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Beete

„Grüne Lunge“

Beete gegen die Bebauung in Frankfurt

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Die Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ protestiert mit einer Pflanzaktion gegen die Güntersburghöfe.

Gammlige Sofas, rostige Geräte, abgebrochene Gartenzwerge – vor dem Abenteuerspielplatz am Günthersburgpark häuft sich am Samstag ein riesiger Müllberg. Rund 40 Personen haben sich eingefunden, um die dortigen Gärten von Unrat zu befreien und Gemüsebeete anzulegen. Mit der Aktion will die Bürgerinitiative Grüne Lunge zeigen, dass das mehr als 16 Hektar große Areal erhaltenswert ist – und gegen die Pläne der Stadt protestieren, die vorsehen, dort 1400 Wohnungen zu bauen.

„Das Areal hat eine ökologische Bedeutung, gerade weil vieles leersteht“, sagt die BI. In den wilden Stücken hätten sich seltene Arten angesiedelt. Dort lebten Füchse und 40 Vogelarten, darunter Nachtigallen und der Gartenrotschwanz. „Natürlich viele Schmetterlinge und Insekten. Und im Sommer sieht man viele Glühwürmchen.“ Damit könnte bald Schluss sein, denn die Stadt prüft einen Bebauungsplan, in dem anstelle der rund 300 Gärten nördlich des Parks unter dem Namen „Güntersburghöfe“ sechs Höfe und ein Hochhaus entstehen sollen (die FR berichtete).

„Der Hauptinvestor ist Instone Real Estate, der für Luxusbauten bekannt ist“, sagt Alexis Passadakis vom Mitorganisator Climate Justice. „Denen ist es egal, ob die Mieten in der Gegend steigen oder ein Stück Natur kaputt geht.“ Mit den Güntersburghöfen würde die Stadt Visionen für ein gutes Klima in der Stadt verbauen, sagt Thomas Jasny vom Vorstand der BI Grüne Lunge. „Aber noch ist nichts entschieden.“ Die BI sähe die Fläche lieber als Rückzugsort, möchte sie für Kunstprojekte und Urban Gardening nutzen und Kindergärten zur Verfügung stellen.

„Wir sind keine romantischen Baumschützer, keine egoistischen Kleingärtner und auch nicht gegen Wohnungsbau“, sagt Sabine Hoffmann. „Es gibt hier neben der Friedberger Landstraße ungenutzte, versiegelte Flächen. Es wäre toll, wenn dort sozialer Wohnungsbau entstünde.“

Dass der Name „Grüne Lunge“ die wichtige Funktion des Areals für die Stadt perfekt beschreibt, darüber sind sich alle einig. „Dieses Stück Natur ist nötig, um die Stadt abzukühlen und die Luft zu verbessern, sagt Jasny. Die „Fridays for Future“ würden bestätigen, dass Nachhaltigkeit das Thema der Zukunft sei.

Uneinigkeit gibt es dagegen über den Umgang mit privaten Gärten in dem Areal. Während der Großteil der BI-Mitglieder diese unangetastet lassen möchte, entfernen die Mitglieder von Climate Justice auch Zäune zwischen verwilderten Gärten und vom Beamtenverein. Dieser vermietet seine Flächen nicht mehr weiter, weil er sie der Stadt verkaufen möchte. Climate Justice haben sich aus einer Gruppe gebildet, die in der Vergangenheit den Hambacher Forst und den Treburer Wald nahe dem Frankfurter Flughafen besetzt haben. „Hier werden einige Zäune fallen, auch Äußere“, sagt eine Aktivistin, die sich Tatze nennt. „Wir wollen das Gebiet besetzen.“

Weil das Entrümpeln so lange dauert, reicht die Zeit am Samstag nur für wenige symbolische Beete. Darin werden Obst, Gemüse und Grüne Soße Kräuter angepflanzt. Wann es weitergeht, soll frühzeitig im Internet auf www.gruene-lunge-am-guenthersburgpark.de bekanntgegeben werden.

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