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Der Nikolaus weiß nicht, wohin

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Von: Sonja Thelen

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In der Siedlung Westhausen gibt es viel Grün, aber keinen Bürgertreff.
In der Siedlung Westhausen gibt es viel Grün, aber keinen Bürgertreff. © Rolf Oeser

Früher endete der Umzug am 6. Dezember im Bürgertreff – den gibt es nicht mehr. Eine Alternative ebenfalls nicht.

Roland Sautner ist die Enttäuschung anzumerken. Eben hat er die Absage von der Französischen Schule Victor Hugo erhalten. Der Sprecher des Kulturkreises Westhausen hatte dort angefragt, ob der traditionelle Nikolausumzug durch die Siedlung am 6. Dezember dort enden könnte. Auch, ob die Schule einen Saal für die rund 80 Teilnehmer, Kinder und Erwachsene, zur Verfügung stellen könnte, damit der Umzug bei Punsch, Glühwein und Weckmännern ausklingen kann.

Doch: Die für solche Zwecke in der Französischen Schule vorgesehene Sporthalle ist an dem Tag bereits von einem Sportverein belegt. Jetzt weiß Roland Sautner nicht, wo der Nikolausumzug enden soll.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es die Tradition, einen Umzug durch die Siedlung zu schicken. Kinder begleiten den Nikolaus, am Ende gibt es ein kleines Abschlussfest mit kulturellem Beitrag, berichtet der Sprecher. Früher kamen die Teilnehmer im Bürgertreff an der Kollwitzstraße zusammen. Nach der Schließung vor zehn Jahren konnte der Kulturkreis in das evangelische Gemeindehaus, ebenfalls an der Kollwitzstraße, ausweichen und dorthin regelmäßig zu Kindertheater, Vorträge und anderen Veranstaltungen einladen.

Nachdem die evangelische Kirchengemeinde Hausen ein neues Gemeindezentrum in Alt-Hausen gebaut hat, das Anfang September geweiht wurde, hat die Evangelische Kirche Frankfurt aus Kostengründen das Gemeindezentrum in der Kollwitzstraße aufgegeben. Somit fällt für den Kulturkreis auch der letzte Veranstaltungsort weg, bedauert Sautner.

Allerdings möchte der Evangelische Regionalverband als Eigentümer des Gebäudes auch künftig an der Stelle „eine Nutzung für soziale Zwecke“ ermöglichen und ist mit mehreren Interessenten im Gespräch, sagt Pressesprecher Ralf Bräuer.

Roland Sautner hofft, dass sich hier etwas für die Siedlung bewegt: „Das Gemeinwohl ist in den vergangenen Jahren immer mehr auf der Strecke geblieben.“ Damit es einen Ort der Identifikation und der Begegnung gibt, favorisiert der Kulturkreis-Sprecher eine Anregung, die im Sommer Ergebnis einer Ideenwerkstatt mit Vertretern von SPD, Arbeiterwohlfahrt und des Vereins SAZ-Rock war. „Die Stadt kauft das Grundstück und realisiert hier ein genossenschaftliches Wohnprojekt. Zugleich werden Räume für einen Bürgertreff eingerichtet. So haben alle etwas davon“, sagt Roland Sautner.

Der Nikolausumzug Westhausen startet am Mittwoch, 6. Dezember, um 16 Uhr. Sobald man die Klingel des Nikolaus hört, gesellt man sich zu dem Umzug, der sich durch die ganze Siedlung ziehen wird.

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