Das Bild „Tod eines Handlungsreisenden“ hat der Frankfurter Künstler auf der Schleuse an der Gerbermühle inszeniert.
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Das Bild „Tod eines Handlungsreisenden“ hat der Frankfurter Künstler auf der Schleuse an der Gerbermühle inszeniert.

Nordend

Bundestag kauft Bilder des Frankfurter Künstlers To Kuehne

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Der Kunstbeirat des Deutschen Bundestags entscheidet sich für drei Bilder des Frankfurter Künstlers To Kuehne.

Als Anfang des Jahres ein großer Briefumschlag mit dem Bundesadler im Briefkasten von To Kuehne landete, war er überrascht. Er dachte an ein Fake-Schreiben, berichtet der Künstler, der im Nordend wohnt. „Da will einer Bilder abgreifen.“ Doch nach einem Anruf in Berlin war er sicher: Der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages, dem der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble vorsitzt, wollte wenigstens eines seiner Kunstwerke kaufen.

Der Künstler To Kuehne mit Warhol-Perücke vor Kuehne’s Tomato Soup-Dosen. Das Werk heißt „Signing cans“ und stammt aus seiner Tribute-to-Andy-Warhol-Reihe.

Drei Vorschläge solle er machen, sei er aufgefordert worden, sagt To Kuehne, der mit bürgerlichem Namen Torsten Kühne heißt. Wie der Kunstbeirat auf ihn aufmerksam wurde, weiß er nicht. Lange habe er überlegt, welche seiner Bilder er nach Berlin schicken wolle. Der Frankfurter ist bekannt für seine ironischen, humorvollen und sozialkritischen Selbstinszenierungen, „ich mache keine klassische Fotokunst“.

Kunstbeirat

Der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages hat am 16.Juni (als Ankauf für 2019) drei Arbeiten von Torsten Kühne erworben. Die Ankaufssitzungen finden in der Regel einmal im Jahr statt. Hierfür stehen 175 000 Euro zur Verfügung sowie weitere 100 000 für Aufträge an Künstler.

Auf einem Bild, „Signing cans“ aus To Kuehnes Tribute-to-Andy-Warhol-Reihe, hat er sich selbst mit weißer Warhol-Perücke vor „Kuehne’s Tomato Soup“-Dosen in Szene gesetzt. Das zweite Foto, „Tod eines Handlungsreisenden“, stammt aus seiner Literatur-Serie, in der er sich Büchern gewidmet hat, die ihn begleitet oder geprägt haben. Inszeniert hat er das Bild auf der Schleuse an der Gerbermühle.

„Gone fishing“ heißt das dritte Werk, das er nach Berlin geschickt hat. Eine Darstellung aus der „Macht-Reihe“, bei der er sich vor allem verstorbenen Politikern wie Lenin, Fidel Castro oder Eva Perón widmet. Aber auch dem russischen Präsidenten Putin - wie er mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd reitet. To Kuehne hat das Bild inszeniert, auf einer Koppel in Dietzenbach. Da er ein „dicker Mann“ sei, habe er um ein kräftiges Tier gebeten – und ein Kutscherpferd bekommen.

Im Juni bekam To Kuehne die Nachricht aus Berlin, dass der Kunstbeirat alle drei Bilder kauft. Verwundert ist er vor allem, dass das Foto von ihm zu Pferd genommen wurde, „das hätte ich im Traum nicht gedacht“. Jetzt ist er gespannt, wo im Bundestag es aufgehängt wird.

„Gone fishing“ heißt das Bild aus To Kuehnes „Macht-Reihe“. Es ist an das bekannte Foto mit Russlands Präsidenten Putin angelehnt.

Der Künstler arbeitet vor allem in Frankfurt, zu sehen sind seine Werke in Ausstellungen deutschlandweit. Im April hätte er Bilder auf der Buchmesse in Bad Nauheim und auf einer Kunstmesse in Stockholm gezeigt - beide fielen wegen Corona aus. In Frankfurt gibt es eine kleine Dauerausstellung von To Kuehne: in den Toiletten im Kunstverein Familie Montez in der Honsellbrücke.

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