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Bei gutem Wetter treffen sich freitag- und samstagabends viele Menschen auf dem Luisenplatz.
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Bei gutem Wetter treffen sich freitag- und samstagabends viele Menschen auf dem Luisenplatz.

Nordend

Luisenplatz in Frankfurt: Stimmung im Nordend wird immer aggressiver

  • Boris Schlepper
    VonBoris Schlepper
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Die Bürgerinitiative Luisenplatz fordert, dass die Stadt Frankfurt konsequent gegen Feiernde auf den Quartiersplätzen im Nordend vorgeht.

Frankfurt am Main – Die Anwohnerinnen und Anwohner am Luisenplatz fühlen sich alleingelassen. Seit Jahren schon gibt es auf dem kleinen Areal im Frankfurter Stadtteil Nordend vor allem an den Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden Partys – die viele um ihre Nachtruhe bringen. „Da muss endlich etwas passieren“, sagt Silke Jungfleisch. Mit weiteren Anlieger:innen und Gewerbetreibenden hat sie eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, die der Kommune Versagen vorwirft. „Die Stadt darf nicht länger nur zuschauen. Sie muss handeln!“

Das Vorgehen am Luisenplatz reiche nicht aus. So wie am Friedberger Platz in Frankfurt am Main stehen dort inzwischen zusätzliche Mülltonnen, an den Wochenenden werden mobile Toiletten aufgestellt und gegen 22 Uhr wird der Platz gereinigt und die Leute zum Gehen aufgefordert. Mitte Juli hat die Stadt zudem angekündigt, Flächen in der Innenstadt partytauglich machen zu wollen.

Frankfurt Luisenplatz: Notdurft wird in Vorgärten und Hauseingängen verrichtet

Für die Bürgerinitiative ist das zu wenig. „Die meisten Leute kommen erst gegen 22.30 / 23 Uhr“, sagt Anwohnerin Ulrike Schneider. „Da ist die FES wieder weg.“ Auch verhinderten die Dixi-Klos nicht, dass etliche ihre Notdurft in Vorgärten und Hauseingänge verrichteten. Der Stadt sei das bekannt, es werde aber ignoriert, ist Anliegerin Ute Emrath sicher. Jeder habe das Recht, zu feiern, sagt Schneider. Der Luisenplatz solle kein „toter Platz“ werden. Doch sei es für die Menschen vor Ort inzwischen unerträglich. Vor allem, da die Stimmung immer aggressiver werde.

Mehrfach sei es fast zu Handgreiflichkeiten zwischen Anwohnenden und den Partygästen gekommen. Beschwere man sich, heiße es, „dann zieht doch weg“, berichtet Emrath. Und werde die Polizei gerufen, „sind immer wir der Buhmann“, sagt Jungfleisch.

Der Ortsbeirat 3

trifft sich am Donnerstag, 9. September, 19.30 Uhr, im Saalbau Bornheim, Arnsburger Straße 24. Vertreter:innen der FES werden zugegen sein und die Pläne vorstellen, den Günthersburgpark zur Experimentierfläche von Innovationen zu machen.

Viele der Feiernden kämen aus dem Umland, hat Kaweh Nemati beobachtet. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße wohnt am Merianplatz. Da nicht eingegriffen werde, glaubten diese, sich alles erlauben zu können. „Es gibt kein zivilisierte Miteinander mehr.“ Auch am Merianplatz sei die Situation unerträglich, sagt Anwohner Peter Pfahl. Seit mehreren Wochen werde dort fast täglich abends laut gefeiert. „Wenn die Stimmung gut ist, geht es bis 4 Uhr früh.“ Er habe Verständnis für die vor allem jungen Besucher:innen. „Die sollen ja feiern, aber so um 1 Uhr könnte mal Schluss sein“.

Luisenplatz in Frankfurt: Quartiersplätze sind keine Partyzone

Immer wieder habe er die Polizei angerufen, damit diese für Ruhe sorgt, sagt Pfahl. Doch komme eine Steife, blieben die Beamtinnen und Beamten im Wagen sitzen und nichts ändere sich. Sie hätten offenbar Angst, vermutet er. „Am schlimmsten ist, dass wir uns völlig alleingelassen fühlen.“ Die einzige Lösung sei, abends alle Fenster zu schließen und die Klimaanlage aufzudrehen, „und wenn es dann doch zu laut wird, stehe ich nachts auf und setz‘ mich vor den Fernseher“.

Der Bürgerinitiative fehlt ein klares politisches Signal, dass die Quartiersplätze keine Partyzone sind, sagt Ulrike Schneider. Nötig sei, dass die Stadt auf dem Friedberger, dem Matthias-Beltz-, dem Martin-Luther- und dem Luisenplatz einheitlich vorgehe. Damit die Feiernden nicht wie derzeit immer weiter ziehen könnten, so Jungfleisch. Jedes Areal müsse gegen 23 Uhr konsequent geräumt, Verstöße müssten sanktioniert werden. Wichtig sei, gleichzeitig die umliegenden Kioske zu schließen, so Nemati, „dann wäre da endlich Schluss“.

Anwohner:innen des Luisenplatzes im Nordend sind genervt von den Zuständen.

Die Initiative habe versucht, mit der künftigen Sicherheitsdezernentin Annette Rinn Kontakt aufzunehmen. „Wir hoffen, dass diese offener für unsere Probleme ist“, sagt Emrath, „und nicht so ein Bremsklotz“ wie der bisherige CDU-Stadtrat Markus Frank.

Frankfurt Luisenplatz: Köln könnte zum Vorbild werden

Mit der Situation auf den Plätzen im Nordend beschäftigt sich auch der Ortsbeirat 3 in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag. Die SPD will, dass der Magistrat schaut, wie andere Großstädte mit nächtlichen Partys auf zentralen Plätzen umgehen – etwa Köln. Dort, auf dem Brüsseler Platz, der im Ausgehquartier Belgisches Viertel liegt, sind freitags, samstags und an Tagen vor gesetzlichen Feiertagen vier sogenannte Vermittler unterwegs. Von 21.30 bis 1.30 Uhr greifen sie schlichtend ein, berichtet eine Sprecherin der Stadt Köln auf FR-Anfrage.

Hintergrund ist eine Klage eines Anwohners, nach der eine Übereinkunft getroffen wurde. Demnach verpflichtet sich die Stadt Köln, von April bis Oktober darauf hinzuwirken, dass der Platz spätestens bis 24 Uhr geräumt ist, Müll entsorgt und Wildpinkeln sanktioniert wird. (Boris Schlepper)

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