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Kritik nach Kahlschlag

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Früher stand hier ein Wäldchen, bald wird es ein Neubau mit 24 Wohneinheiten sein.
Früher stand hier ein Wäldchen, bald wird es ein Neubau mit 24 Wohneinheiten sein. © christoph boeckheler*

Nachbarschaft an der Leimenrode fürchtet maximale Verdichtung. Für das geplante Mehrfamilienhaus hat der Bauherr bereits etliche Bäume fällen lassen.

Das Grundstück Leimenrode 29 ist kahl. Nachdem in der kleinen Sackgasse unweit des Oeder Wegs in den vergangenen Monaten ein altes Gebäude abgerissen wurde, sind nun fast alle Bäume gefällt worden – zum Entsetzen vieler Anwohnerinnen und Anwohner. „Das ist ein richtiger Kahlschlag“, sagt Silke Schuck, die in einer Nachbarstraße wohnt. Für die Innenstadt sei es ein seltener „kleiner Wald“ gewesen, der Vögeln Zuflucht bot und im Sommer Schatten und frische Luft gebracht habe, berichtete sie den Mitgliedern des Ortsbeirats 3 (Nordend), die sie um Unterstützung bat. Die Bäume sind einem Mehrfamilienhaus zum Opfer gefallen, das dort errichtet werden soll.

Kritisch sieht Schuck den geplanten Neubau, der das gesamte Areal ausnutzen werde. Zwar werde er niedriger als das Vorgängergebäude, rücke dafür aber dichter an die bestehende Bebauung. Sie könne nicht nachvollziehen, dass die Stadt grünes Licht für die Fällungen gegeben habe und nicht etwa ein Kompromiss gefunden wurde. „Es sollte alles dafür getan werden, dass Bauvorhaben das Umfeld berücksichtigen, dass Genehmigungen an Bedingungen geknüpft sind, die nicht vom Investor und vom Kapitalmarkt, sondern vom Charakter des Viertels bestimmt sind.“

Sorgen bereitet Schuck, dass direkt neben dem Grundstück ein weiteres Bauprojekt geplant ist. Im Hinterhof der Escherheimer Landstraße soll ein Industriegebäude Platz für Neubauten machen. Sie befürchtet, dass wieder eine maximale Verdichtung zu erwarten ist. Beide Projekte zusammen „zerfurchten das Viertel wie ein Keil, ignorierten die räumliche Ordnung der historischen Bebauung und die Zukunft mit noch mehr Hitze inmitten der Städte“.

Für das Areal in der Leimenrode liege ein alter Bebauungsplan aus den 60er Jahren vor, sagt die Leiterin der Bauaufsicht, Simone Zapke auf Anfrage. Demnach gebe es Baurecht – und die Stadt habe eine Baugenehmigung erteilen müssen. Der Plan gebe auch vor, wie gebaut werden darf. Es gelte die Verordnung, die zu der damaligen Zeit gültig gewesen sei. Auswirkungen habe dies auch auf die Fällungen: „Wo Baurecht besteht, tritt der Baumschutz zurück.“ Nötig sei in Frankfurt aber eine Fällerlaubnis, und ihre Mitarbeiter:innen berieten die Investoren „möglichst baumschützend“.

Thema im Ortsbeirat 3

Der Ortsbeirat 3 (Nordend) beschäftigt sich mit den Bauvorhaben in seiner Sitzung am Donnerstag, 8. Dezember, 19.30 Uhr, im Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum, Rothschildallee 16a.

Grüne und SPD fragen in einem gemeinsamen Antrag etwa nach, auf welchen Grundlagen die Bäume in der Leimenrode 29 gefällt worden sind und welche Möglichkeiten der Magistrat sieht, in Zukunft solche Kahlschläge im Nordend zu verhindern.

Fragen zum Baumschutz bei Neubauvorhaben stellt die CDU. Sie will etwa wissen, ob und wie der Bestand bei Einreichung eines Bauantrages erhoben wird und welche Kriterien bei Fällanträgen herangezogen werden. bos

Die Untere Naturschutzbehörde habe geprüft, ob die gefällten Bäume hätten erhalten werden können, sagt deren Leiter Volker Rothenburger. Durch den geringen Abstand zum Neubau wäre dies aber nicht möglich gewesen, da ein großer Teil der Wurzeln hätte gekappt werden müssen. Allerdings müsse der Bauherr in dem schmalen Streifen Nachpflanzungen vornehmen. Denn die Bäume seien schützenswert gewesen und hätten nicht etwa krankheitsbedingt gefällt werden müssen.

Für das Bauprojekt an der Eschersheimer Landstraße gelte derselbe Bebauungsplan wie an der Leimenrode, sagt Zapke. Noch laufe dort das Genehmigungsverfahren. Auf dem Areal gebe es keine Bäume, sagt Ute Habelt von der Unteren Naturschutzbehörde. Allerdings stehe auf dem Nachbargrundstück etwa eine große Platane. Für diese müsse geprüft werden, wo die Wurzeln verlaufen. Nach dem Abbruch des Bestandsgebäudes könne die Untersuchung händisch durchgeführt werden. Erst danach könne geschaut werden, ob der Bau so wie geplant errichtet werden könne.

An der Leimenrode soll ein Mehrfamilienhaus mit 24 Wohneinheiten und 28 Tiefgaragenplätzen entstehen. Im Hinterhof an der Eschersheimer Landstraße will der Projektentwickler Swiss Life Asset Managers insgesamt 27 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit errichten. Voraussichtlich im ersten Quartal 2023 starten die Abbrucharbeiten, teilt das Unternehmen mit. Der Beginn der Bauarbeiten sei für Mitte kommenden Jahres terminiert. Für den Schutz der Bäume auf den angrenzenden Grundstücken sei ein Gutachter beauftragt worden.

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