Auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei Friedrich an der Dortelweiler Straße sollen bis zu sieben Gebäude mit insgesamt 100 Wohnungen und eine Kita entstehen.
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Auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei Friedrich an der Dortelweiler Straße sollen bis zu sieben Gebäude mit insgesamt 100 Wohnungen und eine Kita entstehen.

Nordend

Frankfurt-Nordend: Drei Meisenkästen reichen nicht

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Anwohner fordern mehr Schutz für die Tiere im geplanten Neubaugebiet. Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Friedrich sollen bis zu 100 Wohnungen entstehen.

Den geplanten Schutz für die Fauna in dem Neubaugebiet „Nördlich Günthersburgpark“ halten nicht alle für ausreichend. Nach Ansicht des Bornheimers Karl-Heinz Steiner sind die in einem artenschutzrechtlichen Gutachten zum Bebauungsplan gemachten Aussagen „völlig ungenügend“. In einer Stellungnahme fordert er, dass für die Tiere auf dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Friedrich an der Dortelweiler Straße mehr getan wird.

Auf dem Areal sollen in den kommenden Jahren bis zu sieben Gebäude mit rund 100 Wohnungen entstehen. In einer Blockrandbebauung an der Dortelweiler ist eine Kindertagesstätte geplant, darüber entstehen jeweils 15 Sozialwohnungen nach dem ersten und dem zweiten Förderweg. 2015 schloss der Betrieb „generationsbedingt“. Seitdem wechselte mehrfach der Besitzer. Derzeit läuft das Bebauungsplanverfahren, der Plan liegt öffentlich aus. Wird er noch in diesem Jahr verabschiedet, könnte theoretisch Mitte 2021 mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Um die derzeit auf dem Grundstück lebenden Vogelarten nicht zu schädigen oder erheblich zu stören, empfiehlt das Gutachten eines Frankfurter Büros drei Maßnahmen. So sollen Rodungsarbeiten nur zwischen Oktober und Ende Februar durchgeführt werden. Auch der Abriss habe möglichst in diesem Zeitraum stattzufinden. Zudem sollen drei Meisenkästen im Günthersburgpark angebracht werden. Wünschenswert wäre es, weiter Nistmöglichkeiten in die geplanten Gebäuden zu integrieren sowie sechs Nistkästen anzubringen.

Falsche ökologische Signale

Für Steiner ist das ein Witz. Die gemachten Auflagen seien „äußerst dürftig“. Der Eigentümer baue 100 Wohnungen und wäre mit dem Aufhängen von einigen Vogelkästen „artenschutzrechtlich und naturschutzfachlich aus dem Schneider“, kritisiert er. „Das sind noch nicht einmal Peanuts im Rahmen dieses Millionenprojektes und sendet die falschen ökologischen Signale.“ Der Bornheimer kann nicht nachvollziehen, warum dem Gutachten zufolge das 1,2 Hektar große Gelände, das in der Vergangenheit im Wesentlichen gärtnerisch genutzt wurde, für die Vogelwelt offenbar „völlig irrelevant“ sein soll.

Darüber hinaus sei das Areal der Gärtnerei Friedrich Teil des geplanten Ernst-May-Viertels, sagt Steiner. „Da muss naturschutzfachlich mehr geschehen.“ Schließlich setze dieses Projekt die Standards für die kommenden Bebauungsplanverfahren. Es müssten wesentlich mehr Nistmöglichkeiten in den geplanten Häusern vorgeschrieben werden, „wenigstens für jede der 100 Wohnungen ein Vogelkasten“, sagt Steiner. „Möglichst im Verbund mit der geforderten Fassadenbegrünung.“

Das Gebiet rund um die Gärtnerei werde in den kommenden Jahren entscheidend umgestaltet, so Karl-Heinz Steiner. Die Fläche zwischen Friedberger Landstraße und Dortelweiler Straße müsse deshalb im Gesamten betrachtet werden. Sobald die Bauarbeiten in den geplanten Güntersburghöfen begönnen, sei das dann voraussichtlich gerade fertiggestellte Baugebiet Gärtnerei Friedrich eines der verbleibenden Rückzugsgebiete für die Vogelwelt.

Die Stellungsnahmen zum Bebauungsplan werden gelesen und bewertet, heißt es aus dem Stadtplanungsdezernat. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es aber keinen Kommentar zu einzelnen Eingaben.

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