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Demo am Günthersburgpark gegen die Zerstörung von Grün.

Günthersburgpark 

Protest gegen Wohnviertel „Günthersburghöfe“

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Rund 400 Menschen demonstrieren gegen ein neues Wohngebiet im Frankfurter Nordend.

Langsam ziehen Aktivisten die Baumplattform am Samstagmittag in die Höhe. Mehrere Meter über dem Boden hängt schließlich die von einer Plane bedeckte Holzplatte an einem Baum am Eingang zu den Kleingärten am Günthersburgpark im Nordend. „Wenn alles so läuft, wie wir wollen, dann werden hier lauter Baumhäuser entstehen“, ruft Feli von Climate Justice FFM/Rhein-Main den rund 400 Demonstranten zu, die gekommen sind, um gegen den Bau eines neuen Wohngebiets östlich der Friedberger Landstraße zu protestieren. Wenn nötig, werde darin gewohnt, und dann dürfe nicht gerodet werden. Das habe im Hambacher Wald geklappt, das klappe auch hier. Und ein Demonstrant findet denn auch: „So haben wir auch Wohnraum geschaffen.“

Um 12 Uhr hatten sich die Demonstranten zuvor am Fünffingerplätzchen in Bornheim eingefunden. Unter dem Motto „Grüne Lunge bleibt! Stadt für alle statt Luxuswohnungen!“ hatten die Initiativen Climate Justice FFM/Rhein-Main, Grüne Lunge, Klimattac/Attac Frankfurt, Café 2Grad, Naturfreundejugend und Extinction Rebellion Frankfurt zum Protest aufgerufen. Die Stadt will in dem Gebiet etwa 1400 Wohnungen entstehen lassen, ein Bebauungsplan wird gerade erarbeitet. Als Grundlage dient der Siegerentwurf eines städtebaulichen Wettbewerbs. Unter dem Namen „Günthersburghöfe“ sollen sechs Höfe und ein Hochhaus entstehen.

„Es werden aber keine Wohnungen entstehen, die wir uns leisten können“, sagt Feli bei der Kundgebung in Bornheim. „Doch dafür soll ein ursprüngliches Stück Natur weichen, das einen weiteren Verlust für eine für Frankfurt wichtige Frischluftschneise bedeutet.“

Kritik an Projektentwickler Instone

Der Projektentwickler Instone hat sich Flächen im 16 Hektar großen Gebiet gesichert. „Das Unternehmen gehört großen Anlagefonds, die sich nur für die vierte Rendite und für Dividende interessieren“, sagte Alexis Passadakis von Attac Frankfurt. „Für die wird in Frankfurt Stadtentwicklung gemacht, nicht für die Menschen, die hier leben.“ Das könne man beim Instone-Projekt auf dem ehemaligen Gelände des Marienkrankenhauses im Nordend sehen. „Da kosten Wohnungen 500 000 bis 2,5 Millionen Euro – es muss aufhören, dass für diese Klientel gebaut wird.“

Das findet auch Demonstrant Harald Nebe, der mit seiner 14-jährigen Tochter Malina gekommen ist. „Meine Tochter ist im Marienkrankenhaus geboren; wenn ich sehe, was da jetzt passiert, bekomme ich Angst.“ Viel zu viel sei das Viertel schon durchgentrifiziert worden. Und Tochter Malina sagt: „Die Vielfalt muss erhalten bleiben.“

Unverständlich finden die beiden auch, dass ausgerechnet an der Friedberger Landstraße, „der Straße mit den schlechtesten Luftwerten, ein Projekt wie die Günthersburghöfe hochgezogen wird“ – und dafür das Grün zerstört werde.

Baumhäuser mit symbolischen Charakter

Die Bürgerinitiative Grüne Lunge setzt sich seit langem für den Erhalt des Grüns ein. „Spätestens seit dem vergangenen Sommer haben doch alle begriffen, dass die Klimalage eine echte Bedrohung ist“, sagt Jörg Brecht von der Initiative. Das Grün sei Schutz und dürfe nicht plattgemacht werden. Zudem sei die Artenvielfalt in den Gärten zu schützen. „Es darf dort keine Kettensägenorgie geben. Niemals.“

Mit Transparenten ziehen die Demonstranten über die Berger Straße und Saalburgstraße zum Günthersburgpark. „Stoppt den Landfraß“ ist auf Plakaten zu lesen. Oder auch an den SPD-Planungsdezernenten gerichtet: „Mike Josef, Ihre Stadtplanung macht krank.“

Zwar soll es auf dem Gelände gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnprojekte geben und auch 30 Prozent geförderter Wohnraum entstehen, „aber diese 30 Prozent werden nicht eingehalten“, sagt Brecht. Am Güterplatz seien etwa lediglich fünf Prozent geförderter Wohnraum entstanden. „Das ist ein Witz.“

Die Holzplattform am Eingang zu den Kleingärten an der Wetteraustraße hat derzeit noch symbolischen Charakter. „Sie ist ein Statement: Wir sind da“, sagt Feli. „Wir sind da – und wir haben nicht vor, zu gehen.“ Wenn nicht zu gehen irgendwann bedeute, dass sie auf der Baumplattform wohnen müsse, „dann wohne ich eben da“.

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