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„Das geplante Gymnasium Ost ist zu hoch“

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Ortsvorsteherin Karin Guder an der Ecke Cronstettenstraße/Eckenheimer Landstraße. Durch die Umgestaltung des Oeder Wegs in eine fahrradfreundliche Nebenstraße hat der Verkehr in den Seitenstraßen zugenommen.
Ortsvorsteherin Karin Guder an der Ecke Cronstettenstraße/Eckenheimer Landstraße. Durch die Umgestaltung des Oeder Wegs in eine fahrradfreundliche Nebenstraße hat der Verkehr in den Seitenstraßen zugenommen. © Peter Jülich

Karin Guder, die Vorsteherin des Ortsbeirats 3 (Nordend), über den geplanten Schul-Standort am Günthersburgpark. Auch über die Fortschritte bei der Umgestaltung des Oeder Wegs in eine fahrradfreundliche Nebenstraße spricht sie im Bilanz-Interview.

In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk in den vergangenen zwölf Monaten bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es im kommenden Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 3 (Nordend ).

Frau Guder, auf dem Oeder Weg wachsen seit kurzem knapp 50 neue Bäume. Mehrere zusätzliche Bänke und Parklets laden zum Ausruhen ein. Glauben Sie, dass die Umgestaltung hin zu einer fahrradfreundlichen Nebenstraße damit endlich von Erfolg gekrönt ist?

Es ist zumindest ein erster Schritt, der sichtbar macht, wie es auf dem Oeder Weg schöner werden kann. Als die Pflanzkübel aufgestellt worden sind, waren viele zunächst entsetzt. Jetzt werden sie bepflanzt, so dass es im Frühling grüner wird. Ein Erfolg ist natürlich auch, dass der Durchgangsverkehr zurückgegangen ist und 60 Prozent mehr Leute mit dem Rad unterwegs sind. Und die Luft ist besser geworden.

Wie sehen Sie die Akzeptanz in der Bevölkerung?

Die ist sehr positiv. Ich bekomme inzwischen viel mehr Rückmeldungen, die die Umgestaltung loben. Das liegt sicher auch an den beteiligten Ämtern der Stadt, die sehr bemüht sind, die Schwächen in den Griff zu bekommen.

Sie meinen, dass etwa versucht wird, etwas gegen den Verkehr in den Seitenstraßen zu unternehmen, der zugenommen hat?

Ja, da fahren momentan zu viele Autos durch die kleinen Straßen. Deshalb soll die Ampelschaltung an der Eckenheimer Landstraße angepasst werden. Und am Frauensteinplatz ist eine weitere Sperre geplant, die den Ost-West-Verkehr unterbinden soll. In der Januarsitzung stellt uns die Stadt ihre Ideen dazu vor.

An der Situation für die Gewerbetreibenden wird sich dadurch nichts ändern, oder? Nach wie vor klagen ja viele, dass ihnen die Kundschaft ausbleibt.

Da ist eine Umstellung und Zeit nötig. Das ist ein völlig neuer Umgang mit dem öffentlichen Raum. Wenn man jahrelang mit dem Auto zum Café gefahren ist, dauert es, bis man zu Fuß geht oder aufs Rad umsteigt.

Die Umgestaltung am Oeder Weg ist ein Pilotprojekt, das 2024 endet. Im kommenden Jahr geht es aber voraussichtlich bereits mit der Nordendstraße weiter. Hätte man nicht erst die Auswertung abwarten müssen?

Ich hoffe, dass es weitergeht. Und ich glaube, dass man gut auf die Schwächen im laufenden Prozess eingehen kann.

Schwächen hat das System auch, wenn Bäume für Bauvorhaben gefällt werden dürfen, wie zuletzt in der Adlerflychtstraße und in der Leimenrode. Der Ortsbeirat fordert, früher einbezogen zu werden. Reicht das?

Nein. Aber bislang war es meist zu spät, dass über den Erhalt diskutiert wurde. Was wir brauchen, ist eine Umkehr in der Genehmigungspraxis. Wird über eine Baugenehmigung entschieden, muss künftig gleich geschaut werden, ob Bäume erhaltenswert sind. Schwierig ist im Nordend, dass es viele alte Bebauungspläne gibt, in denen keine Baumstandorte festgelegt wurden, welche schützenswert sind. Das muss man ändern, ohne gleich neue Bebauungspläne schaffen zu müssen.

Sie meinen, Baumschutz muss vor Baurecht gehen, und nicht umgekehrt, wie es derzeit gilt?

Genau. Für das Klima und die Kaltluft sowie für die Luftqualität in der Nachbarschaft muss man den alten Bestand schützen, und kann nicht nur nachpflanzen an anderer Stelle. Wie sollen die Bürger und Bürgerinnen sonst verstehen, dass sie die Vorgärten und Hinterhöfe begrünen sollen?

