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Michaek Renker inmitten seiner Schätze, der T3-Bullis.

VW T3 Bullis

Der Ludolf von Niederursel

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Michael Renker hat sich auf die Reparatur von VW T3 Bullis spezialisiert.

Immer mal wieder steht da ein Bulli am Straßenrand in Niederursel. Hier einer, dort einer. Als gehörten sie neben den Fachwerkfassaden zum Ortsbild. Die Form ist unverkennbar: flache Schnauze, kantig. Die meisten von ihnen sind mehr als 30 Jahre alt: ein „H“ auf dem Kennzeichen weist sie als historische Fahrzeuge auf. Warum stehen ausgerechnet hier so viele der alten VW-Busse?

Die Antwort liefert ein Blick in die schmale Hofreite neben dem Café Mutz. Hier, mitten im alten Ortskern Niederursels, betreibt Michael Renker eine Werkstatt, in der er sich auf die Reparatur von Bullis spezialisiert hat. Auf die Hebebühne kommt aber nur die dritte Generation des Kultautos. T3 sagt der Volksmund zum Kastenbulli.

Zwei Campingbusse stehen an der Seite der Einfahrt. Ein Transporter der Feuerwehr thront in der Werkstatt auf der Hebebühne. Er bekommt ein intaktes Getriebe. Zwei Mitarbeiter von Michael Renker schrauben am Bulli. Der Chef sitzt derweil im Büro.

Eine kleine Theke mit zwei Barhockern grenzt den Besucherraum von Renkers Arbeitsplatz ab. Auch hier: überall Bullis. Modellautos aller Größen stehen auf der Ablage, in Vitrinen, hängen als Bilder auf Kalandern an der Wand. Renker, Schnauzbart und volle Locken, im Nacken lang gewachsen, sitzt am Schreibtisch: Die Gesundheit erlaubt Renker nicht mehr allzu viel Schrauberei. Doch am Schreibtisch gibt es genug zu tun. Eine wichtige Einnahmequelle ist inzwischen die Vermietung von T3-Campigbussen. Eine andere ist Renkers Ersatzteillager. Im Büro gehen regelmäßig Bestellungen ein.

Renker kann mit allem dienen. Aus einer Schublade zieht Renker eine Türverriegelung: der kleine Knopf, der zum Verriegeln heruntergedrückt werden muss und der hochschnellt, wenn man den Schlüssel in der Tür dreht. Auf dem Speicher unter dem Dach reihen sich Vordertüren, Schiebetüren, Heckklappen, Armaturenteile, Fensterscheiben neben Lenkräder, Stoßfedern, Motorenteile. „Deswegen nennen sie mich hier auch den Ludolf von Niederursel“, sagt er und es klingt, als adele ihn der Vergleich mit den Brüdern, die mit einer Doku-Soap über ihre Autoverwertung zu Kultfiguren geworden sind.

1979 lief der erste T3 vom Band. Renker, Jahrgang 1960, ist zu diesem Zeitpunkt erst seit zwei Jahren KfZ-Mechaniker. Der T3, sagt Renker deswegen, „war immer da. Und es war immer ein praktisches Auto.“ 1,3 Millionen Exemplare des T3 wurden bis 1992 in Deutschland gebaut – in unzähligen Varianten. Ob mit Ladepritsche und Doppelkabine oder als reiner Transporter, Familienbus oder Campingausbau.

Dass sich Michael Renker auf den T3 spezialisiert hat, sagt er, habe sich so ergeben. In den 90er Jahren wurden die Autos von Renkers Kunden neuer. Aber von neuen Autos hält Renker nicht viel. Zu viel Elektronik, zu schnell hinüber, kaum Halbwertszeit. „Das macht keinen Spaß mehr.“ Altes Auto hingegen bedeute: keine Zentralverriegelung, keine elektrischen Fensterheber. „Der Vorteil ist: Es geht nichts kaputt.“

Also hielt sich Renker an die älteren Modelle. Und weil er mit seinen eigenen T3s ohnehin häufig auf Bulli-Treffen unterwegs war und seine Bullis mit Ersatzteilen voll lud, machte er sich in der Liebhaber-Szene einen Namen. Immer mehr T3-Bullis landeten auf seiner Hebebühne, seit etwa acht Jahren kein anderes Auto mehr.

Mit Renkers Werkstatt ist Niederursel so etwas wie das T3-Zentrum Deutschlands. Im Internet betreibt Renker das Forum www.t3freundeffm.de, samstags können seine Kunden unter seiner Anleitung selbst an ihren Bussen schrauben. Und Kunden kommen von überall her. Zum Beweis zeigt Renker den Ausdruck der E-Mail eines Briten. Wenn der mit seinem Bulli zum Durchchecken auf Durchreise nach Niederursel kommt, braucht er sich kein Hotel zu suchen. Denn Renker hat auf dem Dachboden einen Raum abgetrennt, ausziehbares Sofas, Fernseher und original Gardinen aus einem T3-Camper.

Dass Renker hier mitten im alten Ortskern eine Werkstatt betreiben kann, verdankt er der Gemeinschaft, sagt er. „Normalerweise kann sich so ein Betrieb in Frankfurt bei den Mieten nicht halten“, sagt Renker. Aber in Niederursel sei es noch wie in einem Dorf. Wer neu dazukomme, habe es schwer, gibt Renker zu. Aber als eingesessener Niederurseler bleibt die Miete günstig. Und so kann auch hier und da mal ein Bulli im Ortskern stehen, ohne dass sich jemand daran stört.

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