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Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) auf dem Oeder Weg, der zur fahrradfreundlichen Nebenstraße umgebaut wird – zum Ärger vieler Gewerbetreibender.
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Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) auf dem Oeder Weg, der zur fahrradfreundlichen Nebenstraße umgebaut wird – zum Ärger vieler Gewerbetreibender.

Das Jahr im Ortsbeirat 3

„Anwohner müssen sich wieder wohl fühlen“

  • Boris Schlepper
    VonBoris Schlepper
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Ortsvorsteherin Karin Guder über ausufernde Partys auf den Plätzen im Stadtteil. Auch die Umgestaltung des Oeder Wegs zur fahrradfreundlichen Nebenstraße hat das Stadtteilgremium im endenden Jahr viel beschäftigt.

Frau Guder, im Sommer hat die Stadt damit begonnen, den Oeder Weg in eine fahrradfreundliche Nebenstraße umzugestalten. In mehreren Sitzungen gab es Proteste von Anwohnenden und Gewerbetreibenden, die das Projekt ablehnen. Hätten Sie mit solch einer Gegenwehr gerechnet?

Der Oeder Weg ist auf einem guten Weg. Wir haben die Aufmerksamkeit der Autofahrer durch die rot markierten Flächen stärker auf die Radfahrer gelenkt, so dass sich dort alle sicherer fühlen. Es gab eine Unsicherheit bei den Einzelhändlern, die auf Informationslücken zurückzuführen sind. Da mussten wir Aufklärungsarbeit leisten, da durch Corona vieles nicht so lief wie geplant. Doch wir haben uns immer dafür eingesetzt, dass die Bürger informiert werden. Das Projekt wurde zweimal vorgestellt, dabei gab es auch zahlreiche positive Reaktionen bei den Bürgerinnen und Bürgern. Es gibt außerdem eine Hotline.

Noch ist es nicht abgeschlossen. Die Diagonalsperre an der Holzhausenstraße soll im März kommen. Auch fehlen Aufenthaltsflächen und die Begrünung.

Das muss jetzt endlich kommen. Viele Menschen sind gespannt, wie der fertige Oeder Weg aussehen wird – es ist ja ein Pilotprojekt. Und viele Nordendler wollen sich beteiligen und sich etwa um die Pflanzen kümmern.

Dennoch will der Ortsbeirat in der Finkenhofstraße schon jetzt nachbessern. Sollten Sie nicht abwarten, bis der Versuch vollständig läuft?

Prinzipiell schon. Erst dann kann man sehen, wo etwa die Verkehrsströme laufen. Doch kann es nicht sein, dass ein großer Teil des Verkehrs des Oeder Wegs durch diese kleine Straße fährt.

Fürs Parken muss seit diesem Jahr in einigen Quartieren im Nordend unter der Woche tagsüber gezahlt werden. Ein weiteres Ärgernis für Menschen, die mit dem Auto unterwegs sind?

Wahrscheinlich hat die Stadt das falsch eingeschätzt, die Parkraumbewirtschaftung und die Umgestaltung der fahrradfreundliche Nebenstraße gleichzeitig umzusetzen. Das hat für viel Unruhe gesorgt. Aber beides ist wichtig, um die Pendler auf andere Routen zu bringen oder dafür zu sorgen, dass sie erst gar nicht in die Stadt fahren. Für Anwohnende entstehen mehr Parkplätze.

Die Krankenhäuser im Nordend haben das System bereits kritisiert, ihre Mitarbeitenden seien auf Autos angewiesen. Rechnen Sie mit weiteren Beschwerden?

Es wird bei jeder neuen Zone Fragen geben, die wir klären müssen. Und man muss schauen, wie man etwa große Arbeitgeber unterstützen kann. Aber sicher ist, dass es nicht für jeden eine Ausnahmeregelung geben kann. Wir haben den Magistrat aufgefordert, die Menschen über die Regelung zu informieren, damit sie sich auf die Veränderungen einstellen können.

Eine Bürgeranhörung mit den Ämtern und Dezernent:innen planen Sie auch zum Thema nächtliches Feiern auf öffentlichen Plätzen. Sind Sie froh, dass es derzeit kalt und regnerisch ist und dadurch etwas Ruhe herrscht?

