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Freiwillige bepflanzen den Grünstreifen auf der Friedberger Landstraße, Höhe Matthias-Beltz-Platz, mit bunten Blumen. 

Nordend

Blumen für die Nachbarn im Frankfurter Nordend

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„Kunst im Nordend“ und „Hilfe im Nordend“ bepflanzen ein „Mitmachbeet“ an der Friedberger Landstraße

Kraftvoll sticht Susanne Röbke die Grabgabel in die von Gräsern überwucherte Erde. Trotz der immer wieder einsetzenden Regenschauer ist sie bester Laune. „Das ist mein Sport für heute“ sagt sie lachend. Zehn Helfer, zum einen von der Arbeitsgemeinschaft „Kunst im Nordend“ und – zum ersten Mal dieses Jahr – vom Verein „Hilfe im Nordend“ arbeiten sich mit Hacke, Spaten und Gartenkralle durch das Unkraut, um im ersten Schritt für Forsythien, Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und im Laufe des Frühjahrs für eine Blumenwiese das „Mitmachbeet“ zu bearbeiten.

Garten statt Haltestelle

Vor zehn Jahren hatte Jörg Harraschain, ehemaliger grüner Ortsvorsteher im Nordend und Stadtteilhistoriker, mit Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft „Kunst im Nordend“ das „Urban-Gardening-Projekt“ unter dem Motto „Blumen statt Bitumen“ ins Leben gerufen. „Die Fläche, eine ehemalige Haltestelle, war zubetoniert und leblos, eingegrenzt von Pollern, damit dort keine Autos parken“, erklärt er.

Im ersten Jahr hätten sie 1000 Stiefmütterchen gepflanzt, auch als symbolischen Hinweis auf die stiefmütterliche Behandlung durch die Stadt. „Aber es war eine reine Monokultur.“ Inzwischen ändert sich die Bepflanzung, abgesehen von den langjährigen Sträuchern, jedes Jahr. Als kleiner Beitrag gegen das Insektensterben, für Artenvielfalt und mehr Grünflachen in der Stadt.

„Der gebildete Mensch macht die Natur zu seinem Freunde und ehret ihre Freiheit, indem er nur ihre Willkür zügelt“, zitiert Harraschain Friedrich Schiller und erklärt damit das Arbeitsprinzip: Zu stark wuchernde Bodendecker und Gräser werden begrenzt, um Platz für Blühpflanzen, Sträucher und Blumenwiese zu schaffen.

Jörg Müller, ebenso Mitstreiter bei „Kunst im Nordend“ ergänzt: „Das Thema ist die Artenvielfalt und damit die artgerechte Bepflanzung.“ Die Sämereien stammen von engagierten Privatpersonen, die Arbeitsgeräte wurden im Laufe der zehn Jahre nach und nach angeschafft.

Bei der Gestaltung des „Mitmachbeetes“ sind dieses Jahr zum ersten Mal Teilnehmer des Vereins „Hilfe im Nordend“ von der evangelischen Luthergemeinde dabei. Der Verein unterstützt Menschen in schwierigen Lebenssituationen, insbesondere Langzeitarbeitslose. Die Zusammenarbeit ist langfristig geplant. „Ich bin froh, dass unser Blumenprojekt inzwischen auch ein soziales Projekt ist“, sagt Harraschain. Ebenso werden interessierte Nachbarn über die Plattform nebenan.de eingeladen. Helfer werden immer gebraucht, denn die Grünfläche muss über das ganze Jahr gepflegt werden. „Das Aufwendigste ist das Gießen im Sommer“, sagt Jörg Harraschain. An dem Aktionstag mit teils heftigen Graupelschauern wirkt das weit entfernt. Die Helfer lassen sich dennoch in ihrem Eifer nicht bremsen, einige Quadratmeter sind schon geschafft. Gaby T. ist heute zum ersten Mal durch „Hilfe im Nordend“ dabei. Ihr Engagement richtet sich vor allem auf den Erhalt der Artenvielfalt. Sie freut sich schon darauf, wenn hier alles blüht.

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