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Am Wasserschloss bröckelt der Putz

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Von: Matthias Bittner

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Im Jahr 2027 wird das Holzhausenschlösschen in der Justinianstraße im Nordend 300 Jahre alt.
Im Jahr 2027 wird das Holzhausenschlösschen in der Justinianstraße im Nordend 300 Jahre alt. © peter-juelich.com

Die Außenfassade des Holzhausenschlösschens im Nordend muss dringend saniert werden. Im Jahr 2027 möchte die dort ansässige Frankfurter Bürgerstiftung das 300-jährige Bestehen des Gebäudes im Holzhausenpark feiern. Unterstützung erhält die Stiftung vom zuständigen Ortsbeirat 3.

Langsam wird Clemens Greve nervös. Die Zeit drängt. 2027 feiert das Holzhausenschlösschen 300. Geburtstag. Zu diesem Anlass möchte der Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung mit Sitz in dem Wasserschloss im Nordend alles tipptopp haben. Doch die Stadt als Eigentümerin des Gebäudes komme einfach nicht in die Gänge. „Die Fassade müsste dringend erneuert werden, vor allem die Wetterseite ist eine einzige Katastrophe“, so Greve. Auch die Fensterstürze brächen ein, Frostschäden hätten sich gebildet.

Diese Situation sei schon lange bekannt. „Nach dem Zweiten Weltkrieg ist ein falscher Putz aufgetragen worden. Das Mauerwerk kann nicht atmen, es gammelt alles“, erklärt Greve. Rückblickend versteht er nicht, warum die Stadt ein einmaliges Angebot verstreichen ließ.

2012 hatte die Frankfurter Bürgerstiftung begonnen, die Innenräume auch dank vieler großzügiger Spenden aufwendig für rund fünf Millionen Euro umzubauen. Unter anderem war während der zweijährigen Arbeiten ein moderner Konzertsaal entstanden. Auch ein Gerüst war für die Arbeiten außen aufgestellt worden. Man habe angeboten, das Gerüst für eine Fassadensanierung auch gerne ein Jahr länger stehen zu lassen, berichtet Greve. Das Angebot sei ungenutzt verstrichen.

Trotz der Kritik will Greve nicht ungerecht sein. 2017 habe die Stadt angekündigt, eine Sanierung werde ins Auge gefasst, sagt er. 2020 seien die Abstimmungen mit Landesdenkmalamt und städtischen Denkmalamt fertig gewesen, die Arbeiten hätten eigentlich ausgeschrieben werden können.

„Doch dann kam die Pandemie“, vermutet Greve, dass die Frankfurter Bürgerstiftung nicht vergessen, sondern die Stadt in dieser schwierigen Situation eben einfach dringendere Dinge zu erledigen hatte und noch hat.

Das Holzhausenschlösschen

Die Patrizierfamilie von Holzhausen ließ von 1727 bis 1729 an der Stelle des heutigen Holzhausenparks ein barockes Wasserschloss errichten. Die Pläne stammten vom Hessischen Hofbaumeisters Louis Remy de la Fosse. Zuvor war dort ein Landsitz.

Adolph von Holzhausen vermachte schließlich sein Vermögen inklusive Schlösschen und Park der Stadt Frankfurt. Das Schlösschen sollte kulturell und mit wissenschaftlichem Anspruch genutzt werden. So hatte auch der berühmte Städteplaner Ernst May von 1912 bis 1919 darin sein Büro.
1924 zog die Außenstelle Frankfurt des Reichsarchivs ein. 1952 war das Wasserschloss Sitz des Museums für Vor- und Frühgeschichte (heute Archäologisches Museum), das Anfang der 1980er Jahre in die Karmeliterkirche umzog. Seit 1989 hat die Frankfurter Bürgerstiftungdort ihr Domizil. Damals hatten sieben Frankfurter Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen die Bürgerstiftung gegründet.

Für die Bürgerstiftung war die erste Bewährungsprobe, das verfallene Holzhausenschlösschens, das die Stadt ihr zur Nutzung überließ, zu sanieren. bit

Außerdem kamen die Kommunalwahlen und die Bildung einer neuen Stadtregierung dazu. Damit einher ging ein Wechsel im für das Holzhausenschlösschen zuständigen Amtes für Bau und Immobilien, das von Stadtrat Jan Schneider (CDU) zu Stadträtin Sylvia Weber (SPD) wechselte. Unterlagen und Projekte müssten derzeit sortiert, gegebenenfalls neu bewertet und aufgearbeitet werden, heißt es. Auch müsse mit einem kritischen Auge aufs Geld und die Finanzierung von Projekten geschaut werden.

Unterstützung in seinen Bemühungen bekommt Greve jetzt von Grünen, SPD und FDP im Ortsbeirat 3 (Nordend). Für die Sitzung am komenden Freitag legen die Fraktionen ein gemeinsames Papier zur Abstimmung vor. Gefordert wird darin die schnelle Sanierung der Außenfassade.

Das Holzhausenschlösschen sei Eigentum der Stadt Frankfurt, die es seit 1989 an die Frankfurter Bürgerstiftung vermietet. Bereits 2013 habe die Stiftung die Stadt mit einer ausführlichen Bestandsdokumentation auf den schlechten Zustand der Außenfassade hingewiesen. Das Holzhausenschlösschen stehe als Kulturdenkmal in der Denkmalliste der Stadt Frankfurt und wird 2027 sein 300-jähriges Bestehen feiern. Der Ortsbeirat hätte kein Verständnis dafür, wenn das Wahrzeichen des Stadtteils diesen bedeutenden Geburtstag in seinem derzeitigen Zustand begehen müsste.

Greve ist kein Bausachverständiger. Das sagt er selber. Er bittet die Stadt aber, jetzt schnell zu handeln. Werde die Fassadensanierung noch länger aufgeschoben, drohten die Schäden und damit auch die Kosten für deren Behebung wahrscheinlich noch größer zu werden.

Der Ortsbeirat 3 tagt am Freitag, 18. Februar, um 19.30 Uhr, Rathaus Römer, Plenarsaal, Römerberg 23.

Clemens Greve von der Frankfurter Bürgerstiftung zeigt, wie der Putz an der Fassade des Holzhausenschlösschens bröckelt.
Clemens Greve von der Frankfurter Bürgerstiftung zeigt, wie der Putz an der Fassade des Holzhausenschlösschens bröckelt. © hamerski

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