Das ist nach wie vor ein großes Thema, obwohl wir da seit Jahren dran sind. Doch durch Corona sind viele weniger einsichtig geworden und verhalten sich rücksichtslos und unsozial, das können wir so nicht weiter akzeptieren. Die Leute wollen schlafen. Spätestens bis zur kommenden Saison müssen wir es schaffen, dass sich die Anwohner wieder wohl fühlen. Außerdem brauchen wir alternative Party-Flächen außerhalb der Wohngebiete.

Zur Person

Karin Guder (68) ist seit 2003 Vorsteherin im Ortsbeirat 3. In den 80ern war sie Landesgeschäftsführerin der Grünen, in den 90ern Stadtverordnete in Frankfurt. Bis August 2019 arbeitete sie als Lehrerin an der IGS Eschersheim.

Der Ortsbeirat 3 ist für das Nordend zuständig. Im Ortsbezirk leben rund 54 000 Menschen. Stärkste Fraktion in dem Gremium sind die Grünen mit sieben Sitzen. CDU und SPD haben jeweils drei Mandate. Linke und FDP sind mit je zwei Personen vertreten, jeweils ein Mandat haben Ökolinx und die BFF.

Die nächste Sitzung findet voraussichtlich am Freitag , 21. Januar, um 19.30 Uhr im Saalbau Bornheim, Arnsburger Straße 24, statt. Wegen der Corona-Pandemie ist der Platz begrenzt, Gäste müssen eine medizinischen Gesichtsmaske tragen.

Die Frankfurter Rundschau blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern zurück auf das Jahr 2021. Die Serie erscheint in loser Folge. bos

Im Günthersburgpark gab es dagegen zuletzt weniger Beschwerden über nächtliche Feiern, oder?

Da ist es zum Glück nicht so häufig ausgeufert. Dort hat uns auch das 6. Revier stark unterstützt und gemeinsam mit dem Drogenreferat dazu beigetragen, dass es kein Hotspot geworden ist.

Die FES testet in dem Park neuerdings Innovationen. Welche Bedeutung hatte das auf das Partyvolk?

Dort etwa neue große Müllgaragen aufzustellen und einen Abfallroboter einzusetzen war sicher ein weiterer Schritt, der geholfen hat.

Eigentlich sollte der Park 2022 erweitert werden. Das verschiebt sich jetzt um ein Jahr, da ein weiteres Kinderzentrum auf dem alten Betriebshof temporär ausgelagert wird. Die Grünen als stärkste Fraktion im Ortsbeirat haben das abgelehnt.

Das muss ich so hinnehmen, dass es da eine entsprechende Mehrheit im Ortsbeirat gegeben hat. Ich werde mich aber weiter dafür einsetzen, dass der Park zeitnah erweitert wird. Es gibt bereits gut ausgearbeitete Pläne, und das enge Nordend braucht dringend mehr Grün.

Das bekommen Sie jetzt wohl auf dem Areal des Neubaugebiets Günthersburghöfe. Die neue Stadtregierung will die Planung überarbeiten und nur bereits versiegelte Flächen bebauen. Ist das erfreulich?

Dass mehr Grün bleibt, ist wichtig. Man muss jetzt mit den Gruppen vor Ort, den Bewohnern und den Investoren ins Gespräch kommen und nach Lösungen suchen. Im Ortsbeirat kann das diskutiert werden. Dabei muss dann auch geklärt werden, was mit den beiden geplanten Schulen ist. Die werden benötigt, aber nicht unbedingt an den bisher genannten Standorten.

Noch offen ist auch, wer in das Erdgeschoss des Neubaus unterkommt, der auf dem Grundstück des Glauburgbunkers errichtet werden soll. Eine Kita wird es dort nicht geben?

Nein. Wir möchten, dass dort eine Einrichtung mit Stadtteilbezug einzieht, die eine vielfältige Nutzung für Kinder, Familien und Senioren mit Café zum Glauburgplatz hin bietet. Im Februar soll es Gespräche mit dem Bauherrn und dem Kulturdezernat geben. Das ist ein wichtiger Schritt, damit die Einrichtungen endlich planen können.

Noch steht der Bunker, auch wenn es dort ständig Sprengungen gibt. Läuft der Abriss weniger schlimm als gedacht?

Mich haben zumindest keine Klagen erreicht. Wichtig ist, dass die Anwohner gut informiert werden und es einen regelmäßigen Austausch mit der Bauaufsicht gibt. Positiv ist auch, wie das im Mai bei der kontrollierten Sprengung der Weltkriegsbombe gelaufen ist. Die Evakuierung war eine logistische Meisterleistung.

Interview: Boris Schlepper

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