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Da wächst kein Gras mehr. Am Frankfurter Mainufer zeigen sich die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit besonders deutlich.

Hitzesommer in Frankfurt

"Es ist noch nicht vorbei"

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Heike Appel vom Frankfurter Grünflächenamt spricht im FR-Interview über Hitze, Trockenheit und die Folgen, auch für Radwege.

Frau Appel, mögen Sie heißes Sommerwetter?
Nein, ich bin ein nordischer Typ. Ich liebe Island zum Beispiel.

Dann war der Sommer 2018 für Sie ja nichts. Und für die Frankfurter Grünflächen?
Die haben stark gelitten. Ich kann mich nicht an Zeiten erinnern, in denen wir so lang auf Regen gewartet haben wie in diesem Jahr.

Wie hat es die Stadtnatur überstanden?
Es ist ja noch nicht vorbei. Wir haben vorige Woche lang diskutiert, ob wir tatsächlich das Grillverbot aufheben sollen …

… Ergebnis: ja.
Die Leute sagen: Es regnet doch. Aber es ist immer noch so trocken, dass die ersten Regenfälle kaum etwas gebracht haben. Das Wasser ist kaum eingedrungen, weil darunter alles verdichtet ist. Gras wächst nach, aber am Mainufer müssen wir abwarten, weil es diesen Nutzungsdruck hat. Es kann sein, dass das Säen dort nicht reicht, dass wir dort mit Rollrasen arbeiten müssen.

Das Mainufer ist teilweise nur noch braune Erde. Wie gehen Sie mit so einer Fläche um?
Ohne den Freizeitdruck wäre der Boden nicht so verdichtet. Dann käme das Gras von unten wieder heraus. Im Niddapark würden wie nie auf die Idee kommen nachzusäen, weil das von allein wieder wächst. Das Problem am Main ist, dass der Boden festgetreten ist. Dort müssen wir auf jeden Fall was machen.

Im Sommer mehr wässern beispielsweise?
Zum Teil haben wir dort eine Beregnungsanlage mit Wasser aus dem Fluss, das ist ökologisch einwandfrei. In den Parkanlagen müssten wir es über Brunnenbohrungen machen, aber da haben wir ein ganz anderes Problem.

Welches?
Viele der Tiefbrunnen, die wir gebohrt haben – in der Obermainanlage zum Beispiel – fördern schwefelhaltiges Wasser zutage. Verrückterweise ist das chemisch nicht nachweisbar, aber man riecht es. Das können wir der Bevölkerung nicht zumuten. Darum haben wir in den Parkanlagen keine Bewässerung mit Ausnahme des Hafenparks. Wir wollen perspektivisch das ganze Flussufer beidseits mit Mainwasser-Beregnungsanlagen ausstatten.

Und kurzfristig? Rollrasen?
Erst einmal noch nicht. Das kostet ziemlich viel Geld, das ist sozusagen Worst Case. Wenn wir das Gras durch Aussaat nicht wieder hochbekommen, müssen wir uns für 2020 etwas überlegen.

Wie viel kostet ein Quadratmeter Saat im Vergleich zu Rollrasen?
Ganz grob: Saat zehn Euro, Rollrasen 30 Euro. Das ist schon ein großer Unterschied.

Wie steht es um die Bäume, wie stark haben sie gelitten?
Die Bäume zeigen jetzt schon Wirkung, und wir befürchten, dass sich die schweren Folgen erst noch bemerkbar machen.

Sogar grüne Äste brachen ab – ist diese Gefahr gebannt?
Das ist eine Selbsthilfe der Bäume. Sie reduzieren Masse und Verdunstungsoberfläche, wenn es so heiß und trocken ist. Das geht vorbei, wenn Regen fällt, das ist ein Hitzephänomen.

Vom Stadtforst heißt es, einen harten Sommer übersteht der Wald – es kommt auf die nächsten Jahre an, ob er sich erholt. Werden die Bäume in der Stadt langfristig zu leiden haben?
Das werden sie. Wir haben bereits Baumarten identifiziert, die der Hitze in Frankfurt nicht mehr standhalten. Von der Robinie und vom Ahorn müssen wir uns verabschieden. Das ist eine bittere Angelegenheit. Man muss jetzt gucken: Was bleiben noch für Baumarten? Für die Straßenzüge: wenig.

Welche kommen infrage?
Sie müssen Hitze ebenso vertragen wie Spätfröste im Frühjahr. Rund um den Globus betrachtet, wären das zum Beispiel Amberbaum und Ginkgo. Rotahorn aus dem amerikanischen Raum. Hopfenbuche, Zürgelbaum, auch Sorten aus Asien – als ich noch studiert habe, waren das Exoten. Jetzt sind sie die Hoffnung für uns. Wir haben auch hier in der Straße beim Grünflächenamt ein paar Exemplare dieser Typen gepflanzt, die wir beobachten.

