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Der Bunker soll weg, die Eltern der benachbarten Schule und Kita schlagen Alarm. Sie wollen ihre Kinder vor Lärm schützen.  

Nordend

Eltern im Nordend fordern: Schwarzburgschule lieber auslagern

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Lärm und Erschütterungen beim Abriss des Glauburgbunkers machen einen Schulbetrieb unmöglich, sagen Eltern. Sie glauben nicht, dass der geplante Schutz ausreichen werde.

Die Schwarzburgschule soll ausgelagert werden, bevor der Glauburgbunker abgerissen wird. Dafür hat sich die Vorsitzende des Schulelternbeirats (SEB) in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 3 ausgesprochen. Die Eltern glauben nicht aus, dass die geplanten Lärmschutzmaßnahmen während des Abbruchs ausreichen, sagt Andrea Teuscher.

Der Betonkoloss an der Schwarzburgstraße, neben der Grundschule und einer Kindertagesstätte, soll noch in diesem Jahr abgerissen werden – unter anderem mittels Sprengungen. Der Eigentümer, die Delom Wohnbau, möchte dort ein Gebäude mit 35 Wohnungen errichten. Im Erdgeschoss soll es Platz für soziale und kulturelle Nutzung gebe.

Wann der Bunker abgerissen wird, stehe noch nicht fest, teilt das Kommunikationsbüro mit, das Delom-Geschäftsführer Dominic Reinemer beauftragt hat. Derzeit liege es „bei den Ämtern“ der Stadt. Sobald klar sei, wann die Bagger anrücken und wie die Baustelleneinrichtung aussehen soll, werde das Unternehmen in einer der Sitzungen des Ortsbeirats darüber informieren. Das wird voraussichtlich in der April- oder Mai-Sitzung sein. Dann soll auch die Bauaufsicht eingeladen werden. Inzwischen habe der Investor zugesichert, laute Arbeiten möglich nachmittags und in den Ferien anzugehen, sagt Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne).

Die Eltern erwarten dennoch erhebliche Beeinträchtigungen, sagt Teuscher. Den Prognosen zufolge sei damit zu rechnen, dass der Grenzwert von 55 Dezibel „über einen langen Zeitraum überschritten“ werde. Durch die Sprengungen gingen wöchentlich zweieinhalb Schulstunden verloren. Die Kinder würden abgelenkt und könnten ihre Sprachkompetenz nicht adäquat ausbilden, so die SEB-Vorsitzende. Die Jungen und Mädchen verlören durch den Abriss „ein Jahr Recht auf Bildung“. Auch sei mit einem höheren Krankheitsstand bei Lehrern zu rechnen.

Eltern in Sorge

Sorgen bereitet den Eltern zudem, dass beim Abbruch des Hochbunkers in der Freiligrathstraße im Ostend Anfang Januar Teile der Mauer unkontrolliert zu Boden gestürzt sind. Dort ist das selbe Abbruchunternehmen zugange, das auch im Nordend tätig wird. Dadurch würden die Risiken deutlich, die der Abriss eines Bunker mit sich bringe.

Die Eltern wollten nicht warten, bis die Belastung zu arg werde, und dann versuchen, einen Baustopp zu erwirken, sagt Teuscher: „Es wäre besser, vorher eine Lösung zu finden.“ Denkbar sei etwa, den Bunker durch eine Quellmethode, bei der der Beton aufgeweicht werde, abzureißen. Das sei leiser als Sprengen, „aber teurer“. Möglich sei auch, das Schulgebäude mit neuen Fenstern und Klimaanlagen auszustatten. Am sinnvollsten sei eine Auslagerung. Die Grundschule müsse saniert werden, „dann wird sie ohnehin ausgelagert“.

Günter Murr vom Baudezernat kann das nicht bestätigen. Derzeit sei geplant, eine neue Heizungs- und Lüftungsanlage einzubauen, „dafür muss die Schule nicht ausgelagert werden“. Die Arbeiten sollen in diesem oder dem kommenden Jahr umgesetzt werden. Langfristig sei eine Erweiterung der Grundschule vorgesehen. Doch gebe es dazu weder Zeitplan noch Details. Eine Auslagerung während des Abbruchs sei nicht nötig, so Murr. Bauaufsicht und Investor gingen davon aus, dass der Lärmschutz eingehalten werde.

Vertreter im Ortsbeirat sicherten den Schülern und Eltern Unterstützung zu. Bereits im Januar hatte das Gremium einstimmig ein Konzept gefordert, wie der Schulbetrieb während des Abbruchs und der folgenden Arbeiten gesichert werden kann. Werde eine Auslagerung nötig, müsse geklärt werden, wer die Kosten trägt.

Grünen-Chef Michael Mirsch glaubt nicht, dass die Stadt die Auslagerung zahlen wird. Auch auf den Investor werde sie die Kosten nicht umlegen können. Die Verhandlungen seien beendet, da die Kommune die soziale und kulturelle Nutzung im Erdgeschoss gefordert habe. Die Stadt habe es „vermurkst“, etwas für die Schule herauszuholen, sagt Manfred Zieran (Ökolinx).

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