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Wohnraum im Nordend ist beliebt, auch bei Investoren.

Wohnen in Frankfurt

Gemeinsam gegen Verdrängung in Frankfurt-Nordend

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Mieter wollen sich gegen den Verkauf ihrer Häuser wehren. Der Ortsbeirat 3 unterstützt sie politisch.

Ihr Haus an der Eckenheimer Landstraße sei letztes Jahr verkauft worden, berichtet eine Anwohnerin. Nun jage eine Modernisierung die nächste. Sie habe schon drei Mieterhöhungen hinter sich, 700 Euro mehr müsse sie mittlerweile zahlen. Da sie schon seit 40 Jahren in der Wohnung lebe, sei ihre Miete natürlich gering, aber eine Steigerung von rund 150 Prozent „schon happig“. Seit Monaten lebe sie zudem mit dem Lärm, Dreck der Bauarbeiten, sechs Tage die Woche. „Nun wollen die Eigentümer die Bäder sanieren und haben angekündigt, dass wir zehn Monate ein Dixiklo im Hof nutzen müssen“, sagt sie. Davor graue es ihr schon jetzt. Sie sei fast soweit, aufzugeben. Andere Mieter seien bereits ausgezogen, andere suchten etwas Neues.

Es sind Geschichten wie diese, die rund 30 Menschen am Freitagabend in die St.-Bernhard-Gemeinde im Nordend getrieben haben. Die Liste der vertretenen Straßen ist lang, auch im Ostend oder Westend fürchten die Bewohner Vertreibung. Sie berichten von Drohungen, Schikanen und höheren Zahlungen. Mieter des Hauses an der Hebelstraße 23 hatten zu dem Treffen aufgerufen. Auch sie fürchten, dass das Haus nach einem Eigentümerwechsel aufwendig saniert, umgebaut und teuer vermarktet werden könnte.

Die fünf Parteien hatten sich mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Dezernenten gewandt (wir berichteten). Sie hoffen, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht anwendet, das Haus liegt im Bereich der Milieuschutzsatzung.

Die Stadt prüfe gerade das Vorkaufsrecht für die Hebelstraße, sagt Rüdiger Koch von der SPD im Ortsbeirat 3 auf der Versammlung. Er hält die Mieter an, sich laut zu beklagen. Auch Hans-Joachim Habermann (Linke) empfiehlt, öffentlich Druck zu machen und etwa das Anliegen im Planungsausschuss vorzubringen. Die Stadtteilpolitiker kennen zahlreiche Beispiele aus dem Viertel und haben bereits Anträge dazu gestellt.

Nun wollen Linke, Grüne und SPD einen gemeinsamen Antrag für die kommende Sitzung Ende März formulieren, um die Mieter zu unterstützen. Darin werden sie die Stadt auffordern, ihr Vorkaufsrecht in Anspruch zu nehmen und die Mieter zu guten Konditionen dort wohnen lassen. Oder eben dort, wo es zu spät ist, gegen krasse bauliche Veränderungen oder Modernisierungen vorzugehen.

Mieter der Hebelstraße und Mitinitiator der Treffen Andreas Guhl freut sich über die politische Unterstützung. Guhl hofft, dass es für die Hebelstraße 23 dann noch nicht zu spät ist. Denn nach einem Kauf bleiben der Stadt zwei Monate dagegen vorzugehen. „Hier herrscht schneller Handlungsbedarf.“ Möglicherweise müsse eben das Weisungsrecht ausgeübt werden, sagt er, das hieße, dass der Oberbürgermeister aufgefordert werde, das Objekt zu kaufen.

Aber Guhl appelliert auch an die Politik, sei es in der Stadt oder auf Landesebene, selbst Entscheidungen umzusetzen und nicht alles auf die Bürger abzuwälzen. Denn es gebe ja Gesetze, nur müssten diese eben auch angewandt werden.

Auch Michael Boedecker von der Nachbarschaftsinitiative Nordend-Bornheim-Ostend (NBO) ist am Freitag gekommen, er kennt solche Fälle zur Genüge. Die Stadt könnte vieles umsetzen, wenn sie denn den Willen hätte, sagt. Das Vorkaufsrecht mache nur Sinn, wenn es auch ausgeübt werde, und das tue die Stadt nur sehr selten. Andere Städte wie München griffen da härter durch. Er bietet den Mietern ebenfalls Hilfe an.

Doch Guhl und die anderen Mieter wollen zunächst selbst aktiv bleiben. „Ich bin zufrieden, dass sich unsere Kräfte verdoppelt haben“, sagt er nach dem Treffen. Gemeinsam wollen sie weiter für ihre Rechte kämpfen. Als nächster Schritt ist ein Infostand geplant, um Anwohner zu informieren und mobilisieren.

Am Freitag, 15 März, ab 15 Uhr, informieren die Mieter an der Eckenheimer Landstraße/ Ecke Glauburgstraße vor dem Aldi. Kontakt: info@ mieterbleiben.de oder 90 50 29 98.

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