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So soll der Neubau aussehen, von der Schwarzburgstraße aus betrachtet. 

Nordend

Nordend: Glauburgbunker noch nicht abreißen

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Ortsbeirat will mehr Zeit, um über Neubauprojekt am Glauburgplatz zu sprechen. Investor ändert Pläne, 35 statt 43 Wohnungen sollen entstehen.

Eins scheint sicher: Dominic Reinemer wird den Glauburgbunker nicht so schnell abreißen, wie er sich das vielleicht erhofft. Der Investor möchte einen Neubau mit 35 Wohnungen errichten. Die Stadt verzichtet auf den Standort als Museum, dafür zahlt Reinemer eine Ablöse von 3,2 Millionen Euro. Das Erdgeschoss der Immobilie soll einer sozialen oder kulturellen Nutzung vorbehalten sein.

Der Ortsbeirat 3 hat der Magistratsvorlage am Donnerstag aber nicht zugestimmt. Die Mehrheit (ohne FDP und CDU) sieht noch Klärungsbedarf. Die Fraktionen haben gar ihre Parteikollegen in der Stadtverordnetenversammlung gebeten, die Beratung zu verschieben. Trotz der Bitte des Oberbürgermeisters, sich zu sputen.

Am Redebedarf hat Baudezernent Jan Schneider (CDU) am Donnerstag wenig ändern können. Ja, die Stadt habe dem ehemaligen Eigentümer ein Kaufangebot für den Bunker unterbreitet, sagt Schneider. Da ist das Tischtuch bereits zerschnitten. Bunkerbesitzer Gerhard Stief habe lieber an einen Investor verkauft.

Eine Unklarheit kann der Stadtrat immerhin beseitigen: Gut zweieinhalb Stunden geistert eine 80 Quadratmeter große Wohnung im Erdgeschoss des Neubaus durch die Debatte. Am Ende des Abends entpuppt sie sich als Irrtum. Das gesamte Parterre wird einer sozialen/kulturellen Nutzung zugute kommen.

Ideen dafür gibt es: Die Betreuung der Schwarzburgschule könnte einziehen, oder die KT4. Auch die Idee, ein Stadtteilzentrum zu schaffen, ist nicht vom Tisch. Entschieden ist noch nichts, versichert Schneider. Die Magistratsvorlage sei lediglich Diskussionsgrundlage für die Stadtverordneten.

Der Ortsbeirat hegt dennoch Bedenken. Für das Erdgeschoss ist die Miete zehn Jahre lang auf zehn Euro den Quadratmeter festgeschrieben. Danach soll eine „normale Mietpreisentwicklung“ möglich sein, wie Schneider sagt. Da schrillen Alarmglocken. Kultur- oder Sozialträger können sich marktübliche Nordendmieten nicht unbedingt leisten. „Nach zehn Jahren ist dann Schluss“, unkt Hans-Joachim Habermann von den Linken.

Schneider versichert, dass auch dann die Nutzungsmöglichkeiten noch vertraglich festgeschrieben sind, nur der Mietzins soll sich ändern können. Das reicht dem Ortsbeirat nicht. Die Stadt soll nachverhandeln. Damit die sozio-kulturelle Nutzung dauerhaft gesichert sei. „Das nehmen wir mit“, sagt Schneider.

Nicht mitnehmen wird er die Forderung von Manfred Zieran (Ökolinx), den Bunker doch lieber zehn Jahre leer stehen zu lassen als gegen die Interessen der Bürger zu entwickeln. Verwundert sei er, sagt Schneider, sonst mahne Zieran stets, die Stadt möge Leerstand beseitigen. Die Auslegung kommt im Publikum nicht gut an, ebenso der Hinweis, es sei doch gut, dass an Stelle des Bunkers 5100 Quadratmeter Wohnraum neu entstünden. Die Leute suchen bezahlbaren Wohnraum, finden zumindest die meisten Leute am Donnerstag.

Markus Radermacher von der Bauaufsicht sagt derweil zu, sein Amt werde streng kontrollieren, dass der Investor die Vorschriften aus dem Immissionsrecht einhalte. Die Bauaufsicht führe bereits Gespräche, wie der Abriss zu optimieren wäre, um die Belastung der Anwohner so gering wie möglich zu halten. „Die bislang zugesagten Schutzvorkehrungen reichen nicht aus.“

Keinen Einfluss werde der Neubau auf den angrenzenden Glauburgplatz haben, sagt Radermacher weiter. Spielplatzlärm gelte nicht als Immission, Bewohner des Neubaus hätten keine Handhabe gegen die Platznutzer. Auch das hätte der Ortsbeirat gerne garantiert.

Infoseitedes Investors im Netz: www.baustelle-lortzingstrasse.de

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