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Vorne wird jongliert, im Hintergrund sitzt der Schlagzeuger uns sorgt für den Rhythmus.

Niederrad

Theater im Lastwagen

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Eine belgische Schauspielgruppe inszeniert den „Rhythmus der Zeit“ auf dem Wochenmarkt.

Hinter Weinstand und Wurstwaren steht am Samstag ein ockerfarbener Lastwagen auf dem Wochenmarkt vor der katholischen Kirche Mutter vom Guten Rat. Aus dem Inneren tönen dumpfe, gleichmäßige Geräusche nach draußen auf die gesperrte Kniebisstraße. „Pakman“ ist von außen auf dem Aufbau des Lastwagens zu lesen.

Davor stehen Angela Wolf und Friedrich Berndt. Die beiden Quartiersmanager der Caritas verkaufen Eintrittskarten für ein besonderes Schauspiel. Im Rahmen des Theaterfestivals „Starke Stücke“ haben sie eine belgische Theatergruppe eingeladen, die ihre Bühne im Inneren des Lastwagens gleich selbst mitgebracht hat. Die Zuschauer setzen sich auf Pakete aus Pappkarton, die ihnen Darsteller Stijn Grupping über ein Fließband zukommen lässt und werden damit sofort Teil des Stückes.

Hinter einer Plexiglasscheibe mit einem quadratischen Loch in der Mitte steht der 33-Jährige im grauen Overall, als Paket-Bearbeiter verkleidet. Wortlos, jedoch ausdrucksstark, jongliert er mit Bällen im Takt eines Metronoms, indem er diese in beeindruckender Geschwindigkeit immer wieder gegen die hölzernen Wände und Decke des Fahrzeugs donnert. So scheinen die dumpfen Geräusche zu entstehen, die bis auf die Straße klingen.

Der Clou aber offenbart sich erst im Laufe des Stücks: Hinter Kartons versteckt sitzt ein zweiter Schauspieler am Schlagzeug, der die Geräusche erzeugt, während sein Kollege synchron dazu mit den Bällen über die Banden spielt. „Das ist der verrückte Rhythmus der Zeit“, erklärt Schlagzeuger Frederik Meulyzer nach der Aufführung die Metapher. Mit dem Stück will die Künstlergruppe aus Antwerpen auf die enge Taktung unseres Alltags aufmerksam machen.

Am schwersten sei es gewesen, im Takt mit dem Schlagzeuger zu bleiben, berichtet Grupping, der seit seiner Jugend jongliere. Die Jonglage mit den Bällen hat Zuschauerin Mailin am besten gefallen. „Und, dass sie bei ihren Pausen was Richtiges gegessen haben“, sagt die Sechsjährige. Mutter Britta Striemer, die mit ihren beiden Kindern aus Sachsenhausen vorbei gekommen ist, sagt: „Das Jonglieren war extremst beeindruckend“. Die Drei wollten noch für eine Traubensaftschorle auf dem Markt bleiben und dann nach Hause fahren.

Nicht zum ersten Mal organisiert das Quartiersmanagement Theater auf dem Wochenmarkt. Vor fünf Jahren war in einem Bus geschauspielt worden. Quartiersmanager Berndt sagt: „Wir wollen den Wochenmarkt in den Mittelpunkt rücken und ein bisschen mehr Leben rein bringen“. Früher sei der Markt voller Stände gewesen. Heute sind davon nur noch eine Handvoll übrig geblieben. „Die Besucher wollen lieber Wein trinken“, berichtet seine Kollegin, als sie von einer Werbe-Tour für das Theaterstück zurück kommt.

Die Meisten lassen sich bei dem sonnigen Wetter nicht in den Lastwagen locken. Rund 40 Zuschauer, die das Stück bei den drei Aufführungen am Samstagnachmittag gesehen haben, dürften es dagegen kaum bereut haben.

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