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Im Kleinen Zentrum in der Thomas-Mann-Straße wächst mehr Grün.
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Im Kleinen Zentrum in der Thomas-Mann-Straße wächst mehr Grün.

Niederursel

Mehr Leben im Kleinen Zentrum

  • VonPia Henderkes-Loeckle
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In das Einkaufscenter Kleines Zentrum in der Thomas-Mann-Straße in Niederursel sind neue Gastronomien eingezogen. Das wirkt sich positiv auf das Umfeld aus.

Sauber, aufgeräumt, viel mehr Grün im Innenhof, mehr Leben: das Kleine Zentrum in der Thomas-Mann-Straße in Niederursel hat sich zum Positiven entwickelt. Für die benachbarten Mieterinnen und Mieter in dem ehemaligen Einkaufszentrum ist dies vor allem dem Engagement von neuen Gastronomen zu verdanken, die in Eigeninitiative mit begrünten Außenbereichen einen idyllischen Innenhof zum Verweilen geschaffen haben.

Aber auch das neu gebaute Wohn- und Geschäftshaus mit einer Netto-Filiale in der Thomas-Mann-Straße 6 und der mit Kunst aufgewertete benachbarte Kirchplatz der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde tragen zu einem freundlicheren Bild bei.

Im Einkaufscenter gibt es viel weniger Leerstand.

Das Kleine Zentrum wurde 1964 als Einkaufszentrum zur Nahversorgung der Bewohnerinnen und Bewohner in Niederursel errichtet. „Bereits in den 80er Jahren haben viele Geschäftsinhaber aufgrund der Konkurrenz von Nordwestzentrum und Discountern aufgegeben“, erzählt Ludolf Müller, der seit 1964 in der Nachbarschaft lebt. Jahrelang war die Berichterstattung über das Kleine Zentrum negativ konnotiert: Leerstände, trostloser Innenhof, Vermüllung, Kleinkriminalität, Vandalismus. Zweimal stand die Immobilie zur Versteigerung, was potenzielle Mieterinnen und Mieter abgeschreckt hat. Inzwischen haben sich neben der Apotheke, dem Zeitschriftenladen und dem marokkanischen Lebensmittelhändler vorrangig soziale und kulturellen Einrichtungen sowie Gastronomiebetriebe angesiedelt.

„Die aktuelle Zusammensetzung ist nicht schlecht“, bestätigt Jan Gossmann, Vorsitzender des Vereins Brücke 71. Als sich der Verein wegen der katastrophalen Zustände 2005 gründete, stand die Idee einer sozialen und vielfältigen kommerziellen Nutzung im Fokus. „Wir wollten, dass die Leute beim Einkaufen miteinander in Kontakt kommen“, sagt Gossmann.

Kleine Chronik

1964 wird das Kleine Zentrum als Einkaufscenter für die Nahversorgung der Bewohnerinnen und Bewohner in Niederursel errichtet. Seit den 80er Jahren stehen immer wieder Läden leer, wechseln häufig die Mieter:innen. Ab 2001 steht das Zentrum unter Zwangsverwaltung, von mehr als 30 Ladengeschäften stehen drei Viertel leer.

2005 gründet sich der Verein Brücke 71, um ein tragbares Konzept zur Wiederbelebung des Kleinen Zentrums zu entwickeln. 2006 ersteigert der Frankfurter Immobilienhändler Dieter Dauth für 1,7 Millionen Euro das Anwesen. Zwischen 2008 und 2015 ziehen immer mehr soziale Einrichtungen in die leerstehenden Räume.

2011 wird vom Stadtplanungsamt ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, der eine Gewerbe-und Wohnnutzung favorisiert. 2014 wird das alte Gebäude in der Thomas-Mann-Straße 6 abgerissen. Ein Privatinvestor baut ein Wohn- und Geschäftshaus mit einem neuen Nettomarkt und 52 Wohnungen. Zwischen 2011 und 2016 steht das Zentrum erneut zur Zwangsversteigerung.

Aktuell gibt es im Kleinen Zentrum sieben soziale Einrichtungen, eine Apotheke, ein Frisör, eine Änderungsschneiderei, ein Versicherungsbüro, einen Lebensmittelladen und Gastronomiebetriebe. phl

„Als es die Post hier noch gab, war viel Publikumsverkehr“, erinnert er sich. Allein fünf Bäckereien hätten in den vergangenen zwanzig Jahren dort auf- und wieder zugemacht. Auch ein vom Verein initiierter Wochenmarkt musste nach knapp drei Jahren wieder aufgeben.

„Inzwischen kommen am Nachmittag oder an den Wochenenden wieder Familien hierher“, sagt Zamira Benjelloun, Leiterin des Familien- und Kinderzentrums Al Karama, erfreut.

Willkommen: Abu Shehab führt die Pizzeria Da Amo in der Thomas-Mann-Str. 6b.

Das kann Daniel Petkovic vom Burgerladen „2friends“ nur bestätigen. „Oh, ist das jetzt schön, ich war schon lange nicht mehr hier“, höre er immer wieder von Kundinnen und Kunden. Petkovic leitet seit einem Jahr den Burgerladen und wurde im Vorfeld vor den Zuständen im Kleinen Zentrum gewarnt. „Ich habe hier nicht einmal Randale, Ärger oder Vandalismus erlebt“, sagt er. Die Nachbarschaft funktioniere sehr gut. Mal räumen die Gastronomen auf oder leeren überfüllte Müllkörbe, mal kehre ein Mitglied der Moschee den Gehweg.

In Sam’s Thai Halal sind am frühen Abend bereits alle Tische im Innenbereich belegt. Faouzi Rached hat sein Restaurant erst im Mai diesen Jahres eröffnet, ist aber durch die Berichterstattung in „Frankfurt geht aus“ bereits über die Nordweststadt hinaus bekannt. „Ich bin in der Nordweststadt aufgewachsen und liebe das Viertel“, bekennt er. Und sprudelt vor Ideen, wie das Kleine Zentrum noch schöner und familiärer gestaltet werden könne: mit einer Sommerlounge und einem Spielplatz im Innenhof. Stephan Volhardt-Grütering, der in der Nachbarschaft wohnt, erzählt: „Seit sieben Jahren war es hier wie ausgestorben, jetzt wird das Zentrum gerade wieder belebt.“ Irritiert schaut er auf die Baustelle in den Räumen der Arche. „Sind die jetzt ausgezogen?“, wundert er sich.

Küchenchef Aphichat Nonthong kocht nordthailändische Gerichte. Das Restaurant Sam’s Thai Halal in der Thomas-Mann-Straße 6b hat seit Mai geöffnet.

Daniel Schröder von der Arche Nordweststadt erklärt: „Die Räume wurden renoviert, unsere Einrichtung hat sich um eine Jugendgruppe vergrößert.“ Bedarf für soziale Einrichtungen sei nach wie vor da. Aber auch er sieht, dass sich das Kleine Zentrum spürbar entwickelt hat und findet es gut, dass der Ort mal aus der Schmuddelecke rauskommt, wie er sagt.

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