Die Inhaber Bianca und Hans-Joachim Knapp müssen ihr Blumengeschäft auf der unteren Berger Straße im Nordend aufgeben.
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Die Inhaber Bianca und Hans-Joachim Knapp müssen ihr Blumengeschäft auf der unteren Berger Straße im Nordend aufgeben.

Blumen Knapp

Frankfurt Norden: Aus für Kult-Blumenladen

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Bianca und Hans-Joachim Knapp können es nicht fassen. Nach 55 Jahren müssen sie ihren Blumenladen auf der unteren Berger Straße zum Ende des Jahres räumen. Die neuen Eigentümer haben andere Pläne.

Hans-Joachim Knapp ist verzweifelt. Seit 1965 betreibt seine Familie am Merianplatz einen Blumenladen. Er ist damit eines der ältesten Geschäfte auf der unteren Berger Straße. Doch vor kurzem hat er die Kündigung erhalten. Ende des Jahres soll der gelernte Florist seinen Betrieb räumen. Die neuen Eigentümer haben andere Pläne.

In der Vergangenheit habe das Geschäft einer älteren Dame gehört, sagt Knapp, der den Laden mit seiner Frau Bianca betreibt. Jetzt habe eine Erbengemeinschaft übernommen, und die habe ihm ohne Vorankündigung gekündigt. Rechtlich sei das in Ordnung, „aber menschlich verwerflich“, findet er. Die neuen Besitzer „schmeißen eine lange Verbundenheit einfach weg“. 1958 hat sein Vater den Blumenladen im Nordend gegründet, seit 1965 befindet er sich in der Berger Straße 49 oberhalb des Merianplatzes.

22 Quadratmeter groß ist der kleine Laden, dazu gehören etwa 60 Quadratmeter Lager. Hans-Joachim Knapp sagt, er habe alles versucht, um das Geschäft behalten zu können. Die Erbengemeinschaft sei jedoch zu keinem Gespräch bereit gewesen. Auf das Angebot des Floristen, dass er auch eine Mieterhöhung akzeptiere, sei sie nicht eingegangen. Als Begründung habe es nur geheißen, dass es ein neues Konzept gebe. Weder die Eigentümer noch die Hausverwaltung haben sich auf Anfrage der FR geäußert.

Ortsbeirat 3 um Hilfe gebeten

Hans-Joachim Knapp hat den Ortsbeirat 3 um Hilfe gebeten. Dieser bedauert es, dass dem Familienbetrieb gekündigt worden ist. Es sei nicht der erste, der auf der Berger verdrängt werde, sagt Vorsteherin Karin Guder (Grüne). Dadurch gebe es auf der Straße „zu viel Leerstand“. Das Gremium fordert daher den Magistrat auf, dass die Wirtschaftsförderung den Floristen unterstützen solle, zeitnah eine geeignete und bezahlbare neue Liegenschaft zu finden. Auch solle die Stadt mit dem Eigentümer das Gespräch suchen, damit Knapp doch noch bleiben kann.

Der Ortsbeirat unterstütze alle Bestrebungen, Familienbetriebe auch für die Nahversorgung in der unteren Berger Straße zu halten, heißt es in der Vorlage. Das Gremium möchte damit „ein Zeichen gegen die Vereinnahmung“ der Einkaufsmeile „durch Ketten und austauschbare, ständig wechselnde Läden zu Höchstmieten“ setzen. Diese zerstörten „die Einzigartigkeit und Vielfalt der Straße auch in Konkurrenz zur nahen Zeil“.

Dass der Familie, ohne mit ihr zu reden, gekündigt worden sei, sei „eine Sauerei“, die durch nichts zu rechtfertigen sei, sagt Willi Preßmar (Grüne). Jetzt müsste die Stadt helfen, dass wenigstens ein Aufschub möglich sei und Familie Knapp nicht Ende des Jahres räumen müsse, wenn sie keinen Ersatz gefunden habe. „Die Mieten an der Berger werden immer teurer.“

Hans-Joachim Habermann (Linke) ist für einen Mieterschutz für kleine Gewerbebetriebe, „sonst machen sich immer mehr große Ketten und Kaufhäuser breit“. Dafür sei eine gesetzliche Regelung auf der Landes- und Bundesebene nötig. Da durch die Corona-Pandemie viele Geschäfte schließen müssten, sei es derzeit eventuell einfacher, einen neuen Laden zu finden, sagt Freidemokrat Thomas Fruhwirth. Auch mit einem Anstieg der Mieten sei momentan nicht zu rechnen. „Jetzt gibt es gute Möglichkeiten, Alternativen zu finden.“

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