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Karin Kuhn (l.) und die neue Müllerin Nele Gerber mit ihrem Vater Michael Gerber, der zugleich auch die Schirmherrschaft der Niederurseler Kerb übernommen hat.
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Karin Kuhn (l.) und die neue Müllerin Nele Gerber mit ihrem Vater Michael Gerber, der zugleich auch die Schirmherrschaft der Niederurseler Kerb übernommen hat.

Niederursel

Schon die Mutter war Müllerin

  • VonBrigitte Degelmann
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Nele Gerber ist die neue Müllerin von Ursella, die bei der Niederurseler Kerb den Bürgerverein präsentieren darf. Für die 26-Jährige hat sich ein Traum erfüllt.

Einmal Prinzessin sein – diesen Wunsch hegen viele Mädchen. In Niederursel sei das ein bisschen anders, verrät Nele Gerber (26) und lacht: „Bei uns träumt man davon, Müllerin zu sein.“ Genauer: die Müllerin von Ursella, die bei der Niederurseler Kerb den Bürgerverein repräsentieren darf. Diesen Traum hat sich die junge Frau jetzt erfüllt. Am Wochenende übernahm sie diesen Posten offiziell von ihrer Vorgängerin Karin Kuhn.

Deren Amtszeit war durchaus ungewöhnlich. Normalerweise üben die Müllerinnen ihre Funktion nämlich nur ein Jahr lang aus. Bei Karin Kuhn hingegen waren es wegen der Corona-Pandemie mehr als zwei Jahre. Wobei sie deutlich weniger Termine wahrnahm als ihre Vorgängerinnen, schließlich fand in den vergangenen eineinhalb Jahren praktisch nichts statt. Sehr zu ihrem Bedauern übrigens. Denn, sagt Karin Kuhn, „das Amt hat mir sehr viel Freude gemacht“.

Noch eine Besonderheit: Während ihrer langen Müllerinnen-Zeit wurde sie schwanger, Tochter Josefine ist inzwischen neun Monate alt. Um Nachwuchs für den Posten der Niederurseler Symbolfigur müsse man sich angesichts dieser Tatsache wohl keine Sorgen machen, ergänzt Bürgervereinsvorsitzender Uwe Stein und schmunzelt.

Auch Nele Gerber ist übrigens Tochter einer ehemaligen Müllerin: Mutter Maren Gerber übte das Amt 2010 aus. Schon damals war die 26-Jährige hautnah am Geschehen. Beim Festzug zur Kerb, bei dem die Müllerin traditionsgemäß auf einem mit Birkenzweigen geschmückten Wagen chauffiert wird, durften sie und ihre jüngere Schwester Lea ebenfalls mitfahren und dabei Rosen an die Zuschauer verteilen. Bei der Kerb 2022 darf sie nun selbst in die Hauptrolle schlüpfen und unter anderem den Bieranstich vornehmen. Eine Aufgabe, der sie gelassen entgegensieht: „So lange ich mir dabei nicht auf die Finger haue und niemandem eine Bierdusche verpasse, ist alles gut.“

Ein Problem hat sie in den vergangenen Monaten immerhin schon gelöst: die Kleidungsfrage. Normalerweise tritt die Müllerin von Ursella im Dirndl auf. Eine passende Tracht zu finden, sei allerdings gar nicht so einfach gewesen, verrät Nele Gerber. Schließlich ist sie zierlicher als viele andere Frauen. Zehn Dirndl mussten bestellt werden, bis endlich eines passte. Das – ein Exemplar mit blauem Oberteil und weißer, mit Hirschen verzierter Schürze – trägt sie nun bei offiziellen Anlässen. Ein Anblick, der auch Mutter Maren Gerber mit Stolz erfüllt: „Ich finde es schön, dass sie das macht. Das ist eine schöne Tradition.“

Nach den Vorgaben des Bürgervereins soll die Müllerin von Ursella aus Niederursel stammen, wobei hier auch die Nordweststadt und das Mertonviertel eingerechnet werden. Letzteres ist Nele Gerbers Heimat – hier ist sie geboren und aufgewachsen. Was jedoch nicht heißt, dass sie immer dort bleiben werde, sagt sie. Trotz der Verbundenheit mit dem Viertel könne sie sich durchaus vorstellen, auch woanders zu leben. Inzwischen studiert sie International Business Administration an der Frankfurt University of Applied Sciences und hat bereits ein Auslandsjahr in der koreanischen Hauptstadt Seoul absolviert.

Schon in ihrer Kindheit habe sie Asien fasziniert, erzählt sie. Seit acht Jahren lernt sie Koreanisch, zwischendurch versuchte sie es drei Jahre mit Japanisch, jetzt hat sie mit Chinesisch begonnen. Auch mit Blick auf ihr späteres Berufsleben. Da könne die Kenntnis asiatischer Sprachen von Vorteil sein, um sich von anderen abzuheben, hofft sie.

Doch jetzt kommt erst einmal ihr Müllerinnen-Jahr für den Bürgerverein. Dort ist man froh darüber, dass die Tradition weitergeführt wird und dass die Aussichten, 2022 nach zwei Jahren Pause wieder eine Kerb durchführen zu können, gar nicht so schlecht sind.

Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen habe man die Corona-Zeit ganz gut bewältigt, resümiert Uwe Stein. Vor allem deshalb, weil die rund 250 Mitglieder der Gemeinschaft die Treue hielten und weiter ihre Beiträge zahlten – trotz des Pandemie-bedingten Verzichts auf Veranstaltungen. „Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir da finanziell nicht in große Löcher gefallen sind“, sagt der Vorsitzende.

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