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So sieht sie aus, die neue Müllerin von Ursella: Karin Kuhn.

Niederursel

Traditionen sind ihr wichtig

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Karin Kuhn, die neue Müllerin von Ursella, ist Niederurselerin in der vierten Generation. Sie freut sich auf ihr Ehrenamt während der Kerb.

Schon ihre Urgroßmutter und Großmutter lebten in Niederursel. Dass Karin Kuhn sich in dem dörflich-charmanten Stadtteil im Frankfurter Nordwesten verwurzelt fühlt, verwundert also nicht. Geboren ist sie zwar in Kalbach, schnell zog es die Familie aber zurück in die Heimat – umgeben von Fachwerkhäusern nahe des Urselbachs. Und in diesem Jahr macht Kuhn es amtlich: Während der Kerb im August gibt sie die Müllerin von Ursella.

„Traditionen sollte man aufrecht erhalten“, findet die 36-Jährige. „Das macht Frankfurt aus: die vielen Vororte, die mit ihren Bräuchen eingemeindet wurden.“ Und das möchte sie unterstützen. Zumal sie neben dem familiären Hintergrund über das Vereinsleben mit ihrem Stadtteil verbandelt ist.

Sie ist Mitglied im Turn- und Bürgerverein Niederursel. Letzterer ist auch für die Ernennung der Müllerin zuständig. Um das Ehrenamt hat sich Kuhn allerdings nicht beworben. Eine befreundete Mutter schlug sie vor. „Als mein Kind noch kleiner war, leitete ich die Krabbelgruppe“, erläutert sie. „Darüber sind viele Freundschaften entstanden.“

Die inzwischen siebenjährige Tochter ist auf dem besten Wege, die Familientradition in der fünften Generation fortzuführen. Auch sie tanzt im Niederurseler Turnverein, besucht die örtliche Minifeuerwehr – und ist mächtig stolz auf ihre Mama. „Sie hat sich schon eine Schärpe mit dem Titel ,Tochter der Müllerin‘ gewünscht“, erzählt Kuhn gerührt.

Als Uwe Stein, Vorsitzender des Bürgervereins, sie im Dezember anrief, um sie für das Ehrenamt zu gewinnen, „freute ich mich riesig. Mein Herz klopfte wie verrückt“, erinnert sich die neue Müllerin und lacht herzlich. „In meiner Jugend wäre ich für sowas zu schüchtern gewesen“, verrät sie. „Heute mache ich das gern.“

Das ganze Kerbe-Wochenende über wird sie im Trachtenkleid den Stadtteil repräsentieren. Sie wird das erste Bierfass anstechen, während des Festzugs Rosen an die Zuschauer verteilen und mit den Besuchern feiern.

Es sind aber nicht nur die Menschen, die Verwandten und Freunde, die sie an Niederursel binden. „Der alte Ortskern, die verwinkelten Kopfsteingassen, die nahen Felder mit Pferden – auch das schätze ich.“ Im Sommer sei es wie im Urlaub. „Wenn man dem Bachfluss folgt, sich ins Grüne setzt und dem Wasserplätschern lauscht – romantisch.“

Früher war Niederursel als das Mühlendorf bekannt. „Über 30 gab es hier“, weiß Kuhn. Sechs gibt es noch, umgebaut zu Wohn- oder Gewerberaum. „Dass es also eine Müllerin ist, die den Stadtteil vertritt, passt“, meint die sympathische Niederurselerin. Voller Vorfreude blickt sie auf die Kerb. „Wenn das Gerätehaus der Feuerwehr und die umliegenden Straßen voller Menschen sind, das traditionelle Traktorziehen stattfindet, mitten auf der Kreuzung ein Karussell steht, der urige Flohmarkt lockt und sich alle einbringen“, schwärmt sie, „das ist schon schön.“ Die Niederurseler seien ohnehin engagiert. „Hier ist einfach immer was los.“

In Vorbereitung auf die Kerb will sich Karin Kuhn bald mit ihrer Vorgängerin Yasmin Fröhlich zusammensetzen. „Wir sind befreundet. Sie weist mich gerne persönlich ein.“ Auch um Kleiderfragen wird es gehen. „Ein Dirndl muss ich mir noch aussuchen“, sagt Kuhn. Zeit bleibt ihr genug. Erst am letzten Augustwochenende wird sie offiziell in Fröhlichs Fußstapfen treten. 2020 ist wieder eine neue Müllerin an der Reihe. Man darf gespannt sein, wen der Bürgerverein als Nächstes auswählt.

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