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Ein Bündnis von Initiativen kämpft seit Jahren gegen eine Bebauung des von Kleingärten geprägten Areals. Es fordert einen Planungsstopp.

Stadtplanung

Frankfurt: Streit um „Günthersburghöfe“ im Nordend - SPD warnt vor hohen Mieten

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Frankfurts Planungsdezernent Josef sieht keinen Grund, die Planungen für die Günthersburghöfe zu stoppen - zeigt sich aber bereit, über mehr Grün zu verhandeln.

Obwohl die Frankfurter Grünen sich am Samstag gegen die bisherigen Pläne für die Günthersburghöfe im Nordend gestellt haben und die Bebauung auf die schon versiegelten Flächen beschränken wollen, will Planungsdezernent Mike Josef die Arbeiten am Bebauungsplan „ganz normal fortsetzen“. Eventuell könne der Plan noch vor der Kommunalwahl im März in die Offenlage gehen, kündigte der Sozialdemokrat am Montag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau an.

Frankfurt: Günthersburghöfe im Nordend sorgt weiter für Ärger

Die jetzigen Pläne sähen schon viel mehr Grün vor als die einst von seinem Amtsvorgänger auf den Weg gebrachten Entwürfe, betont Josef. Anders als zunächst vorgesehen, bleibe der Abenteuerspielplatz erhalten und sei ein 70 Meter breiter Grünstreifen geplant, der Günthersburg- und Huthpark verbinde. Von den 1500 Wohnungen, die im Gebiet entstehen könnten, in dem sich außer dem Projektentwickler Instone die städtische ABG Flächen gesichert hat, würden 30 Prozent öffentlich gefördert, weitere 15 Prozent seien für gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnprojekte vorgesehen. Das Quartier werde autoarm, Tiefgaragen seien nicht geplant.

Nach der Offenlage könne man trotzdem darüber sprechen, ob die in dem Areal östlich der Friedberger Landstraße geplante Schule auch auf einer bereits versiegelten Fläche entstehen, der Grünstreifen im Osten des Gebiets noch breiter werden oder der Anteil geförderter Wohnungen noch steigen könnte, sagt Josef. Auch über Fassaden oder die zu verwendenden Baustoffe könne man diskutieren.

Frankfurt: Druck auf Wohnungsmarkt ist sehr hoch

Gleichzeitig fordert Josef von den Grünen aber eine „Ansage“, ob sie eine Überarbeitung der Pläne oder das Projekt stoppen wollen. Und macht sehr klar, dass er ein Aus für das Vorhaben für völlig falsch hielte. Frankfurt brauche Mieterschutz und Neubau, sagt er. Ohne Neubau steige der Druck auf den Wohnungsmarkt weiter.

Die SPD im Römer äußert sich schärfer. Sieghard Pawlik, wohnungspolitischer Sprecher der Fraktion, wirft den Grünen mangelndes Verantwortungsbewusstsein vor. Mit jeder Wohnung, die nicht gebaut werde, wachse die Gefahr rasant steigender Mieten und der Verdrängung aus angestammten Wohnquartieren. Gerade das Nordend werde betroffen sein. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger das riskieren will, nur um die privaten Freizeitgärten von einigen wenigen Privilegierten zu erhalten.“

Frankfurt: Planungsstopp für die Günthersburghöfe gefordert

Die Mitgliederversammlung der Grünen hatte den Kurswechsel am Samstag gegen das Votum ihrer Parteispitze vollzogen. Mit 70 zu 54 Stimmen votierte sie dafür, die Bebauung des 16 Hektar großen Gebiets auf dessen bereits versiegelte Flächen am Rand zu begrenzen. Zuvor hatte schon der Ortsbeirat 3 auf Antrag der Grünen einen Planungsstopp für die Günthersburghöfe gefordert.

Die CDU im Römer reagiert mit deutlicher Kritik auf den Kurswechsel des Koalitionspartners. Er könne die Entscheidung der Mitgliederversammlung nur mit Kopfschütteln beantworten, sagt Fraktionschef Nils Kößler. Schließlich distanzierten sich die Grünen damit von einem Projekt, das über viele Jahre mit einer extrem aufwendigen Bürgerbeteiligung und einer bewussten Ausrichtung auf Umwelt- und Klimaschutz herangereift sei.

Pläne für neues Wohngebiet in Frankfurt

Die Pläne versprächen eine sinnvolle Balance zwischen Grün und Wohnen. Wohnungsbau nur auf bereits versiegelten Flächen zu betreiben, sei angesichts des riesigen Bedarfs an Wohnraum nicht möglich. Die im Quartier geplanten Wohnungen seien ein wichtiger Bestandteil zur Minderung des Wohnungsproblems in Frankfurt, sagt Kößler.

Kritik äußert auch der frühere Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne). „Wenn man nicht die Kraft hat, Stadtentwicklung – zu der auch der Wohnungsbau gehört – aktiv zu gestalten, ist es ein Weg, sich von kontroversen Projekten zu verabschieden“, schreibt er auf Facebook. Er würde sich als Frankfurter aber „mehr grünen Gestaltungswillen“ wünschen. Zudem sei es eine „Illusion zu glauben, dass höhere Quoten für den geförderten Wohnungsbau Abhilfe schaffen, wenn es keine neuen Baugebiete gibt“.

Frankfurt: Grüne stellen sich gegen Günthersburghöfe

Die BFF-Fraktion im Römer wirft den Grünen vor, nur für Baugebiete zu sein, die weit weg von der eigenen Kernklientel entstehen sollen. Schließlich hätten die Grünen sich gegen die Günthersburghöfe gestellt, aber entschieden, den geplanten Stadtteil im Nordwesten beidseits der A5 zu bauen.

Die Linken im Römer loben den Beschluss dagegen und sprechen von einem Erfolg der Aktivist:innen und Initiativen der Grünen Lunge. Zugleich warnt Eyup Yilmaz, der wohnungspolitische Sprecher der Fraktion, davor, den Grünen zu trauen. Für Machtoptionen hätten diese in früheren Fällen noch jede Überzeugung über Bord geworfen.

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