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Niederursel

Der Mühlgraben stinkt

  • VonJudith Dietermann
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Niederursel Künstlicher Bach wird nicht mehr gereinigt / Stadt und Privatanlieger streiten um Zuständigkeit

Der Mühlgraben hat, im wahrsten Sinne des Wortes, eine bewegte Geschichte. Wurde der künstliche Bach doch einst angelegt, um zahlreiche Mühlräder anzutreiben. Allein an der 1695 erbauten Untermühle waren es drei – zwei, um Getreide zu mahlen, ein weiteres trieb die Ölmühle ein. Seit 1948, nach der Stilllegung der Obermühle, ist er nur noch Teil der Natur und entlastet zudem den Urselbach bei Hochwasser.

Vor einigen Jahren wurde der Oberlauf gar renaturiert, in Höhe der Obermühle fließt er unterirdisch, an der Obermühlgasse tritt er wieder hinaus. In vergangenen Tagen ein murmelnder Quell. Das klingt nach einem wahren Idyll. Doch das ist es nicht. Denn der Mühlgraben wird nicht mehr gereinigt, zumindest nicht im Abschnitt der ehemaligen Obermühle, wo ein Investor seit rund drei Jahren den Bau von fünf Mehrfamilienhäusern realisiert.

Zudem sei die Schleuse am Beginn des Oberlaufs dauerhaft geschlossen, nur ein kleines Rinnsal käme dort noch hinaus, sagt Joachim Rotberg (CDU), der für die heutige Sitzung des Ortsbeirates 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) einen entsprechenden Antrag formuliert hat.

Denn: Nicht nur, dass der Mühlgraben bei Niedrigwasser dreckig sei vor Schmutz und Schlamm und es „erbärmlich stinke“, wie Anwohner und Landwirt Wolfgang Stark berichtet. Bei Starkregenereignissen könne das Wasser des Urselbachs nicht mehr richtig im Mühlgraben abfließen. „Es ist normal, dass die Spielsgasse bei starkem Regen überflutet wird. An Fronleichnam geschah dies aber schneller als sonst“, sagt Rotberg. „Ich kann nicht verstehen, dass der Bachlauf jahrelang gereinigt wurde und jetzt plötzlich nicht mehr“, drängt auch Wolfgang Stark auf eine schnelle Lösung.

Von einer „ganz schwierigen Sache“ spricht Stefanie Toth von der Stadtentwässerung. Mit der Aufgabe der Mühle nach dem Zweiten Weltkrieg seien deren Rechte an die Stadt zurück gegeben worden. Beim Mühlgraben sei dies aber „wohl versäumt“ worden. Daher sei dieser ab dem Abzweig Obermühlgasse in privatem, ein Stückchen weiter wieder im städtischen Besitz. Der Mühlgraben werde regelmäßig, wie alle anderen Bäche und Gewässer, einmal im Jahr gereinigt. Zuletzt im Herbst. Davon abgesehen, dass man derzeit wegen brütender Vögel nicht eingreifen könne, sehe man aktuell nicht die Notwendigkeit dies zu tun.

Für den Abschnitt an der Obermühlgasse, der in Privatbesitz sei, müssten komplexe rechtliche Fragen geklärt werden, so Toth. Dass der Zustand des Mühlgrabens Einfluss auf die Überschwemmungen in Niederursel habe, glaube sie eher nicht. Ein fünf Meter breiter Streifen am Ufer, der befahren werden könne, würde für die Reinigung des betroffenen Abschnittes ausreichen, so Toth. Doch der Eigentümer habe stattdessen umfangreiche Sanierungsarbeiten an dem Betontrog, in dem der Mühlgraben fließt, von der Stadtentwässerung gefordert, wie Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) erklärte. Bis zur Klärung der künftigen Eigentumsverhältnisse und der damit verbundenen Unterhaltungslasten könne die Stadtentwässerung keine Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten an privaten Gewässerabschnitten durchführen.

Der Ortsbeirat 8 tagt am heutigen Donnerstag, um 20 Uhr im Bürgerhaus Nordweststadt, Walter-Möller-Platz.

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