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Blick in einen Hinterhof der Vogelsbergstraße, auch hier wurde umgebaut und aufgestockt.

Wohnen im Nordend

Immobilien-Wildwuchs im Frankfurter Nordend

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Mit Immobilien lässt sich im Nordend reichlich Geld machen. Die Folge: Fast in jedem Hinterhof wird gebaut. Der Ortsbeirat fordert ein Eingreifen. 

Der Ortsbeirat 3 will die massive Bebauung von Hinterhöfen im Nordend eindämmen. Deswegen fordert das Stadtteilgremium den Magistrat dazu auf, eine Hinterhofsatzung für Frankfurt aufzustellen. Diese soll das Bauen auf diesen Flächen künftig regulieren, das vorhandene Grün schützen und die Interessen der Anwohner wahren. Es gehe nicht darum, „eine vernünftige, gesunde Bebauung zu verbieten“, betont SPD-Fraktionsvorsitzender und Antragsteller Rüdiger Koch. „Es geht um die Auswüchse, um die Relation.“

Auslöser für den mehrheitlich beschlossenen SPD-Antrag war ein besonders krasser Fall im Bäckerweg, über den auch die FR im vergangenen Oktober berichtet hatte. Ein Investor hatte dort einen großen Hinterhof erworben und 43 Wohnungen gebaut. Dazu soll das Gebäude weitere Räumlichkeiten für Büros oder Arztpraxen beherbergen, auch eine Tiefgarage mit 25 Stellplätzen gibt es. Die Nachbarn, die zuvor ruhig gewohnt hatten, befürchteten Lärm, Verschattung und eine schlechtere Luftzirkulation. Statt auf den großzügigen Hinterhof blicken manche künftig auf die grauen Betonwände des Neubaus. „Das ist eine massive Verschlechterung für uns“, sagte damals eine Anwohnerin der FR.

Solche Beispiele gibt es im dichtbesiedelten Nordend immer wieder, vor allem aus Mangel an räumlichen Alternativen. „Wir werden das nicht komplett verhindern können“, gibt Koch zu. Er sei jedoch überzeugt, dass sich Stadt und Investor „in allen Fällen in einer vernünftigen Mitte treffen können“. Und wenn die Stadt mitkriege, dass ein Bauherr auf einem Hinterhof Luxuswohnungen errichten will, könne sie auch mit Verweis auf die Milieuschutzsatzung ihr Vorkaufsrecht ausüben.

Für die Hinterhofsatzung, so der Wunsch des Ortsbeirats, soll der Magistrat nun mehrere Dinge ausarbeiten: Wie kann verhindert werden, dass überdimensionierte Neubauten die Wohnsituation der Anwohner urplötzlich verschlechtern? Wie können vorhandene Grünflächen erhalten werden? Und wie können die Freiluftschneisen, die die Höfe bieten, erhalten bleiben? Vor allem im vergangenen Sommer, so Koch, habe man „massiv gemerkt“, dass sich die Hitze im Nordend aufgrund der engen Bebauung staue. Und auch auf optische Aspekte solle der Magistrat achten. „Früher habe sich die Hinterhöfe harmonisch in die Gebäude-Vierecke eingefügt“, betont Koch. „Heute gucken die Leute aus dem Fenster oft auf hässliche Durchschnittsarchitektur. Das hat das nichts mehr mit einem schönen Ausblick zu tun.“

Nils-Christian Grafflage (CDU) sieht das Projekt Hinterhofsatzung kritischer. Er wolle die Bebauung „nicht kategorisch ablehnen“, sagt er. „Jedes Jahr kommen tausende Leute nach Frankfurt und bringen die Stadt zum Florieren. Die müssen auch irgendwo wohnen. Man kann nicht immer alles so lassen, wie es ist.“ Man müsse stets den Einzelfall betrachten, betont Grafflage. Der CDU-Mann wohnt im Oberweg, dort sei kürzlich auch ein Hinterhof bebaut worden. „Das ist sensationell schön geworden, ich denke, da hat niemand was dagegen.“ Beim Bäckerweg sind sich der Christ- und der Sozialdemokrat aber einig. Grafflage gibt zu: Das sei ein bisschen viel.

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