Lässt sich für die gebeutelten Bäume etwas tun? Können Sie denen, laienhaft gefragt, über den Winter beim Erholen helfen?
Wir haben angefangen, mit Bewässerungssäcken zu arbeiten, diesen grünen Häubchen um die Stämme herum. Das ist aber nur sinnvoll für junge Pflanzungen. Früher wurden nur bis zu zweijährige Bäume gewässert. Mittlerweile wässern wir fünf Jahre – aber wir merken, dass selbst diese Bäume nach fünf Jahren immer noch nicht startklar sind. Bäume, die schon eine gewisse Zeit stehen, müssten eigentlich allein klarkommen. Dann können wir nicht mehr viel helfen.

Also aufs Wetter hoffen?
Entscheidend ist: Wie wird der Winter? Wird er niederschlagsreich, so dass die Bäume im Frühjahr mit einer guten Wasserversorgung starten können, dann hilft ihnen das mehr, als wir je für sie tun könnten. Wenn wir jetzt noch einen trockenen Winter kriegen, werden wir weitere Bäume verlieren. In einigen Jahren werden wir sehen, dass die Bäume für 2018 einen sehr dünnen Jahresring haben, weil es in diesem Jahr wenig Zuwachs gab. Schwache Exemplare werden im Frühjahr nicht mehr austreiben.

Das heißt: Der Mensch kann kurzfristig nicht eingreifen?
Ja. Wir müssen bei Neupflanzungen zusehen, dass wir Bäume auswählen, die dauerhaft überleben können. Bäume sind das Gut, das wir an die nächsten Generationen weitergeben.

Können Sie beziffern, wie viel mehr Gießwasser Sie 2018 verbraucht haben?
Noch nicht. Aber sicher deutlich mehr, sowohl in der Eigenleistung, als auch bei den Firmen, die wir zusätzlich beauftragen mussten. Und wir hatten ja die Freiwilligen Feuerwehren in diesem Jahr erstmals mit im Boot. 50 Prozent zusätzlich, das ist realistisch, vielleicht sogar noch mehr.

Was auffällt: der Zustand der Wege. Sogenannte wassergebundene Oberflächen, die sandigen Wege, sind zerklüftet – Radfahrer müssen Stürze fürchten, etwa an der Nidda oder im Grüneburgpark. Folge der Trockenheit?
Wassergebundene Wege müssen regelmäßig überarbeitet werden, alle zwei Jahre. Das ist mit Sicherheit ein Pflegerückstand. Und wenn es nach langer Trockenheit auf die Wege regnet, gibt das eine Schmierschicht. Fährt dann ein Fahrrad darüber, hat man die Rillen drin.

Im Grüneburgpark kommt hinzu, dass gepflasterte Wasserrinnen quer über die Wege verlaufen – ein Hindernis für Radler.
Die ersten Rinnen, die wir gebaut haben, sind tatsächlich sehr stark ausgemuldet. Im letzten Bauabschnitt haben wir sie deshalb so abgerundet, dass sogar die härtesten Kritiker zufrieden sind.

Einspruch: nicht alle …
Aber wir brauchen diese Rinnen, diese Querschläge, um das Wasser abzuführen, denn wenn es bei starkem Regen erst einmal über die Wege fließt, sind die Ausschwemmungen in der wassergebundenen Decke immens.

Wie entscheiden Sie, wo welche Wegedecke verwendet wird, fest oder sandig?
Wir versuchen, den Radfahrern entgegenzukommen, indem wir möglichst viel mit hellem Asphalt machen. Die festen Decken sind aber teurer, das können wir uns nur in Teilabschnitten leisten.

Wenn die Sandwege aber so wartungsaufwendig sind – lohnen die sich dann überhaupt?
Das Revisionsamt ist gerade dabei, das zu berechnen. Von der Unterhaltung her würden wir uns in der Tat überall feste Wegedecken wünschen.

Apropos Geld. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig hatte bereits angemahnt, die Politik müsse mehr Mittel fürs Grünflächenmanagement bewilligen.
Der Appell steht. Wir kommen mit unserem Budget nach wie vor nicht aus.

Wofür brauchen Sie mehr Geld?
Etwa für Instandhaltung. Wenn wir kein Geld haben, können wir eben Wege nicht sanieren, Sträucher nicht zurückschneiden – dann macht man nur das Notwendigste. Wir müssen Bäume kontrollieren und schneiden, wir müssen Spielgeräte kontrollieren. Wenn sie nicht mehr sicher sind oder wenn eine Parkbank marode ist, müssen wir auch mal sagen: Das können wir nicht ersetzen, dafür fehlen die Mittel.

Wo soll das Geld herkommen? Von Sponsoren?
Stiftungen sind interessant. Es gibt in Frankfurt viel Geld, und es gibt viele Stiftungen, die sich mit Kultur beschäftigen. Es gibt aber kaum eine Stiftung, die sich mit dem Thema Grün beschäftigt. Köln hat so eine Stiftung, die ist sehr erfolgreich. Das ist in Frankfurt noch unterentwickelt.

Und was wünschen Sie sich wettermäßig bis zum Frühjahr?
Einen Tag Landregen, einen Tag Sonnenschein. (lacht) Für die Grundwasserbildung wäre ein feuchter Winter jedenfalls gut.

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