Zur Person

Karin Guder ist seit 2003 Ortsvorsteherin des Ortsbeirats 3. Die 69-Jährige war in den 80er Jahren Landesgeschäftsführerin der Grünen, in den 90ern Stadtverordnete in Frankfurt. Bis 2019 arbeitete sie als Lehrerin in der IGS-Eschersheim (vormals Peter-Petersen-Schule).

Der Ortsbeirat 3 ist für das Nordend zuständig. Im Ortsbezirk leben rund 53 500 Menschen. Stärkste Fraktion im Stadtteilgremium sind die Grünen mit sieben Sitzen. CDU und SPD haben jeweils drei Mandate. Linke und FDP sind mit je zwei Personen vertreten. Jeweils ein Mandat haben Ökolinx und Volt.

Die nächste Sitzung des Ortsbeirats findet voraussichtlich am Donnerstag, 26. Januar, um 19.30 Uhr im Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum, Rothschildallee 16a, Saal, statt. bos

Um Grün geht es auch am Standort für das geplante Gymnasium Ost. Dem Ortsbeirat ist die bisherige Planung, am Bornheimer Friedhof eine sechszügige Schule zu bauen, zu massiv für die nahe grüne Lunge gewesen. Vor kurzem haben Sie neue Pläne vorgestellt bekommen?

Ja, demnach könnte eine Oberstufe vierzügig an der Dortelweiler Straße entstehen, die Mittelstufe sechszügig am Schlinkenweg – neben dem Abenteuerspielplatz. Bislang ist es nur eine Ideenskizze, die aber in die richtige Richtung geht. Der Ortsbeirat will prüfen lassen, ob neben der Gärtnerei eine kleinere gymnasiale Oberstufe für die umliegenden Integrierten Gesamtschulen entstehen könnte. Aber bislang ist der geplante Bau mit fünf Stockwerken zu hoch. Er würde die Winde aus der Wetterau behindern.

Es fehlte auch eine gute Anbindung an den ÖPNV, oder?

Auf der Dortelweiler fährt nur ein Bus von und nach Osten, von wo aus die Schüler und Schülerinnen vor allem kommen sollen. Besser sieht das für den Standort am Schlinkenweg aus. Aber dort könnten auch neue Wohnungen entstehen, die wir ebenfalls brauchen.

Mehr Platz für neue Bürgerinnen und Bürger wird es in naher Zukunft im Günthersburgpark geben. Oder steht der Erweiterung nach Norden etwas im Wege?

Wir hoffen, dass es im kommenden Sommer endlich losgeht – der Beschluss der Stadtverordneten ist schon acht Jahre alt. Bislang hat sich das Projekt verzögert, da Ausweichflächen für Schulen und Kitas nötig waren, die saniert wurden. Aber die Zahl der Menschen im Nordend wächst, und die brauchen auch mehr Grün.

Wie viele im Nordend unterwegs sind, zeigt sich auch auf dem Luisen-, Merian-, Matthias-Beltz- und Friedberger Platz, wo sich vor allem freitags viele bis spät in die Nacht tummeln. Oft zum Leidwesen der Anwohnenden. Wie geht es da weiter?

Der Versuch, die Massen an die Hauptwache zu verlagern, ist ja leider gescheitert. Das Angebot wurde nicht angenommen. Erfolgreich war dagegen, dass wir den Friedberger Platz nicht mehr gegen 22 Uhr, sondern erst gegen Mitternacht räumen – und damit weniger Besucherinnen und Besucher auf den nahen Luisenplatz verdrängen. Der ist einfach zu eng und musste entlastet werden.

Im September hatte auch die dortige Bürgerinitiative vermeldet, dass es ruhiger geworden sei. Ist das Problem damit gelöst?

Wir müssen im Frühjahr rechtzeitig schauen, dass das Konzept fortgesetzt wird – zusammen mit den Gastronomen und Gastronominnen, der BI und dem Runden Tisch. Ob sich die neue Regelung auch am Merianplatz auswirkt, wo es ebenfalls Beschwerden gibt, weiß ich nicht. Der Platz hat sein eigenes Publikum. Dort sollte die Polizei häufiger gegen Ruhestörungen vorgehen. Das hat auch am Matthias-Beltz-Platz gut geklappt.

Gut geklappt hat der Abbruch des Bunkers am Glauburgplatz...

Die dortige Bürgerinitiative hat dazu beigetragen, dass der Abriss hinter einer hohen Schutzwand erfolgt ist. Dadurch war von den Sprengungen im Stadtteil nicht viel zu spüren. Ich hoffe, dass sich im kommenden Jahr endlich entscheidet, welche kulturelle und soziale Nutzung im Erdgeschoss des Neubaus entstehen wird.

Und der Ortsbeirat dort 2024 tagen kann?

Das wäre wünschenswert.

Interview: Boris Schlepper

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