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Kult-Wirt des Odyssee geht im Dezember

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Von: Brigitte Degelmann

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Das Odyssee von Michael Kubala in der Weberstraße ist über das Nordend hinaus bekannt.
Das Odyssee von Michael Kubala in der Weberstraße ist über das Nordend hinaus bekannt. © Rüffer

Der Betreiber der Nordend-Kneipe Odyssee hört Ende des Jahres auf. Zwei Jahrzehnte lang hat Michael Kubala den Betrieb in dem gut bürgerlichen Lokal geführt, neben Essen und Trinken auch Lesungen, Konzerte und Diskussionen geboten. Der Nachfolger plant ein neues Konzept.

Erzählen, das kann Michael Kubala. Etwa von jenem heißen Sommerabend, als plötzlich der Schauspieler Ulrich Tukur in der Tür seines Lokals „Odyssee Kult“ stand und wenig später dessen nicht minder berühmter Kollege Sebastian Koch auftauchte. Schließlich komplettierte die Frankfurter Tatort-Kommissarin Margarita Broich das Mimen-Trio. Eine hochrangige Mitarbeiterin des Hessischen Rundfunks hatte die drei und noch einige andere zu ihrem Abschied ins „Odyssee“ eingeladen. Während die Runde drinnen fröhlich feierte, wurde der Wirt von seinen Gästen im Garten immer wieder am Ärmel gezupft: „Was ist denn heute bei dir los?“ Woraufhin Kubala, nie um einen Spruch verlegen, mit verschwörerischem Grinsen versicherte, dass gerade Recherchen für einen „Tatort“ betrieben würden. Sogar dessen Titel stehe schon fest: „Tod eines Wirts“.

Wer solche Geschichten von ihm hören und einen gemütlichen Kneipenabend bei ihm verbringen will, hat dazu nicht mehr oft Gelegenheit. Nach gut 20 Jahren vor und hinter dem Tresen des „Odyssee“ will er Ende des Jahres aufhören. Schließlich, sagt Kubala, werde er in einigen Monaten 70 Jahre alt. Daher schmiedet er mit seiner Frau Susanne Ruhestandspläne: „Wir wollen das genießen, was wir an vernünftigen Jahren noch vor uns haben.“

Was nicht heißt, dass ihm der Abschied leichtfällt. Gearbeitet habe er immer gerne, sagt der gebürtige Frankfurter. Auch früher schon, als er erst bei einem großen Lebensmittelkonzern Karriere machte und danach für ein Unternehmen aus der Entsorgungsbranche die europaweite Logistik aufbaute. Damals war er viel unterwegs. Bis er endlich mal wieder sieben Nächte pro Woche im eigenen Bett schlafen wollte.

Ein Bekannter erzählt ihm dann, dass jemand im Nordend ein Kulturcafé eröffnet habe, das nicht ins Laufen komme. Kubala trifft sich mit dem Mann, steigt in das Projekt ein und übernimmt es schließlich, als der andere nicht mehr weitermachen will. Seine Frau Susanne unterstützt ihn und entdeckt ihre Leidenschaft fürs Backen – zur Freude der Gäste, die ihre hausgebackenen Kuchen zu schätzen wissen.

Dass es in dem Lokal nicht nur um Essen und Trinken geht, sondern auf der kleinen Bühne auch Lesungen, Jazzkonzerte und Diskussionen stattfinden können, gefällt ihm. Ebenso der Kontakt mit den Gästen. Auch wenn unter ihnen schon mal bekannte Gesichter auftauchen, so sei das „Odyssee“ in erster Linie eine „klassisch einfache bürgerliche Kneipe“, sagt er, „für die alleinstehende Oma ebenso wie für junge Familien“. Manche von ihnen kennt er seit bald 20 Jahren.

Probleme bleiben aber nicht aus. Etwa die Finanzkrise 2008, die der Gastronomie zu schaffen macht, weil das Geld nicht mehr so locker saß. Und Corona, als das Lokal neun Monate geschlossen bleiben musste. Jetzt die Energiekrise und die Inflation. Um 40 bis 50 Prozent seien die Lebensmittelpreise gestiegen, rechnet Kubala vor: „Das kann man nicht alles eins zu eins weitergeben. Wir gehen harten Zeiten entgegen.“

Das ahnte er schon im Frühjahr, nach Ausbruch des Ukrainekriegs. Und beschloss, den Mietvertrag für das Lokal nicht mehr zu verlängern. Obwohl bei ihm Wehmut aufkommt, wenn er an den Abschied von seinen Mitarbeitern denkt, von denen ihm die meisten jahrelang die Treue halten. Trotzdem will er keine Sentimentalität aufkommen lassen. Beim Abschiedsabend im Dezember – das Datum steht noch nicht fest – wird unter anderem der Schauspieler Michael Lerchbaumer singen. Das Motto steht schon fest: „Weinen verboten“.

Zwar wird das „Odyssee“ in der Weberstraße 77 Ende des Jahres schließen. Dennoch sollen in den Räumen, die einst als Metzgerei und später als Krabbelstube dienten, auch künftig Gäste bewirtet werden. Laut Kubala wird ein ehemaliger Mitarbeiter des „Harveys“ das beliebte Lokal übernehmen, der allerdings einen Umbau und ein neues Konzept plane. Eröffnung offen.

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