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Auch heute noch helfen Ursula und Francesco Giudici im Blumenhaus aus, das inzwischen ihr Sohn Ricardo übernommen hat.

Nordend

Rosen seit sechs Jahrzehnten

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Das Blumenhaus Italia der Familie Giudici am Oeder Weg feiert seinen 60. Geburtstag. Inzwischen wird das Geschäft in der zweiten Generation geführt.

Als Ursula und Francesco Giudici begonnen haben, Blumen zu verkaufen, hatten sie keine Ahnung von der Materie. 60 Jahre später gibt es ihr „Blumenhaus Italia“ im unteren Oeder Weg noch immer. „Es war eine ganz kuriose Idee“, berichtet Ursula Giudici am Mittwoch von den Anfängen ihres Ladens. Sie hat sich kurz mit ihrem Mann auf die Bank vor ihr Geschäft gesetzt. Dahinter warten im Schaufenster Schnittblumen wie Chrysanthemen, Lilien und Rosen in Vasen auf Käufer.

„Ich habe in meinem ersten Leben als examinierte Erzieherin im Kinderheim und mein Mann als Kellner gearbeitet“, sagt die 84-Jährige. An einem Abend habe ihr Gatte im Restaurant „Santa Lucia“ in der Münchener Straße einen Blumengroßhändler mit „dickem Portemonnaie“ bedient. „Damals wurden die Blumen noch bar bezahlt“, sagt Francesco Giudici. So wurde das Paar neugierig, hing die alten Jobs an den Nagel und versuchte sich in der Floristik.

„Schwierig war’s am Anfang, aber wir haben durchgehalten“, sagt die Seniorchefin. Die Miete von 500 Mark und die geringe Kundschaft hätten ihnen zu Beginn Probleme bereitet, und die Eheleute wollten schon aufgeben. Doch nach rund einem Jahr sei das Geschäft angelaufen. Ein Jahr zuvor hatten die beiden Zugezogenen – sie aus dem Sudetenland, er aus Mailand – geheiratet. „Qualität, Bodenständigkeit und Service“ zählten zu ihren Stärken, berichten die Familienmitglieder. Auch „faire Preise“ nennt Stammkunde Volker Adler als Grund, warum er immer wieder komme. „Meine Eltern waren schon immer Stammkunden bei dieser ganz reizenden Familie“, sagt der 50-Jährige. „Ein wunderbarer Laden, kompetent, mit so viel Herzblut“, sagt Petra Falk, die in der Nachbarschaft wohnt und auch regelmäßig Blumen kauft.

Am Anfang hatte die Familie damit zu kämpfen, dass nur wenige Kunden kamen.

Vor 23 Jahren hat Sohn Riccardo den Blumenladen der Eltern übernommen. „Wir sind stolz, dass wir das so lange erhalten konnten, und froh, dass unser Sohn es weiterführen wollte“, sagt Ursula Giudici: „Überzeugen mussten wir ihn nicht.“ Der 50-Jährige berichtet: „Ich habe fast schon immer geholfen, Blumen geputzt, angeschnitten und mir so ein bisschen Geld fürs Kino dazuverdient.“ Am meisten Freude bereite ihm aber die Gestaltung der Sträuße. „Da kann ich meiner Fantasie freien Lauf lassen“, sagt Riccardo, der dafür auch Kurse belegt habe.

Ein Leben ohne Blüten und Grünzeug können sich die Giudicis seit langer Zeit nicht mehr vorstellen. „Ich träume immer noch von Blumen“, sagt der 83-jährige Seniorchef. Das Paar hilft dem Sohn noch regelmäßig, genauso wie Tochter Giuliana und Enkel Luca.

„Ich wüsste auf dem Oeder Weg spontan kein anderes Geschäft, das so lange existiert“, sagt Sozialbezirksvorsteherin Cornelia Walther, die dem Paar vor einem Jahr zur Diamantenen Hochzeit gratuliert hatte und so von dem Firmenjubiläum erfuhr. Willi Preßmar, Ortsbeiratsmitglied der Grünen, sagt, dass es ganz wenige Geschäfte gebe, die „Bestand haben“. Für die Giudicis gilt das nicht: Riccardo Giudici will den Laden seiner Eltern „locker noch 20 Jahre“ weiterführen.

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