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Duschwasser für Bäume

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Von: Boris Schlepper

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Beim Müllsammeln in der Rotlintstraße helfen auch Mirjams Kremers Partner Holger Feigl und ihre gemeinsame Tochter.
Beim Müllsammeln in der Rotlintstraße helfen auch Mirjam Kremers Partner Holger Feigl und ihre gemeinsame Tochter. © privat

Eine neue Initiative kümmert sich um die Grünanlage in der Rotlintstraße. Aus dem Hundeklo soll ein lebenswerter Ort für die ganze Nachbarschaft werden.

Wenn Mirjam Kremer aus dem Fenster schaut, blickt sie auf vier Kastanien, die in der Grünanlage der oberen Rotlintstraße stehen. Leider seien die Kronen stark von der Miniermotte betroffen. Noch dazu litten die Bäume unter der Hitze, die in den vergangenen Monaten vorgeherrscht hat. Der Boden rund um die Stämme sei hart und rissig. „Mir hat es leid getan, dass es den Bäumen immer schlechter geht“, sagt Kremer. Also wurde sie kurzerhand selbst aktiv und begann zu gießen.

Über die Internet-Plattform nebenan.de fand die Nordendlerin Gleichgesinnte. Schließlich leiste jedes Fleckchen Grün im Stadtbild einen Beitrag zur Verbesserung des Klimas direkt vor der eigenen Tür und der Artenvielfalt, erklärt Kremer ihr Engagement. Auch genüge eine Gießkanne pro Baum nicht, „die benötigen mindestens 80 Liter pro Woche“. Um kein Trinkwasser zu vergeuden, sammeln Kremer sowie ihre Nachbarn und Nachbarinnen Brauchwasser in Eimern: Duschwasser, bevor es heiß wird, Salatwasser oder Reste aus Wasserkocher und Trinkflaschen.

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Dabei geht es der Initiative nicht nur um die Bäume, sondern um die gesamte Grünanlage. Diese habe seit Jahren brachgelegen, sagt Anwohnerin Anja Kirchner, die sich ebenfalls engagiert. Abfall, Zigarettenkippen und Hundekot habe die Anlage verunstaltet. Dreck, den die kleine Gruppe nun regelmäßig bei sogenannten Müllwalks aufsammelt. „Wir wollen einen lebenswerten Ort schaffen, wo die Nachbarschaft zusammenkommen kann“, sagt Kirchner - „jenseits der Gastronomie“.

Der Bedarf sei da, wie sich an der frequentierten Tischtennisplatte zeige, sagt Mirjam Kremer. Die Anlage selbst liege bislang brach. Wenn sie mit ihrer vierjährigen Tochter vors Haus wolle, sei sie meist „mit spitzen Füßen“ gelaufen, um in keinen Hundehaufen zu treten. Über die FES hat sich die Gruppe Zangen und Mülltüten organisiert. Die Stadt habe auch bereits ein Sammelbehälter für Kippen aufgestellt, sagt Kremer. Sie selbst hat zudem Gläser als Aschenbecher und zwei Abfalleimer mitgebracht, die sie regelmäßig leere. „Die werden viel genutzt.“

Um die Grünanlage aufzuwerten und den Bäumen zu helfen, will die Initiative künftig die Erde rund um die Stämme bepflanzen. Dafür habe sie bereits Kontakt mit dem Grünflächenamt aufgenommen, um sich professionelle Anleitung zu holen, so Kremer, „seit Juli warten wir auf einen Termin“.

Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) begrüßt den Vorstoß der Initiative. „Es ist toll, wie sich die Leute um die Grünanlage kümmern.“ Sie hoffe, dass der Ortsbeirat das Engagement unterstützt. In der heutigen Sitzung wird sich die Initiative vorstellen. Zudem will sie um Unterstützung werben - auch für Vogelkästen, deren Bewohner den Larven der Miniermotte zu Leibe rücken sollen.

Der Ortsbeirat 3 tagt am heutigen Donnerstag, 15. September, 19.30 Uhr, im Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum, Rothschildallee 16a.

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