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Der Wiederaufbau des Holzpavillons im chinesischen Garten ist fast vollendet.

Bethmannpark

Auch Goethe wohnt im Wasserpavillon

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Im Chinesischen Garten sind die Wunden der Brandstiftung weitgehend geheilt. Wiedereröffnung im Herbst.

Es riecht noch nach Farbe, und letzte Gerüstteile muss man sich wegdenken. Ansonsten ist er fertig, der vor gut zwei Jahren vom Feuer zerstörte Wasserpavillon im Chinesischen Garten. Wiederhergestellt, saniert, schneller als geplant. Mitte Juli sollte die 19-köpfige Delegation aus der Provinz Anhui ihr Werk vollenden, einen ganzen Monat früher hat sie es geschafft – und bestätigt, was der Architektenkollege Martin Beilmann schon im April bewundernd sagte. „Wie die Chinesen arbeiten, das ist fantastisch. Das ist wie aus einer anderen Zeit, wenn ich sehe, was sie handwerklich machen.“

Aber auch, was sie sich einfallen lassen. So schifften die Chinesen nicht nur das Material in sechs Seecontainern aus Schanghai übers Meer nach Frankfurt; sie brachten auch Ornamente mit mythologischer Bedeutung an. Als wäre es nicht schon des Verzaubernden genug, dass die Bauten „Wasserpavillon des geläuterten Herzens“ oder „Brücke des halben Bootes“ heißen, ziert nun zur Rechten eine „Säule der Ruhe“ das Portal des auferstandenen Pavillons. Links dagegen, erklärt Baumeister Chen Yang, der seinen Namen mit einem früheren Eintracht-Fußballer teilt, lässt sich viel hineininterpretieren. Da stünden die Schriftzeichen für Herz, Glück, Natur, Ereignis und Gefühl. Eine App auf Herrn Yangs Telefon macht daraus: „Wenn Sie gut gelaunt sind, werden Sie natürlich ein Gefühl haben.“

Das Handwerker-Team aus China hat sich an die Feinarbeit gemacht.

Drinnen im Pavillon wird es noch interessanter. Da übersetzt Herrn Yangs Telefon, ebenfalls auf Deutsch: „Wie in Goethes Versen fließt auch hier Wasser.“ Eine chinesische Gedichttradition der symmetrischen Verse, erfahren Stadträtin Rosemarie Heilig (Grüne), ihre Begleiterinnen und Begleiter aus Dezernat und Grünflächenamt staunend.

Was selbst die Chinesen leider nicht schaffen, ist: den Brandstifter zu überführen, der am 1. Juni 2017 im Bethmannpark zündelte, so wie es in zeitlicher Nähe auch im Koreanischen Garten und am Goetheturm geschah. Zumindest soll sich Ähnliches nicht mehr ereignen können, dafür sorgen schwerer entzündliches Holz (Eukalyptus statt Ginkgo) und ein Alarmsystem, dessen Details geheim sind, um potenzielle Täter im Unklaren zu lassen.

Kann man also wieder rein in den Chinesischen Garten? Noch nicht. Die in Mitleidenschaft gezogene Außenanlage muss saniert werden. Das dauert bis in den Herbst, sagt Bernd Roser vom Grünflächenamt. Es gilt, Bambus und die ans asiatische Ambiente angelehnten Gräser und Stauden auf Vordermann zu bringen. Dafür sind die chinesischen Bauarbeiter nicht zuständig. Sie haben trotzdem schon mal angefangen.

Für ihren enormen Einsatz sind die Männer nächste Woche zu einem Empfang mit Abendessen eingeladen. Am 25. Juni reisen sie, nach Monaten im Wohncontainer, wieder in die Heimat.

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