und einem Behandlungsbereich soll auch ein Zimmer für Psychotherapie bereit stehen. „Viele Leute in der Community haben psychische Auffälligkeiten, das steht nicht so breit in der Öffentlichkeit“, sagt Gehrig.

Das „Maincheck“ soll an dieser und weiteren Stellen Lücken schließen. Und dabei ein Ort der kurzen Wege werden. Denn immer noch zögerten viele, Angebote der Aids-Hilfe wahrzunehmen, berichtet Gehrig. Wer aber einmal da gewesen sei, etwa um eine Kinderwunsch-Beratung für queere Paare in Anspruch zu nehmen, käme eher auch wieder, wenn es um Gesundheit und Tabu-Themen ginge.

Und Aids sei eben immer noch so ein Thema. Auch deswegen will die Aids-Hilfe Frankfurt sich mit der Eröffnung des „Mainchecks“ neu präsentieren und ab Mai unter der schlichten Abkürzung AHF auftreten.

„Es ist ein Fluch und Segen zugleich“, erklärt Carsten Gehrig, „Was Charity betrifft, ist die Aids-Hilfe ein guter Name. Aber für viele Klienten und Klientinnen ist er auch ein Hemmschuh. Das zeigt, dass HIV und Aids immer noch stigmatisiert werden“. Inmitten der um sich greifenden Corona-Pandemie sieht Gehrig Parallelen, wenn etwa Menschen asiatischer Herkunft gemieden und diskriminiert würden. Dieses Schema sei der Aids-Hilfe gut bekannt.

Wegen Corona selbst ist der Fachbereichsleiter noch nicht allzu besorgt. Hygienestandards müssten sowieso eingehalten werden, einzelne Veranstaltungen habe man bereits abgesagt. Insgesamt aber ist Carsten Gehrig nicht aus der Ruhe zu bringen: „Wer, wenn nicht die Aids-Hilfe, hat Erfahrung mit Infektionskrankheiten?“

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