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Auf dem Dach dürfte Thomas Klee seine Solarmodule anbringen, sagt die Stadt. 

Nordend

Frankfurt-Nordend: Keine Solaranlage auf dem Balkon

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Bauaufsicht verbietet Nordendler Module für Sonnenenergie - wegen der Erhaltungssatzung. Umweltdezernentin Rosamarie Heilig fordert, dass das Regelwerk überarbeitet wird.

Wegen der Erhaltungssatzung für das Nordend darf Thomas Klee am Balkongeländer seiner Wohnung in der Gabelsbergerstraße keine Solaranlage anbringen. Derweil fordert Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) eine Anpassung solcher Satzungen an den Klimawandel.

Beim Blick von Thomas Klees Balkon wird sofort klar, dass die Gabelsbergerstraße mit ihren gründerzeitlichen Bauten schützens- und erhaltenswert ist. „Deshalb dachte ich auch zuerst an den Denkmalschutz, als ich die Solaranlage am Balkon meiner Eigentumswohnung genehmigen lassen wollte“, sagt Klee. Dort gab es tatsächlich keine Bedenken. Allerdings ist in diesem Fall die Bauaufsicht zuständig: Denn die Maßnahme fällt nicht unter den Denkmalschutz, sondern unter die „Erhaltungssatzung für das Nordend III“.

Ziel dieser Satzung ist es, die städtebauliche Eigenart eines Gebietes zu erhalten. Der Sprecher des Planungsdezernats Mark Gellert erläutert, dass eine von der Straße aus sichtbare Solaranlage die „Fassadengestaltung mit vorgesetzten Balkonen als Einzelelemente mit filigraner Brüstung (senkrechte Stäbe)“ beeinträchtigen würde. Und diese Bestimmung würde auch für Klees modernen Balkon Anwendung finden, da sich auch moderne Gebäude oder Gebäudeteile in die geschützte Umgebung einfügen müssten.

Allerdings stammen die hier zur Anwendung kommenden Bestimmungen aus dem Jahr 2002. „Heute haben wir eine ganz andere Situation als zu jener Zeit, in der Regelwerke für den Denkmalschutz oder Erhaltungssatzungen beschlossen wurden“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). „Wir sind mitten im Klimawandel. Und wenn Menschen Geld in die Hand nehmen, um ihre Wohnungen und Häuser energetisch umzurüsten, dann sollte die Stadt ihnen dabei helfen und ihre Regelwerke der heutigen Situation anpassen.“

Zwar kann Klees rund 80 mal 140 Zentimeter große Anlage nur einen überschaubaren Beitrag leisten. „Bei einer Leistung von bis zu 600 Watt kann sie bis zu 15 Prozent meines Strombedarfs decken“, hat er errechnet. Dafür lässt sie sich ohne Aufwand an der Balkonbrüstung anbringen. Die so erzielten Strommengen können zum Eigenbedarf ins Netz eingespeist werden und fallen nicht unter die kommerzielle Nutzung.

Eine von der Straße aus nicht einsehbare Solaranlage auf dem Dach wäre zwar genehmigungsfähig, kommt aber für Klee wegen des bautechnischen Aufwandes nicht in Betracht. „Da wären viele architektonische und auch statische Maßnahmen zu berücksichtigen, entsprechend müsste auch die Eigentümerversammlung zustimmen“, sagt er. Da es in der Besprechung mit der Bauaufsicht hieß, die Solaranlage sei nicht genehmigungsfähig, verzichtete Klee auf einen Antrag.

„Hier handelt es sich um eine Einzelfallentscheidung nach sorgfältiger Abwägung“, verteidigt Gellert. Bei 15 weiteren Anträgen für Solaranlagen auf dem Dach habe die Stadt unter vergleichbaren Umständen positiv entschieden. So lange Solaranlagen vor Balkonen nur vereinzelt angefragt und die Satzungen nicht entsprechend überarbeitet würden, müssten die Bestimmungen und Regeln ohne beliebige individuelle Ausnahmen gelten.

Klee bleibt im Moment nur die Möglichkeit, die Solarmodule hochkant hinter das Gelände auf den Balkon zu stellen, was jedoch mehr Fläche benötige und weniger effizient wäre. „Wir sollten unsere Satzungen überarbeiten und nach Kompromissen suchen, wie man Klimaschutz und Denkmalschutz zueinander bringt und nicht gegeneinander ausspielt“, fordert Heilig.

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