Schwester Heidi und Pfarrer Jeffrey Myers.  
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Schwester Heidi und Pfarrer Jeffrey Myers.  

Nordend

Himmlisch gebettet im Nordend

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Eine Plakette weist das Diakonissenhaus im Holzhausenviertel jetzt als Herberge aus.

Ungläubig schauen Pilger, wenn sie ihre Schlafstätte im Frankfurter Diakonissenhaus beziehen. Denn sie erwarteten weniger Annehmlichkeiten. Das berichten Schwester Heidi, Oberin der evangelischen Schwestern-Gemeinschaft, und die Gästebetreuerin des Hauses, Tatjana Zwermann, am Dienstagmorgen. Ein Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht dabei, aus aktuellem Anlass mit einigen Metern Abstand voneinander.

Den Wanderern auf christlichen Pfaden wird in der Jugendstil-Villa im Holzhausenviertel einiges geboten: „Ein frisch bezogenes Bett“ in einem eigenen Zimmer mit Bad und Telefon – falls gerade frei – mit Blick auf den Garten, dazu ein üppiges Frühstück. „Die meisten Pilger sind ein bescheidenes Volk und gewohnt, auf dem Fußboden zu schlafen“, sagt Pfarrer Jeffrey Myers. Als stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Lutherweg in Hessen“ hat er zu dem Termin eingeladen.

Als „Oase der Ruhe“, bezeichnet der 67-Jährige die Villa in der Cronstettenstraße. Doch trotz des ungewohnten „Luxus“, der die Wallfahrer dort erwartet, zögen sie, etwa auf der rund 400 Kilometer langen Route des „Lutherweges 1521“ von Worms nach Eisenach, meist an Frankfurt vorbei. „200 Euro in der Nacht“, damit rechneten die Läufer nämlich häufig pro Schlafplatz in der Messestadt. Deshalb übernachteten sie lieber außerhalb.

Kleines Schild am Seiteneingang

Damit sich das ändert, hängt seit Dienstag am Seiteneingang der Villa, unter der Hausnummer 57, ein kleines Schild mit der Aufschrift „Herberge“. In Grün sind daneben Piktogramme eines Hauses, wandernden Figuren sowie des Lutherweges zu sehen, der vor zwei Jahren zum Reformationsjubiläum eröffnet worden ist. Durch Internetpräsenz und Medien wie den „Pilgerführer“, in dessen nächster Auflage das Diakonissenhaus als Unterkunft erscheinen wird, soll die Bekanntheit weiter gesteigert werden. „Wir freuen uns in den kommenden Monaten, trotz Coronavirus, auf noch mehr Pilger“, sagt Myers, dessen Verein die „Pilgerherbergs-Plakette“ spendiert hat. Er fügt hinzu, dass sich der Lutherweg in Frankfurt mit weiteren Pilgerrouten wie dem Hugenotten-, dem Elisabethpfad sowie mehreren Strecken der Jakobswege kreuze.

„Es gab immer schon einzelne Pilger, die bei uns übernachtet haben“, sagt Schwester Heidi. Doch die Großzahl der 26 bis 28 Betten werde von Tagungs- und Konferenzgästen genutzt, oder auch von Dozenten, die an der Goethe-Uni Vorträge hielten. Für eine Übernachtung zahlen Gäste gewöhnlich 55 Euro ohne Frühstück. Pilger erhalten einen Spezialpreis von 20 Euro inklusive Frühstück. Dass sie deshalb künftig die Türe eingerennt bekommen, glauben die Verantwortlichen allerdings nicht. Außerdem seien die Kapazitäten für die Wanderer weit ausdehnbar.

„Wir würden jeden Pilger aufnehmen“, sagt Tatjana Zwermann. Wenn alle Betten belegt sind, könnte ein Seminarraum, der mit Badezimmer ausgestattet ist, zur Lagerstätte umfunktioniert werden. Und für eine solch einfache Ruhestätte haben die meisten Pilger ja ohnehin ihre Matten dabei.

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