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Künftige Bewohner des Hausprojekts stoßen mit Planungsdezernent Mike Josef (in der Weste) an.

Wohnen 

Gemeinschaftlich leben im Bahnhofsviertel

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Im Juni ziehen die ersten Bewohner ins Hausprojekt NiKa ein. An der Ecke Niddastraße/Karlstraße wollen 43 Menschen solidarisch zusammenleben.  

Nach knapp eineinhalb Jahre dauernden Arbeiten ist der Umbau der ersten Hauses, das die Stadt über ihren Liegenschaftsfonds vergab, fast abgeschlossen. Im Juni sollen 43 Menschen in ein früheres Pelzhändlerhaus an der Ecke Niddastraße / Karlstraße im Bahnhofsviertel einziehen können und dort als Hausprojekt NiKa zusammen wohnen. Sie werden in Drei-, Vier- und Sieben-Zimmer-Wohnungen leben, die aus jeweils 18 Quadratmeter großen Zimmern und einem Wohn- und Küchenbereich bestehen.

Gemeinsam können die Bewohner, unter denen sechs Kinder, aber auch über 60-Jährige sind, zudem eine große Fläche im Dachgeschoss samt Gästezimmer und die etwa 80 Quadratmeter große Dachterrasse nutzen. Sie werden eine für Frankfurt inzwischen günstige Miete von neun Euro pro Quadratmeter im Monat zahlen. Und diese wird nur steigen, wenn die Bewohner das für nötig halten. Sie sind Mitglieder des Hausvereins, dem die Immobilie gemeinsam mit dem Netzwerk Mietshäuser-Syndikat gehört – also Mieter und Eigentümer der Immobilie zugleich. Die Rechtskonstruktion ist bewusst so gewählt, dass das Haus nicht verkauft werden kann. Das Mietsystem ist solidarisch. Wer mehr bezahlen kann, hat eine etwas höhere, wer weniger Geld hat, eine niedrigere Miete.

Hinter der Gruppe liegt enorm viel Arbeit. Einige wollen schon seit Jahren gemeinsam und solidarisch leben; sie versuchten dafür zunächst, das frühere Philosophicum der Goethe-Uni in Bockenheim zu erwerben, scheiterten später auch mit Plänen für ein Projekt in Offenbach. „Nach gut sieben Jahren ziehen wir endlich ein“, sagte Moritz Krawinkel vom Hausprojekt am Samstag bei einem Pressegespräch anlässlich des Tags des offenen Wohnprojekts.

Die Gruppe habe hohe Hürden nehmen müssen, die Zusammenarbeit mit den Ämtern sei teilweise schwierig gewesen. Nun aber habe die Gruppe bewiesen, dass Laien wie sie in der Lage sind, ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von 3,6 Millionen Euro zu stemmen, sagte Krawinkel. 926 000 Euro musste die Gruppe, wie Emel Schattner sagte, der Stadt für das Haus bezahlen; diese bevorzugte bei der Vergabe das beste Konzept, nicht den Höchstpreis. 13 500 Euro im Jahr werden für den Erbbauzins fällig. Die Gruppe finanzierte das Projekt zu einem hohen Teil über Kleinkredite, die Freunde, Familien, Sympathisanten gewährten. Die Zinsen sollen aus den Mieteinnahmen beglichen werden.

Die Gruppe will mehr als gemeinsam leben. Ziel sei auch, politisch in den Stadtteil hineinzuwirken, sich mit der dort laufenden Verdrängung und den sozialen Problemen auseinanderzusetzen, sagte Krawinkel. Ins Erdgeschoss des Hauses zieht die Sozialberatung des Fördervereins Roma. Einen weiteren Raum sollen kulturelle und antirassistische Initiativen nutzen können, ein Eltern-Kind-Angebot ist geplant. Ausstellungen und Veranstaltungen sollen Platz finden.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nannte das Projekt einen Beitrag für Vielfalt auf dem Wohnungsmarkt und dauerhafte Stabilität bei den Mieten. Es könne zudem zu einer höheren Identifikation der Bewohner des Viertels mit ihrem Stadtteil beitragen. Birgit Kasper vom Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen beobachtet in Frankfurt einen exponentiell steigenden Wunsch, gemeinschaftlich zu wohnen. Sie sei froh, dass das Planungsdezernat die Gruppen inzwischen nach Kräften unterstütze.

Mehr unter www.nika.haus

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