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Alexander Berghout freut sich, dass er ausstellen darf, vermisst aber viele Besucher.

Nordend

Kunst im kulturellen Lockdown

  • vonSabrina Butz
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Die Galerie Berghout in der Eschersheimer Landstraße darf geöffnet sein. Das gemeinsame Kunsterleben aber fehle, sagt ihr Gründer und Inhaber Alexander Berghout.

Da Galerien zum Einzelhandel zählen, dürfen sie auch im kulturellen Lockdown geöffnet sein. Das sei einerseits ein wenig skurril, sagt Alexander Berghout, Gründer und Inhaber der gleichnamigen Galerie Berghout in der Eschersheimer Landstraße: „Wir machen ja doch etwas anderes als ein Bäcker.“ Andererseits sei es auch ein Glück, so der 68-Jährige. Denn Menschen, die die Galerie im Eckhaus mit den großen Fenstern zufällig entdecken und hereinkommen, freuen sich, dass es doch noch Ausstellungen gebe.

Die aktuelle Gruppenausstellung zeigt Werke von sieben Künstlern und Künstlerinnen, die die Galerie für internationale zeitgenössische Malerei alle schon einzeln ausgestellt hatte. Am vergangenen Freitag erst wurde sie eröffnet – allerdings ohne Vernissage. „Unter den aktuellen Auflagen wäre eine Eröffnung wenig feierlich“, so der ehemalige Arzt. 2018 hat er seine Galerie eröffnet, der Impuls kam, als er den freien Laden an der Ecke gesehen hat.

Die Ausstellung

Die Gruppenausstellung der Künstler und Künstlerinnen Janina C. Bruegel, Bernd-Wolf Dettelbach, Markus Honerla, Gloria Jarden, Bettina Mauel, Suzan Schuttelaar und Bernd Zimmer ist noch bis zum 27. Februar 2021 in der Eschersheimer Landstraße 84 zu sehen. Die Öffnungszeiten der Galerie sind Mittwoch bis Freitag von 14 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 16 Uhr. Abweichende Termine können unter der Telefonnummer 79 37 06 16 oder per E-Mail an info@berghout.gallery abgesprochen werde. Weitere Informationen gibt es online unter www.berghout.gallery.

Berghout und seine Frau, die Künstlerin und Kunsthistorikerin ist, seien schon immer sehr „kunstinteressiert“ und viel auf Messen und in Museen gewesen. So lag die Idee einer Galerie-Gründung nahe. Allerdings nehmen die beiden nur Werke auf, „die uns selbst gut gefallen“, sagt der gebürtige Holländer: „Es ist vielmehr eine Leidenschaft als ein Geschäft.“

Deswegen kennt er die Künstler und Künstlerinnen auch alle persönlich, besucht sie regelmäßig in ihren Ateliers und erzählt passende Geschichten zu den einzelnen Bilder. All das sei momentan aber schwer.

Die Menschen seien vorsichtiger und gucken lieber nur von draußen durch die Fenster hinein. Berghout hat sogar umgeräumt, damit man von draußen mehr sieht. Auch die Kunstkäufe seien zurückgegangen. „Wir versuchen, den Betrieb so normal wie möglich weiterzuführen“, sagt der Galerist. Aber gerade die Gespräche über unterschiedliche Wahrnehmungen und Assoziationen, das gemeinsame Erleben von Kunst, das alles fehle ihm.

Die aktuelle Ausstellung zeigt Werke von sieben Künstlern und Künstlerinnen.

Dazu passend hat Berghout das Titelbild zur neuen Gruppenausstellung für die Homepage gewählt, als Sehnsucht: Es heißt „Und haben sie nachts sich zusammengesellt“ und zeigt verschiedene schick gekleidete Menschen mit Sektgläsern im Gespräch vor Bildern an der Wand. Es ist Teil einer Serie, die die junge Künstlerin Janina C. Bruegel zum Gedicht „Menschen bei Nacht“ von Rilke gemalt hat.

Stolz zeigt Berghout auch auf die abstrakten Landschaftsmalereien von Bernd Zimmer, einem Mitbegründer der Stilbewegung „Neue Wilde“ in den 70er Jahren, von dem auch im Städel Werke zu sehen seien. Zimmers Bilder seien oft von Reisen inspiriert, zum Beispiel von der Wüste Namib. An der Wand daneben hängen fotografieähnliche Momentaufnahmen oder Porträts, teils sind die Bilder mit Lack, teils mit Öl gemalt. Berghout wolle die verschiedenen Werke „in Konversation miteinander“ treten lassen.

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