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Kritik an geplanter Baumfällung im Nordend

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Von: Boris Schlepper

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Die Bäume auf dem Grundstück der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte in der Adlerflychtstraße sind wichtig für das Mikroklima.
Die Bäume auf dem Grundstück der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte in der Adlerflychtstraße sind wichtig für das Mikroklima. © Renate Hoyer

Für ein Wohnhaus der Blindenstiftung in der Adlerflychtstraße fallen vier Bäume. Die Untere Naturschutzbehörde hat die Fällung bislang nicht genehmigt.

Die Stiftung für Blinde und Sehbehinderte will auf ihrem Grundstück in der Adlerflychtstraße ein Haus mit 20 Mietwohnungen errichten. Dafür müssen vier große Bäume weichen. Die Untere Naturschutzbehörde hat die Fällung zunächst nicht gestattet, doch gibt es bereits eine Baugenehmigung.

Noch ragen die beiden Linden, ein Gottesbaum und eine Eiche neben dem Sitz der Stiftung in den Himmel. Die Baumgruppe habe einen hohen Wert, sagt Volker Rothenburger, Leiter der Naturschutzbehörde. Sowohl für die Anwohnenden, das Ortsbild und die Umwelt. Als der Architekt den Antrag zum Fällen gestellt habe, sei er deshalb nicht genehmigt worden.

Rothenburger räumt ein, dass ihm klar gewesen sei, „Baurecht sticht Naturschutz und Baumschutz“. Er habe aber die Hoffnung gehabt, dass die Pläne überarbeitet werden und wenigstens ein Teil der Bäume erhalten bleiben. Vor allem die Eiche sei „besonders hochwertig“, habe eine hohe Klimawirkung und präge die ganze Straße. Der Antragsteller habe aber Widerspruch eingelegt, und da die Bauaufsicht Anfang März die Baugenehmigung erteilt hat, müsse die Fällung genehmigt werden.

Das kritisiert die Vorsteherin des Ortsbeirats 3, Karin Guder (Grüne). „Die Anwohnenden brauchen die Sauerstoffspender genauso wie der gesamte Stadtteil.“ Auch sei sie überrascht von den Fällabsichten, dem Ortsbeirat lägen bisher keine Pläne vor. Der Stiftung wirft sie vor, dass diese offensichtlich nicht bereit gewesen sei, an der Bebauung etwas zu ändern, um Bäume zu retten. Die Prioritäten müssten so geändert werden, „dass Baurecht nicht vor dem Schutz der Natur steht“, so Guder. „Grundsätzlich müssen seitens der Bauaufsicht bei Nachverdichtungen stärker der Baumbestand sowie unversiegelte Flächen gesichert und bewahrt werden.“

Bei Gesprächen mit den Bauherrn werde prinzipiell „möglichst baumerhaltend beraten“, sagt die Leiterin der Bauaufsicht, Simone Zapke, „und das gelingt uns auch häufiger.“ Allerdings gebe es Grenzen, etwa wenn sich der Baukörper nicht anders positionieren lasse, was in der Adlerflychtstraße der Fall sei. Und wenn Baurecht bestehe, dürfe gebaut werden, „auch wenn dafür Bäume gefällt werden müssen“, sagt Zapke, „da haben wir keinen Ermessensspielraum“.

„Wir haben im Oktober 2019 gemeinsam und sehr transparent mit der Unteren Naturschutzbehörde die Möglichkeiten einer anderen Bauweise erörtert“, sagt Stiftungsvorstand Andreas Enzmann. „Dabei haben wir deutlich gemacht, dass wir den im Nordend so dringend benötigten Wohnraum als notwendig erachten, und als Ausgleich einen Garten mit Bepflanzung einplanen, der ohnehin von Anfang an Teil unseres Konzepts war.“

Enzmann rechnet mit einem Baubeginn bis Juni, Fertigstellung Mitte 2023. Auf dem 650 Quadratmeter großen Grundstück sei ein mehrstöckiges Gebäude mit Wohnungen von 40 bis 100 Quadratmetern geplant. Als Ausgleich entstehe hinter dem Neubau ein Garten. Dort wolle die Stiftung Bäume pflanzen „und bei der Gestaltung die Vorgaben der Kompensationsverordnung erfüllen“. Das Wohnhaus bekomme ein begrüntes Dach, Heizung und Warmwasserbereitung erfolgen über Solarthermie. Vor dem Haus sind vier Plätze für Car-Sharing-Fahrzeuge geplant. Bei der Vergabe der Wohnungen werden Blinde und Sehbehinderte bevorzugt.

Um Anwohnende über das Projekt zu informieren, plant die Stiftung in den kommenden Wochen eine Infoveranstaltung.

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