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In ihrem Quartier ist Brunhild Müller bekannt wie ein bunter Hund. Foto: Monika Müller
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In ihrem Quartier ist Brunhild Müller bekannt wie ein bunter Hund.

Nordend

Frau Müller wird 100 Jahre alt

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Die Nachbarschaft gratuliert der Frankfurterin, die für die Petersgemeinde tätig war. Den Großteil ihres Lebens verbrachte sie im Nordend.

Ich dachte immer, das würde mich nicht betreffen, das hohe Alter“, sagt Brunhild Müller in trockenem Tonfall. Die Zeit vergehe so rasch. Gleichzeitig sei ihr aber auch „nicht so wahnsinnig wichtig“, dass sie am heutigen Donnerstag 100 Jahre alt wird.

Den Großteil der Zeit hat Brunhild Müller mit ihrem 93-jährigen Mann Klothar im Nordend verbracht. In einer Dreizimmerwohnung in der Fichardstraße hat das Paar eine Familie gegründet und ihren Sohn groß gezogen, der mittlerweile 64 Jahre alt ist, kurz für die Frankfurter Rundschau tätig war und heute in der Schweiz lebt. Eine Enkelin und zwei Enkel gibt es auch.

Gelassen wirkt die Jubilarin, während sie am Telefon von sich erzählt. Das unterstreicht auch ihre Reaktion, als sie von einem Foto erfährt, das von ihr für die Zeitung gemacht werden soll. Damit habe sie schon gerechnet, sagt Brunhild Müller und fügt lakonisch hinzu: „Ich war gar nicht beim Friseur.“

Im Nordend ist sie fest verwurzelt. Mehr als zehn Jahre lang engagierte sich Brunhild Müller im Gemeindevorstand der früheren evangelischen Epiphanias- und heutigen Petersgemeinde. „Ich halte mich für eine gläubige Christin“, sagt sie. Der Glaube gebe ihr Zuversicht in schwierigen Situationen. Auch im Kirchenchor sang sie mit und trug Gemeindeblätter aus.

Ein „Highlight“ ihres kirchlichen Engagements sei die Partnerschaft mit einer Kirchengemeinde in der Hansestadt Stendal in Sachsen-Anhalt zu DDR-Zeiten gewesen. „Es war spannend, die Menschen dort kennen zu lernen“, sagt Müller, denen die Frankfurter Gemeindemitglieder zu Besuchen neben Kleidung sogar ganze Badezimmereinrichtungen mitgebracht hätten.

Gudrun Hübner, die in der Nähe der Wohnung von Brunhild Müller, ein Restaurant mit Weinbar betreibt, sagt: „So eine Frau muss doch gefeiert werden.“ Schon immer habe sie ihre Nachbarin als „quirlige Person“ wahrgenommen. „Die Nachbarschaft im westlichen Nordend funktioniert eben noch“, sagt sie und lacht.

Bis vor einem Jahr habe Brunhild Müller gerne vor ihrem Lokal gesessen und ein Schwätzchen gehalten. Seit die Füße nicht mehr so mitmachten sei einer ihrer „Lieblingsplätze“ in ihrer Wohnung auf dem französischen Balkon im Schlafzimmer, der Richtung Nordwesten zeigt, berichtet das Geburtstagskind. Dort sitzt Müller am liebsten nachmittags, um bei gutem Wetter den Sonnenschein zu genießen.

In Frankfurt zwar geboren, verbrachte sie „als regelrechte Frankfurterin“ ihre frühen Lebensjahre mit der Familie bis sie zehn war, in Bad Soden. „Nach dem Ersten Weltkrieg gab es wie heute auch sehr wenige Wohnungen in Frankfurt“, erinnert sie sich. Durch die Wohnungsnot, aufgrund der Kriegsschäden, musste die Familie an den Taunushang ziehen. „Ein hübscher Ort“, findet Brunhild Müller. Sie habe den „Taunus sehr geliebt“. Auch später zog es sie mit ihrem Mann immer wieder dorthin zum Wandern, was neben Schwimmen zu ihren Lieblingshobbies zählte. Kennengelernt hat sich das Paar nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Amerikanischen Generalkonsulat. Dort war Brunhild Müller mit ihrem Sprachtalent und „sehr guten Englischkenntnissen als Bürokraft“ tätig. Vielleicht wird es heute auch englische Geburtstagsgrüße für die Jubilarin geben.

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