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Das Buch zum Bierchen

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Von: Sabine Schramek

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Wasserhäuschen-Experte Hubert Gloss hat ein Buch über die Frankfurter Büdchen herausgebracht.
Wasserhäuschen-Experte Hubert Gloss hat ein Buch über die Frankfurter Büdchen herausgebracht. © Holger Menzel

Wasserhäuschen-Koryphäe Hubert Gloss beschenkt sich zum Geburtstag mit einem Büdchen-Glossar. Frankfurter Kiosk-Kultur heißt der 88-seitige Bildband.

Wenn jemand die Wasserhäuschen Frankfurts kennt, ist es Hubert Gloss. Bei Weitem nicht nur wegen des Biers, des Jägermeisters oder der Naschtüten. Neben Touren, Spielen und Postkarten hat er jetzt ein Buch über die Büdchen herausgebracht.

In den 1970er Jahren gab es rund 800 freistehende Wasserhäuschen in Frankfurt. Jetzt sind es noch knapp 80, die Gloss, der am Sonntag seinen 65. Geburtstag feiert, in sein Herz geschlossen hat. „Wasserhäusje“ nennt er die meist runden Gebäude, die Treffpunkt, Trinkpunkt und Tradition zu gleich sind. Belegt ist, dass im April 1909 die wohl erste Magistratsgenehmigung für den Betrieb einer Trinkhalle an die Firma Jöst erteilt wurde. Das älteste Wasserhäuschen ist mehr als 90 Jahre alt. „Ich bin lange mit dem Buch schwanger gegangen – so im siebten Monat“, sagt Gloss und lacht. „Jetzt ist es fertig.“

Es war die „Qual der Wahl“, aus unzähligen Fotos und Unterlagen das auszusuchen, „was am Schönsten ist und alles auf das Wesentliche zu reduzieren“, erzählt der Mann, der seit 31 Jahren Wasserhäuschen fotografiert. Gloss ist Künstler, Autor, Fotograf, Stadtteilhistoriker und absoluter Wasserhäusje-Experte.

Seit Jahren bietet er Touren zu den „schnuckeligen Buden“ an, er hat ein Wasserhäuschen-Quartett und ein -Memory-Spiel herausgebracht, unzählige Postkarten und noch mehr Insiderwissen. Jetzt hält er stolz ein knallrotes Büchlein in der Hand. „Frankfurter Kiosk-Kultur“ heißt der 88-seitige Bildband. Mit Gedichten und typischen Charakteren, mit Geschichte und Infos über die Stadtteiltreffpunkte. Das Buch betrachtet Gloss als „Vermächtnis für Frankfurt und für mich“ und als „Liebeserklärung an lustige, aufregende und erholsame Treffen überall in der Stadt“.

Die ersten Exemplare gibt’s bei Apfelwein Frank in der Weberstraße im Nordend. „Da feiere ich am Sonntag mit zehn Freunden, danach geht’s zum Absacker zum Jöst-Büdchen am Holzhausenpark. Anders kann und will ich nicht feiern“, sagt Gloss. Im Handel werde das Buch auch bald sein. Der Hessenshop und das Kaufhaus Hessen würden mit dem Buch für 12,95 Euro zuerst beliefert.

Für Glos ist der Besuch von Wasserhäuschen der „schönste Zeitvertreib in Frankfurt“. Auch seien es soziale Treffpunkte, „die die Stadtteile dringend brauchen“, so der Experte. „Sie sind barrierefrei, einige werden zu Biergärten, kleinen Cafés, andere sind Hipster-Hotspots geworden.“ Eines sei bei allen gleich: „Man kommt zusammen, man babbelt, man diskutiert und lernt sich kennen.“ Ob Ur-Frankfurter:in oder Eingeplackte, ob Jung, Alt, Arm oder Reich – an Wasserhäuschen könne man alle treffen.

Darauf weist er auch auf seinen Touren hin. Wegen Corona musste er diese „auf Eis legen“, jetzt geht es wieder los. Mit Bus und Bahn nach Klaa Paris, Bockenheim oder ins Nordend. Die Anfragen seien reichlich. „Die Leute vermissen es offenbar, unterwegs zu sein“, vermutet Gloss. „Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich über Schnuckeltüten erzähle und einen ausgebe.“

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