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Immer mehr Wirte beteiligen sich nicht an der Feier – haben aber dennoch ihre Biergärten geöffnet.

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Nordend: Berger Straßen-Fest auf der Kippe

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Veranstalter fordert temporäre Hoheit über die Festmeile – sonst drohe der Party das Aus. Der Ortsbeirat appeliert an Anlieger und Gastronomen, kooperativ zu sein. Trittbrettfahrer gefährden Feier.

Die Chance, dass es auf der unteren Berger Straße im kommenden Jahr wieder ein Straßenfest gibt, ist weiter gesunken. Der Veranstalter, die Interessengemeinschaft untere Berger Straße (IG), hat sich am Freitag mit dem Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) getroffen, um über die Voraussetzungen für die zweitägige Party zu sprechen. Demnach sieht der Zusammenschluss aus Gewerbetreibenden und Gastronomen kaum mehr eine Möglichkeit, die Feier fortzusetzen. „Das Straßenfest steht mehr denn je auf der Kippe“, sagt der Vorsitzende Kaweh Nemati.

Immer weniger Gastronomen an der Einkaufsmeile beteiligten sich an den steigenden Kosten der Feier. Ihre Biergärten haben sie jedoch dennoch während des Fests geöffnet. In diesem Sommer hätten sich 13 Wirte nicht angemeldet, sagt Nemati. Der IG habe dadurch bis zu 20 000 Euro weniger eingenommen. Im kommenden Jahr rechnet er mit noch mehr Lokalen, die aussteigen. Die Interessengemeinschaft fordert deshalb von der Stadt während des Festes die Hoheit über die Straße (die FR berichtete).

Das sei nicht möglich, sagte ASE-Leiterin Michaela Kraft. Die Rechtslage sei eindeutig: „Wir können Gastronomen, die für ihre Sommergärten zahlen, nur aus Gründen der Sicherheit die Genehmigung vorübergehend entziehen.“ Nur wenn die Außengastronomie so viel Fläche in Anspruch nimmt, dass Rettungswege und Entfluchtungsflächen eingeschränkt oder behindert werden, könne die Erlaubnis temporär widerrufen werden, so Kraft. Das sei etwa beim Ironman oder dem Fastnachtsumzug der Fall. Bei Straßenfesten hingegen habe der Veranstalter sein Sicherheitskonzept den örtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Das sieht Nemati anders, der vom Gespräch mit den städtischen Vertretern enttäuscht ist. Seiner Ansicht nach habe die Stadt die Möglichkeit, Wirten vorübergehend die Genehmigung zu entziehen. Schließlich praktiziere die Kommune das selbst so, etwa bei Wochenmärkten, wo Cafés regelmäßig auf ihre Stühle und Tische verzichten müssten, „und das nicht aus Sicherheitsgründen“. Die IG verlange „nichts Außergewöhnliches“, nur eine Gleichbehandlung.

Für Nemati sprechen zahlreiche Punkte dafür, dass der IG für die Zeit des Festes die Hoheit über die Straße erhält. So sorge das Sicherheitspersonal während der Feier dafür, dass es nicht zu laut wird und laufe vor Schluss noch zweimal alle Stände ab. Dennoch beschwerten sich immer wieder Anwohner, da Wirte, die sich nicht beteiligten, sich nicht an die Dezibel-Auflagen hielten. Ähnlich sei es mit dem Glasmüll, für dessen Entsorgung die IG 2019 fast 8000 Euro gezahlt habe. „90 Prozent des Mülls kommt nicht von uns“, ist Nemati überzeugt.

Probleme gebe es auch bei der Vergabe von Ständen. Immer wieder komme es vor, dass Gastronomen einen Tag vor dem Straßenfest ihre Sommergärten vergrößerten und Standplätze verbauten. Sie behaupteten aber, das sei so genehmigt, sagt der IG-Vorsitzende. „Zum Teil mussten wir dann kurzfristig nach einem neuen Platz suchen oder das Geld zurückzahlen.“ Zumindest in dieser Sache möchte das ASE etwas ändern. Mitarbeiter der Behörde sollen bei künftigen Festen kontrollieren, dass die Wirte nicht zu viel Platz in Anspruch nehmen. Zudem soll das Sicherheitskonzept überarbeitet werden.

Nemati hält die Lösung nicht für ausreichend. „Was machen wir, wenn die Gastronomen sich erst nach dem Rundgang ausbreiten?“ Derzeit sieht die IG nur noch die Möglichkeit, die Feier über einen großen Sponsoren zu retten, der die finanzielle Lücke schließt. Sie sei bereits mit mehreren im Gespräch. „Dann wird das Fest aber weiter von seinem ursprünglichen Charakter verlieren.“

Der Ortsbeirat 3 bedauert die Unstimmigkeiten zwischen den Wirten und der IG, teilt Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) mit. Das Gremium hat in seiner September-Sitzung gefordert, dass Neugenehmigungen bei Biergärten am Wochenende des Fests ausgesetzt werden. Damit die Feier weiter stattfinden kann, „sind alle Anlieger, Einzelhändler und Gastronomiebetriebe aufgefordert“, die IG zu unterstützen.

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