Ein eingespieltes Team: Harald Kammer, sein Sohn German und Verkäuferin Nercia Mercan 2012.  
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Ein eingespieltes Team: Harald Kammer, sein Sohn German und Verkäuferin Nercia Mercan 2012.  

Beliebte Bäckerei schließt

Frankfurt-Nordend: Aus für Bäckerei Korn Kammer

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Nach 21 Jahren ist bei dem beliebten Laden in der Rohrbachstraße Schluss. Inhaber Harald Kammer hat keinen Nachfolger gefunden.

  • Korn Kammer in Frankfurt schließt nach 21 Jahren
  • Besitzer Harald Kammer hat keinen Nachfolger gefunden
  • Kunden sehr traurig über Schließung von beliebter Bäckerei

Frankfurt - Natürlich hat sich auch an diesem Morgen eine Schlange vor der kleinen Bäckerei in der Rohrbachstraße gebildet. Und das liegt nicht an Corona, sondern ist fast jeden Tag so. In den Regalen der Korn Kammer liegen noch Croissants, belegte Brötchen, die beliebten Frankfurter Knusperstangen und ein paar Brotlaibe. Das meiste wurde schon verkauft. Bald ist damit nun Schluss. „Am 30. Juni werden wir ein letztes Mal den Ofen für Sie anheizen“, steht auf einem Zettel, der im Fenster hängt.

Die Kunden seien sehr traurig, berichtet die Verkäuferin, „sie wollten sogar schon eine Unterschriftenaktion starten“. Und ein Kunde habe erzählt, dass er sich einen größeren Kühlschrank kaufen wolle, um soviel wie möglich der Backwaren einzufrieren. „Das ist ja ein Drama“, sagt auch ein Mann mit Brötchentüte als er den Zettel liest. Das sei der beste Bäcker hier in der Ecke. Ob sich denn niemand finde, der die Bäckerei weiter führe? Die super Qualität müsste er natürlich beibehalten.

Kornkammer in Frankfurt schließt – Keinen Nachfolger gefunden

Einen Nachfolger gebe es leider nicht, sagt Inhaber Harald Kammer. Sein Sohn, der auch Bäckermeister und bei ihm in die Lehre gegangen ist, will nicht übernehmen. Er habe eine andere feste Stelle. Und immer weniger wollten die beschwerliche Arbeit machen. „Es fällt mir sehr schwer aufzuhören“, sagt der 58-Jährige. Schließlich habe er den Laden 21 Jahre geführt. „Dass die Menschen manchmal 30 Meter anstanden, das war schon einzigartig.“

Viele Kunden kenne er von klein auf. Aber es sei eben auch ein sehr anstrengender Job. Jeden Tag um zwölf Uhr nachts bis morgens um acht steht Kammer in der Backstube hinter dem Laden. Denn in der Korn Kammer wird alles selbst gebacken. Seit ein paar Jahren schon verkauft er nicht mehr am Wochenende, es sei einfach zu viel geworden. „Aber es war eine tolle Zeit und ich habe es mit Herzblut gemacht.“

Harald Kammer eröffnete die Kornkammer in Frankfurt 1999 – schlug direkt ein

Um Geld sei es ihm nie gegangen, sondern eher darum, sich selbst zu verwirklichen. Als er 1999 das Geschäft eröffnete, habe er sich nicht erträumt, dass es so einschlagen und er sogar im Feinschmecker-Magazin landen würde. Die hatten ihn nämlich unter die 500 besten deutschen Bäcker gewählt. „Ich wollte immer nur, dass es gut schmeckt.“ Viel experimentiert hat er außerdem: Brötchen mit Oliven und Tomaten, Wurzel- oder Maisbrötchen gebacken. Letztere habe auch Schriftsteller Jan Seghers in einem seiner Krimis gelobt, sagt Kammer.

Die Qualität schmecke man auch. Das liege an den Zutaten, aber ebenso an den Ruhezeiten, die er einhalte. Slow-Food eben. So habe er heute schon den Teig für morgen hergestellt, der muss 24 Stunden ruhen, sonst erreiche er den Geschmack nicht.

Harald Kammer war in der ganzen Welt unterwegs und brachte Rezepte mit nach Frankfurt

Kammer war auf der ganzen Welt unterwegs, brachte Rezepte und Ideen mit. Und lernte bei Kollegen Arbeitsvorgänge und Menschen kennen. Von seinen fernen Abenteuern zeugen zahllose Fotos, die einen Teil der Wand in dem winzigen Laden bedecken. Der Bäckermeister in der Wüste, mit den Massai, in Marokko, Thailand, Rumänien oder Kasachstan. In dieser Zeit war die Bäckerei dann mitunter einfach drei Wochen zu. Aber die Kunden hätten ihm das nicht übel genommen.

Zu Reisen habe er sich auch für seinen Ruhestand vorgenommen, erzählt Kammer, der im Taunus wohnt. Sein nächstes Ziel soll das Nordkap sein. Und er will mehr Zeit mit seiner Ehefrau verbringen, die habe ihn immer sehr unterstützt und ihm vor allem die Arbeit im Hintergrund vom Hals geschafft.

Die Korn Kammer, Rohrbachstraße 27, hat noch bis 30. Juni, Montag bis Freitag, von 7 bis 14 Uhr geöffnet.

Von Judith Köneke

Doch nicht nur die Bäckerei Korn Kammer in Frankfurt schließt. Auch für eine beliebte Buchhandlung in Bad Homburg ist nach 32 Jahren Schluss. Die Kunden sind entsetzt und traurig über das Ende einer Institution der Stadt. 

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