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Verschlungene Pfade durch die verwilderten Gärten. Hier hat die Natur noch das sagen.

Nordend

Für den Erhalt der „Grünen Lunge“

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Beim „Tag der offenen Gärten“ macht sich die Bürgerinitiative für den Erhalt des Gebiets oberhalb des Günthersburgparks stark. Die Stadt will dort 1500 Wohnungen bauen.

Schmal und lang schlängelt sich der „Amazonasweg“ durch die „Grüne Lunge“. Büsche und Bäume säumen den Pfad. Stellenweise ist ein Blätterdach dicht darüber gewachsen. Beim „Tag der offenen Gärten“ der Bürgerinitiative (BI), die sich gegen eine Bebauung des Gebietes oberhalb des Günthersburgparks einsetzt, durchstreifen Besucher am Sonntagnachmittag alleine oder in Begleitung das weit verzweigte Gelände. Hinter jeder Hecke ist neben viel Grün Neues zu entdecken, etwa ein Baumhaus, Hochbeete und Bänke. Viele Gartentörchen stehen offen oder die Gärten haben gar keine Umzäunung. Im leichten Wind rauschen die Blätter, Vögel zwitschern.

Aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen hatten die Initiatoren ein abgespecktes Programm ohne gemeinsames Singen, jedoch mit „viel Natur“ angekündigt.

„Guck mal, eine alte Eiche“, sagt ein Mann. „Schöne, wilde Gärten sind das“, fügt er hinzu und weiter: „Zur Friedberger Landstraße hin wird es fast ein bisschen zu wild, aber besser als bebaut“. David Albrecht, Mitglied der BI zum Erhalt der Grünen Lunge, führt eine Gruppe von Besuchern durch „Dschungel-, Hohlenbaum- und Wannenweg“ und zeigt, wer welche Gärten bewirtschaftet, beispielsweise die „GemüseheldInnen“, zu denen auch er gehört oder junge Aktivisten von „Fridays for Future“. Der 70-jährige ehemalige Berufsschullehrer hat Schilder aus Schiefer an Wegkreuzungen aufgehängt und mit den Pfadnamen beschriftet. „Gerade durch die Schilder erhält das Ganze den Charakter eines Dorfes“, sagt Albrecht. Er hofft, dass dies dazu beitragen könne, „nicht alles platt zu walzen“ und eine Bebauung zu verhindern. „Wir wollen zeigen, dass richtig viel Arbeit reingesteckt wurde“, fügt er hinzu. Als die Gruppe an einer bunt bemalten Holzhütte vorbeikommt, um die herum Gemüse wächst, sagt eine Frau: Schau mal, ganz viel Mangold“ und ergänzt: „Schön, einfach schön“.

„Individuell, schön und wild gewachsen“

Anwohner Walter Rupp ist zum ersten Mal auf dem 16 Hektar großen Areal. Er sagt: „Mir war gar nicht bewusst, dass das Gelände so groß ist“. Seine ersten Eindrücke schildert der 58-Jährige folgendermaßen: „Individuell, schön und wild gewachsen“ und weiter: „Die Natur hat hier noch das Sagen und nicht der Mensch“. Als Bornheimer sei er schon wegen eines erhöhten Verkehrsaufkommens gegen eine Bebauung. Auch Gisela Jörgens und Antje Holzwarth können sich das nicht vorstellen. „Doof“, fände es Jörgens, wenn die „Lunge Frankfurts“ mit 1500 Wohnungen gepflastert wäre. „Ich komme hierher, um gute Luft zu atmen, die dann nicht mehr wäre“, sagt die 59-Jährige.

Die beiden Freundinnen aus dem Nord- und Ostend, die am Sonntag alleine über die verschlungenen Pfade schlendern, hätten die Grüne Lunge in erster Linie im Frühjahr, als die Corona-Pandemie ausbrach, zu schätzen gelernt. „Da waren sogar die Parks zu voll“, sagt Holzwarth. Ihr gefielen in der Grünen Lunge vor allem die „nicht total durchgepflegten Schrebergärten“, sagt die 42-Jährige.

Dann schlendern sie weiter und verschwinden an der nächsten Abzweigung hinter einem Gebüsch. Am 19. September soll es um 14 Uhr vom Mainkai eine Fahrrad-Demonstration und um 15 Uhr eine Fußgänger-Demo vom Friedberger Platz unter dem Motto „Grüne Lunge bleibt!“ geben.

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