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Über Jahre standen viele Gärten in der „Grünen Lunge“ am Günthersburgpark leer. Oftmals kümmerten sich Besetzer:innen um die Parzellen und pflegten sie.
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Über Jahre standen viele Gärten in der „Grünen Lunge“ am Günthersburgpark leer. Oftmals kümmerten sich Besetzer:innen um die Parzellen und pflegten sie.

Nordend

Besetzerin will bleiben

  • Boris Schlepper
    VonBoris Schlepper
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Wohnungsgenossenschaft will brachliegende Gärten in der „Grünen Lunge“ nördlich des Günthersburgparks neu verpachten. Um mehrere der Parzellen hatten sich in den vergangenen Jahren Besetzer:innen gekümmert.

Anne M. (Name von der Redaktion geändert) ist in Sorge. Zwei Jahre lang hat sie sich mit Freunden um einen brachliegenden Garten in der sogenannten Grünen Lunge nördlich des Günthersburgparks gekümmert. Doch jetzt muss die Besetzerin die Parzelle räumen. Der Beamten-Wohnungs-Verein Frankfurt (BWV) will seine Grundstücke neu verpachten, solange das Areal nicht bebaut wird.

Als Anne M. mit ihren Freunden den Garten kurz vor der Corona-Pandemie erstmals betraten, war alles verwahrlost, erinnert sie sich. Die Hütte, die lange von Obdachlosen genutzt worden war, war größtenteils zerstört. Mehrere Wagenladungen Schutt und Müll haben die Freunde zum Teil gebührenpflichtig entsorgt. Das Dach des Häuschens mussten sie ersetzen, auch aus dem Erdreich holten sie viel Plastikmüll, insgesamt 1000 Euro investierten sie.

„Das war für uns ein schönes Freundschaftsprojekt“, sagt M. Erstmals habe sie sich praktisch mit der Permakultur befasst, also im Einklang mit der Natur gepflanzt und ökologisch nachhaltig angebaut. Auch ein Kompostklo errichtete sie. Unbekannte versenkten darin Plastikmüll, den sie händisch von den Fäkalien trennte. Denn Anne M. ist es ernst mit dem Garten, den sie inzwischen nur noch mit ihrem Partner bewirtschaftet. Beim Beamten-Wohnungs-Verein habe sie sich bereits beworben. „Es hieß, wir stünden auf der Warteliste.“

Anne M. ist nicht die einzige, weiß Carolina Bâ, die in der Grünen Lunge einen Garten gepachtet hat. Viele hätten sich um die Gärten gekümmert, die verwahrlosten, nachdem die Wohnungsbaugenossenschaften den Pächtern vor einigen Jahren gekündigt hatte, um Platz für das Neubaugebiet Günthersburghöfe schaffen zu können. „Es wäre nur fair, wenn diejenigen, die die Garten gesäubert und gepflegt haben, jetzt den Zuspruch erhalten“, so Bâ.

Die Gärten sollen neu verpachtet werden, bestätigt Martin Neckel vom Vorstand des Beamten-Wohnungs-Verein. Da die Pläne der Stadt für die Bebauung des Areals derzeit ruhten, habe man nach einer temporären Nutzung gesucht. Dabei müssten potenzielle Pächter:innen keine Mitglieder sein, „die sollen sich einfach an uns wenden“. Zwar ziehe die Genossenschaft Mitglieder vor. Doch sei die Nachfrage unter diesen gering. Insgesamt besitze die BWV dort rund einen Hektar Land, die einzelnen Gärten seien zwischen 300 und 500 Quadratmeter groß. „Man kann auch mehrere haben.“

Die Genossenschaft habe die ehemaligen Pächterinnen und Pächter gefragt, ob sie ihre Parzellen zurück haben wollten, sagt Neckel. Bei den meisten handele es sich aber um ältere Menschen, die inzwischen kein Interesse mehr hätten. Denn das gesamte Areal ist kaum erschlossen, richtige Wege gebe es keine, auch kein Wasser und Strom und keine Müllentsorgung. „Wenn da einer kollabiert, kann er nicht gerettet werden“, da es in dem Gebiet keine Orientierung gebe.

Sicher sei, dass die Parzellen nur für einige Jahre vergeben werden könnten, so Neckel. Selbst wenn die neue Stadtregierung wie angekündigt für das Neubaugebiet nur bereits versiegelte Flächen für die Wohnbebauung freigebe, sei davon auszugehen, dass die Gärten künftig eine „geordnete Struktur“ erhalten, und es nicht wild bleiben werde.

Anne M. will den Garten notfalls auch nur für einige Jahre weiter bewirtschaften, sagt sie. Mit den Nachbar:innen verstehe sie sich gut. „Uns geht es nicht darum, ein illegales Abenteuer zu haben. Wir hätten gerne mehr Sicherheit.“

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