Nordend

„Aus klimatischer Sicht die beste Variante“

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Der Stadtklimatologe Lutz Katzschner analysiert den Siegerentwurf zum Innovationsuartier und sieht Optimierungsbedarf. Die Bürgerinitiative Grüne Lunge stört sich vor allem am geplanten Hochhaus.

Der Stadtklimatologe Lutz Katzschner bewertet das Ergebnis des Architektenwettbewerbs für das Innovationsquartier positiv. Keiner der sechs Entwürfe sei abzulehnen gewesen. Das Siegerkonzept mit den „Günthersburghöfen“ sei aus klimatischer Sicht aber die beste Variante, sagt er. „Es sollten aber noch Optimierungen vorgenommen werden“, so Katzschner.

Katzschner lobt, dass die Bebauung thermische Winde unterstütze und dass die ausgedehnten Grünflächen ausgleichend wirkten. Die Belüftung im zentralen verdichteten Bereich sei kritisch, zudem könne es rund um das 16-stöckige Hochhaus im Norden des Gebietes am Wasserpark zu Turbulenzen kommen. Auch sei eine Verschlechterung der Belüftung an der Ecke Friedberger Landstraße und Münzenberger Straße zu erwarten. „Analog dazu ist von einer Verschlechterung der Lufthygiene auszugehen“, schreibt Katzschner in seinem Gutachten.

Er schlägt beispielsweise vor, die Grünflächen im Süden Richtung Günthersburgpark zu verbreitern, „dort sind sie effektiver“ und die Innenhöfe zu belüften. Vor allem in dem Gebäudekomplex, in dem auch die Quartiersgarage unterkommen soll, erwartet er einen Hitzestau. Das Gutachten sowie die Verbesserungsvorschläge wurden dem Preisgericht bereits vor seiner Entscheidung vorgestellt.

Bereits vor einigen Monaten hatte Katzschner gesagt, dass jede Art von Bebauung das Klima in der Stadt verändere. Da eine Bebauung aber notwendig sei, gehe es um Kompromisse. So werde im jetzigen Entwurf die Friedberger Landstraße mit Hangwinden belüftet, die Frischluft könne durch den hohen Grünanteil in die Siedlung hineinwirken. „Das Quartier und die benachbarten Stadtteile werden weiterhin mit Kalt- und Frischluft versorgt.“

Die Bürgerinitiative (BI) „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ kritisiert den Siegerentwurf und fordert, die Planung zu stoppen. „Schon allein das Hochhaus ist eine Bausünde“, sagt BI-Vorstand Peter Beckmann, „es ist ein Fremdkörper.“ Die BI geht davon aus, dass durch den Bau die Frischluftschneise zerstört werde. „Schon jetzt werden die Feinstaub- und Stickoxid-Grenzwerte an der Friedberger Landstraße überschritten“, so Beckmann, „durch die Rodung tausender Bäume entfällt die Filterfunktion und damit die Reinigung der Atemluft von den Belastungen durch die Abgase.“

Die Gesundheit der Bürger leide darunter. Rund 10 000 Unterschriften für den Erhalt wurden gesammelt.

Das Innovationsquartier wird als eine von acht Siedlungen des Ernst-May-Viertels geplant. In ihr sollen rund 1400 Wohnungen für bis zu 4000 Menschen entstehen. Am 30. September gab die Stadt den Sieger des Architektenwettbewerbs bekannt. Das Team Tobe-Stadt, Stefan Bernard Landschaftsarchitekten und Kölling und Voigt Architekten gewann mit sechs zu eins Stimmen mit den „Günthersburghöfen“, die viel Grün mit Kleingärten und einer 24 000 Quadratmeter großen Gartenwildnis sowie eine dichte mittige Bebauung an der Friedberger Landstraße vorsieht.

Die Höfe sind sechs Gebäude in Blockrandbebauung, im nördlichen Bereich ist eine Gartenwildnis geplant. An der Friedberger Landstraße ist in der Mitte ein Gebäudekomplex mit einer Quartiersgarage vorgesehen. Das Viertel wird autofrei geplant. Am Mehrgenerationenhaus Richtung Günthersburgpark soll ein Quartiersplatz entstehen. Im Süden und im Osten werden Klein- und Freizeitgärten erhalten oder neu angelegt. Auf dem Areal der heutigen Gärtnerei Klumpen ist eine Schule in einem Eichwaldhaus geplant.

Ob die südlichen vier Gebäude westlich des Mehrgenerationenhauses verwirklicht werden können, ist noch unklar. Dort befindet sich das bereits bebaute Gewerbegbiet Hungener Straße.

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