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Wie auf der Postkarte aus dem Jahr 1905 zu sehen ist, gab es früher einen Springbrunnen in der Günthersburgallee. 

NORDEND

Frankfurt-Nordend: Das Kulturdenkmal behutsam aufwerten

Fachleute sollen Umgestaltung der oberen Günthersburgallee planen. Das Denkmalamt muss einbezogen werden.

Trotz vieler Vorzüge hat der Denkmalschutz auch Tücken. So müssen Richtlinien befolgt werden und das Denkmalamt, das über jeden Schritt informiert sein will, muss alles absegnen. So wird eine Sanierung oder Umgestaltung schnell zu einer langwierigen und kostenintensiven Angelegenheit. Für die vom Ortsbeirat 3 gewünschte Aufwertung der oberen Günthersburgallee ist davon auszugehen.

Auf dem Abschnitt zwischen dem „Gabelsberger Kreisel“ an der Rothschildallee und der Hartmann-Ibach-Straße ist die Günthersburgallee als Kulturdenkmal ausgewiesen. Auf alten Fotografien sehe die Günthersburgallee aber viel schöner aus als derzeit, sagt Claudia Ehrhardt. Die CDU-Politikerin hatte einen Antrag gestellt, dass die Allee aufgewertet werden soll. „Ich gehe hier häufig durch und habe festgestellt, dass der Grünstreifen in der Mitte der Straße in weiten Teilen einen ungepflegten Eindruck macht.“

Das kommentiert der Magistrat in seiner Stellungnahme nicht, lehnt eine Aufwertung aber auch nicht ab. Dort heißt es: Weil mit jeder gestalterischen Veränderung andere Flächenbezüge einhergehen, die zu einer Nutzungseinschränkung führen könnten, müssen alle Maßnahmen mit dem städtischen Denkmalamt abgestimmt werden. Experten des Amtes seien unbedingt in den Planungsprozess mit einzubeziehen. Zu einem ersten Ortstermin sollen auch Mitglieder des Ortsbeirates und Vertreter des Grünflächenamtes eingeladen werden.

Der schlechte Zustand des Mittelstreifens ist nach Ansicht von Ehrhardt eine Folge der starken Beanspruchung. Viele Jogger, Hundebesitzer und Spaziergänger benutzen ihn, um in den Günthersburgpark zu gelangen. Auch Radfahrer bahnten sich hier nicht ganz legal ihren Weg, sagt Ehrhardt. Und für viele Merianschüler sei der Grünstreifen seit Jahren der tägliche Weg zum provisorischen Schulstandort am Rande des Parks. Weil zu viele Nutzer Abkürzungen nähmen und deshalb nicht auf den offiziellen Wegen unterwegs seien, hätten sich mittlerweile zahlreiche Trampelpfade gebildet. Blumen und Sträucher hätten gelitten, der Mittelteil sei ein Hundeklo.

Rückblickend bedauert Ehrhardt fast, dass die Merianschule für die Zeit ihrer Sanierung nicht in Container auf dem Mittelstreifen der Günthersburgallee ausgelagert wurde. Eine Forderung sei nämlich gewesen: Nach dem Rückzug der Grundschüler sollte die Günthersburgallee grundlegend saniert werden. Der provisorische Schulstandort war aber nach wütenden Protesten von Anwohnern schnell vom Tisch.

Allee wurde 1901 angelegt

Die obere Günthersburgallee wurde im Zuge der Stadterweiterung von Franz Adickes unter dem Gartenbaudirektor A. Weber um 1901 angelegt. Historische Dokumente aus der Zeit belegen eine noch junge Allee mit dem damals üblichen „Schmuckgrün“ – eine freie Rasenfläche im Mittelstreifen, die nicht betreten werden durfte. Das „Schmuckgrün“ war seitlich mit Beeten eingerahmt und mit einem Zaun abgesperrt. Die Prachtstraße dient auch heute noch als freie Sichtachse.

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