1. Startseite
  2. Frankfurt

Nilgänse als Freibad-Plage in Frankfurt

Erstellt:

Von: Oliver Teutsch

Kommentare

Eine Nilgans-Familie im Eschersheimer Strandbad, ganz ohne Scheu. Foto: Privat
Eine Nilgans-Familie im Eschersheimer Strandbad, ganz ohne Scheu. Foto: Privat © Privat

Nilgänse sind in den Frankfurter Bädern mittlerweile ein gängiger Anblick. Badegäste ekeln sich vor dem Kot, dem Personal machen die Tiere zusätzliche Arbeit.

Die Frankfurter Freibäder haben momentan mehr Badegäste als ihnen lieb ist. Denn zu den vielen Tausend Menschen, die sich in den Schwimmbecken erfrischen, kommen derzeit auch immer wieder Nilgänse. „Wir haben schon viele Beschwerden deswegen“, verrät Bäderchef Boris Zielinski. Während sich die Badegäste vor dem Kot der Tiere ekeln, bedeute es für das Personal „eine enorme Zusatzbelastung“, so Zielinski. Denn der Kot werde mehrmals am Tag entfernt.

Nilgänse als ungebetene Badegäste sind in Frankfurt nicht neu. Im Rödelheimer Brentanobad war die Problematik 2017 derart groß, dass die Untere Jagdbehörde die Tiere dort zum Abschuss freigab. Danach mieden die Tiere das Bad. Doch die abschreckende Wirkung ist mittlerweile offensichtlich verpufft. „Die Tiere sind grundsätzlich weniger scheu geworden“, glaubt Zielinski. Dies könnte auch die Ursache dafür sein, dass die Gänse sich mittlerweile selbst zu stark besuchten Zeiten kaum von den Menschen stören lassen. Zudem hat sich die Problematik auch auf andere Bäder ausgeweitet. „Wir haben derzeit auch eine Familie in Eschersheim“, so Zielinski.

Eben jene Gansfamilie hatte am vergangenen Sonntag ein FR-Leser beim Baden im Becken beobachtet. „Zu unserer unangenehmen Überraschung beobachteten wir eine Gruppe von zwei ausgewachsenen Nilgänsen mit sechs Küken, die in aller Ruhe über die Liegewiesen spazierte und sich gelegentlich im Schwimmerbecken erfrischte“, schrieb der FR-Leser an die Redaktion und regte an, die Tiere nach Badeschluss „umgehend zu eliminieren“, da sie möglicherweise auch noch unbekannte Krankheitserreger übertragen könnten.

Doch ganz so einfach ist es laut Gesetzeslage nicht. Offizielle Jagdzeit für Gänse ist jährlich vom 1. September bis zum 15. Januar. In der Tat sind in der vergangenen Jagdsaison 125 Gänse auf Frankfurter Gemarkung erschossen worden: 79 Nilgänse, 37 Kanadagänse und neun Graugänse. In ausgewiesenen Jagdrevieren braucht es dafür keine Genehmigung, nur dort, wo normalerweise nicht gejagt wird, wie etwa in Freibädern. Der Beschuss sei in solchen Zonen auch nur „die ultima ratio“, so Michael Jenisch vom Ordnungsamt Frankfurt, bei dem die Untere Jagdbehörde angesiedelt ist. Zuvor müssten andere Formen der Vergrämung nachgewiesen werden, und dass diese dort nicht funktioniert hätten.

Allerdings scheint es die Gänse-Problematik in Frankfurt auch nur partiell zu geben. Denn während Bäderchef Zielinski berichtet, dass an der Nidda rund um die Freibäder derzeit „alles voll von Gänsen“ sei, liegen dem Ordnungsamt nur „marginale Beschwerden“ über Nilgänse vor, so Jenisch. Dass die Tiere ihre Scheu verloren hätten, könne hingegen sein. „Sie haben keine natürlichen Feinde in Frankfurt.“ Aber es gebe keine Schätzungen, ob die Population in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Auch das Frankfurter Umweltamt sieht „kein fachliches Erfordernis“ für eine Zählung der Gänse. Dies wäre nur der Fall, falls sich in Frankfurt eine neue invasive Art etablieren würde.

Eine Zählung von Gänsen in Frankfurt hatte es zuletzt 2018 im Ostpark gegeben. Dort hatten die Beschwerden über die Tiere und deren Kot derart zugenommen, dass Zäune aufgestellt wurden, um ihnen die Sichtachse zwischen Weiher und den Wiesen zu nehmen, auf denen sie äsen. Um die Wirksamkeit der Maßnahme zu überprüfen, waren die Gänse gezählt worden. Doch eine derartige Vergrämung mache in den Freibädern keinen Sinn, sagt Zielinski. „Das Abgrenzen mit einem Zaun geht nicht, damit nehme ich den Gästen den Platz weg.“ Es sieht so aus, als müssten sich Badegäste und Personal weiterhin mit den Tieren arrangieren.

Auch interessant

Kommentare