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Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah: „Ich wollte das Narrativ nicht mit historischem Kontext überladen“

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Von: Ramona Wessmann

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Abdulrazak Gurnah (M.) erhielt 2021 den Literaturnobelpreis.
Abdulrazak Gurnah (M.) erhielt 2021 den Literaturnobelpreis. © Renate Hoyer

Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah stellt sein Buch „Nachleben“ in Frankfurt vor. „Nachleben“ spielt in Tansania unter deutscher Kolonialherrschaft. Die Handlung erzählt jedoch weniger um die grausame Herrschaft der Deutschen, sondern hauptsächlich um das Leben der Charaktere in dem kleinen tansanischen Küstenort.

Als Abdulrazak Gurnah den Anruf für die Auszeichnung als Literaturnobelpreisträger 2021 erhielt, dachte er zunächst, es handele sich um einen Scherz. Dies erzählt er bei der Vorstellung seines Buchs „Nachleben“ am Samstag. Viele Zeitungen hatten schon lange vorher angefangen, Auswahllisten für den Preis zu erstellen. Sein Buch sei nie auf diesen Listen aufgetaucht, berichtet Gurnah.

Der Autor kommt ursprünglich aus dem heutigen Tansania, lebt und arbeitet aber seit den 70er Jahren in Großbritannien. Seine Heimat habe er nie ganz zurückgelassen. „Sein Zuhause verliert man nie, bestimmte Orte lassen einen nie los“, bekräftigt er.

„Nachleben“ spielt in Tansania unter deutscher Kolonialherrschaft. Bemerkenswerterweise dreht sich die Handlung jedoch weniger um die grausame Herrschaft der Deutschen, sondern hauptsächlich um das Leben der Charaktere in dem kleinen tansanischen Küstenort.

Gurnahs deutsche Übersetzerin, Eva Bonné, findet, dass die Kolonialverbrechen im Buch so zahlreich seien, dass sie für mehrere Romane reichen würden. „Ich wollte das Narrativ nicht mit historischem Kontext überladen“, sagt Gurnah dazu. Es sollte eher ein Hintergrundrauschen sein und den Fokus auf die Menschen legen, die trotz dieser schrecklichen Umstände ihr Leben führten.

Es gibt sogar eine gewisse Ambivalenz in Hinblick auf die Kolonialherrschaft. In einer Situation hagelt es Peitschenhiebe, in der anderen verteilen die Deutschen Bücher von Heine und Schiller.

Doch trotz des Kontexts der Kolonialisierung handelt das Buch vor allem von den Menschen. Die Handlung spielt fernab von der Unterdrückung. Gurnah zeigt ein unabhängiges, multikulturelles Afrika. (Von Ramona Wessmann)

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