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Unter der Holzkonstruktion üben die Bogenschützen fortan das Scheibenschießen. 

Frankfurt-Niederrad

Niederrad: Zielen mit innerer Einkehr

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Die Bogenschützen von „Kyudojo Frankfurt“ bauen sich ein eigenes Dojo. Der Verein ist damit einer der wenigen in Deutschland mit eigener, stilechter Übungshalle.

Es ist ein klirrend kalter und nebliger Samstagvormittag auf der Sportanlage Hahnstraße in Niederrad. Hinter den noch leeren Fußballfeldern und Soccer-Cages nahe der S-Bahn Gleise arbeiten ein Dutzend Menschen an einem japanisch gewölbtem Holzgerüst, auf den ersten Blick sieht es nach professionellen Bauarbeitern aus. Es sind Mitglieder von Kyudojo Frankfurt, einem Verein für die asiatische Bogenkampfkunst Kyudo. Sie errichten eigens ein lange geplantes Dojo, also eine Übungshalle.

Mit mehr als einhundert Mitgliedern ist die ambitionierte Eigeninitiative des Randsportart-Vereins außergewöhnlich. „Wir helfen uns gegenseitig, einer ist handwerklich begabt, ein anderer kümmert sich um Logistik und wenn wir Urlaub haben oder frei, machen wir uns gemeinsam an die Arbeit“, erklärt Volker Kempf, der für den Bau verantwortlich ist.

Kempf ist gelernter Schreiner, gerade hebt er mit einem Kran Paneele auf das Dach des Gerüsts. Das Dojo soll insgesamt 200 000 Euro kosten, einen Großteil der Kosten übernimmt die Stadt. Das Architektenduo der Halle, Schneider und Schumacher, entwarf auch den Frankfurt-Pavillon der Buchmesse 2019. „Wenn es weiter so läuft“, stellt Kempf fest, „können wir Ende des Jahres hier schießen.“ Bereits 2008 geplant, soll das Gebäude dann fertiggestellt sein.

Noch finden die Trainings in der Turnhalle der Eschersheimer Ziehenschule statt. Kyudo ist eine Budosportart, also eine japanische Kampfkunst, die neben der äußeren Technik auch innere Philosophie beinhaltet. Mit japanischen Langbögen und traditioneller Kleidung schießen die Sportler, Kyudoka genannt, auf 28 Meter entfernte Ziele. Auffällig sind dabei der langsame Ablauf und die Zeremonie.

Der neue Standort bietet, neben ständiger Zugänglichkeit und Nähe zur S-Bahn, auch die passende Kulisse dazu: Statt zwischen Basketballkörbe und Weichmatten zielen die Kyudoka beim Spannen der Bogensehne in Zukunft auf Scheiben eines selbstgebauten Azuchi, also einer rechteckigen Zielwand. Die ist bereits errichtet und liegt außerhalb der eigentlichen Halle, in genau berechneter Distanz und parallel zum langen Schießfenster des Dojo, so dass die Pfeile im Freien fliegen, die Schützen aber unter dem Dach stehen.

„Kyudojo Frankfurt“ wird damit einer der wenigen Kyudo-Vereine mit eigenem Dojo. Sieben oder acht davon gebe es in Deutschland, sagt Kempf. Man kennt sich untereinander durch diverse Meisterschaften. „Kyudojo“ nimmt regelmäßig an Landes- und Bundeswettbewerben teil. Es gibt keine Altersklassen und keine geschlechtliche Unterteilung: „Das ist das Besondere und Schöne daran, man kommt einfach zusammen und schießt“, findet Christiane Schöniger, die seit einigen Jahren aktiv ist.

Auch weil er wächst freut sich der Verein auf das fertige Bauwerk. Wer Lust hat, kann grundsätzlich immer ins Training schnuppern. Noch reizvoller für Neuankömmlinge sind die viermal im Jahr stattfindenden Anfängerkurse, wo sie lernen eigenständig zu schießen. Genaue Daten stehen online unter www.kyudo-frankfurt.de.

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