Ausbildung

Noch viele offene Lehrstellen in Hessen

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Trotz der Corona-Krise haben junge Leute gute Chancen, noch einen Ausbildungsplatz in Hessen zu finden. Viele Betriebe stellen auch jetzt noch ein.

Alles ist deutlich komplizierter als vor einem Jahr. Schülerinnen und Schüler, die sich für eine duale Ausbildung interessieren, haben wegen der Corona-Pandemie keine Praktika mehr machen können. Berufsberater hatten keine Möglichkeit, in die Schulen zu kommen. Bewerberinnen und Bewerber konnten sich diesmal fast nur online informieren. Und die Zahl der Ausbildungsstellen in Hessen ist deutlich gesunken.

Dennoch haben junge Menschen, die jetzt noch einen Ausbildungsplatz suchen, nach Einschätzung von Christian Zacarias durchaus gute Chancen. Allein in Frankfurt gebe es schließlich noch fast 1600 offene Stellen – und das in so gut wie allen Bereichen, sagt der Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Frankfurt im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Gesucht seien zum Beispiel angehende Einzelhandelskaufleute, unter anderem im Lebensmittelhandel, sowie Kaufleute für Büromanagement.

Die vergangenen Monate seien für alle Seiten eine große Herausforderung gewesen, sagt Zacarias. Schon im März habe die Agentur für Arbeit ganz auf Online- und Telefonberatung umstellen müssen. Diese sei aber gut angenommen worden. Auch weil die Agentur für Arbeit zu Beginn der Krise alle jungen Leute, die mit ihr schon in Kontakt standen, angeschrieben und auf die Onlineangebote hingewiesen habe.

Rein rechnerisch sei für jeden Bewerber in Hessen noch eine Ausbildungsstelle vorhanden, heißt es bei der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Viele Betriebe suchten jetzt noch Auszubildende. „Um die Chancen zu erhöhen, ist jedoch regionale und inhaltliche Flexibilität bei der Berufswahl immer noch entscheidend“, heißt es einschränkend.

Speeddating für Azubis

Zahlen zur Ausbildung

36 125 Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz haben sich von Oktober 2019 bis Juli in Hessen bei den Agenturen für Arbeit und Jobcentern gemeldet. Das sind nach Angaben der Regionaldirektion Hessen der Agentur für Arbeit 3061 oder 7,8 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die Zahl der Ausbildungssuchenden könnte noch etwas steigen. Im Juli haben sich laut Agentur für Arbeit noch mehr als 1800 junge Menschen gemeldet, die etwas suchen. Das sind mehr als zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr. 33 268 Ausbildungsstellen haben hessische Betriebe bis Juli gemeldet. Das sind nach Zahlen der Agentur für Arbeit 3143 oder 8,6 Prozent weniger als noch im Juli vergangenen Jahres.

In Frankfurt haben die Unternehmen bis Juli 3581 Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, 383 weniger als vor einem Jahr. Von diesen Stellen waren Ende Juli 1593 noch nicht besetzt, 32 mehr als im Vorjahr. 3544 Bewerberinnen und Bewerber haben sich bei der Agentur für Arbeit Frankfurt gemeldet, 290 weniger als vor einem Jahr. Ende Juli waren 1469 junge Menschen noch auf der Suche nach einer Ausbildung, 9,5 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt betont ebenfalls, es sei noch nicht zu spät, einen Ausbildungsplatz zu finden. Noch gebe es etwa im Bezirk alleine noch 27 freie Ausbildungsstellen für Elektronikerinnen und Elektroniker. Und viele Unternehmen seien gerade in der jetzigen Situation bereit, einen späteren Ausbildungsbeginn zu ermöglichen. Für Bewerberinnen und Bewerber, die auf den letzten Drücker etwas suchen, will die IHK wieder ein Azubi-Speeddating mit Unternehmen anbieten, diesmal aber rein online.

Auch die Handwerkskammer Frankfurt/Rhein-Main hofft, dass noch viele Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Die Krise hat das Angebot an Lehrstellen im Handwerk zwar deutlich vermindert. Handwerkskammer-Präsident Bernd Ehinger spricht von 700 Ausbildungsplätzen weniger als vor einem Jahr im Kammerbezirk. Trotzdem seien noch rund 1200 Lehrstellen frei.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) appelliert an die Unternehmen, trotz der Krise die Ausbildung aufrechtzuerhalten und die dafür vom Bund bereitgestellten Fördermittel zu nutzen. Schon im vergangenen Lehrjahr hätten viele Firmen die Ausbildung zurückgefahren oder ganz eingestellt, sagt der Geschäftsführer der NGG-Region Rhein-Main, Peter-Martin Cox. Nun sei die Zahl der Ausbildungsplätze in Frankfurt im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent gesunken. Doch wer heute auf Azubis verzichte, dem fehlten morgen die Fachkräfte.

Auch der Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertags, Eberhard Flammer, wirbt dringend dafür, die Fördermittel zu nutzen. Er hofft, dass die Prämien besonders kleine und mittlere Unternehmen motivieren, ihr Ausbildungsangebot in vollem Umfang zu erhalten oder zu erhöhen. Ziel müsse sein, dass alle jungen Menschen in Hessen eine Ausbildung beginnen und erfolgreich abschließen können.

Informationen zu Ausbildung und Beratung gibt es bei den Agenturen für Arbeit, www.arbeitsagentur.de/bildung. Ausbildungsplätze im Handwerk sind etwa unter www.lehrstellen-radar.de zu finden. Lehrstellen im Bereich der Industrie- und Handelskammern unter www.ihk-lehrstellenboerse.de.

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