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Oberforsthaus wartet auf Notdach

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Von: Stefanie Wehr

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So traurig sieht das Oberforsthaus aus: Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert verkommt immer mehr.
So traurig sieht das Oberforsthaus aus: Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert verkommt immer mehr. © Michael Faust

Nach Monaten des Stillstands soll die Bauruine jetzt eingerüstet werden. Wie es mit dem historischen Gebäude weitergeht, ist jedoch offen.

Am Oberforsthaus tut sich seit Monaten nichts. Die Brandruine ragt in den grauen Himmel, mangels Blattwerk an den Bäumen ist das Gemäuer von der Straße aus gut zu sehen. Es sieht trist aus. „Die wird sicher abgerissen“, vermutet ein Spaziergänger.

Doch das Gegenteil ist laut Baudezernat der Fall. Es tue sich deshalb nichts, weil derzeit auf die Genehmigung der Bauaufsicht gewartet werden, teilt Sprecher Markus Radermacher mit. Ein Gutachter muss noch grünes Licht geben für den Aufbau des Notdachs, das schon seit Jahren geplant ist. Die frühere unter Denkmalschutz stehende Remise des im Krieg zerstörten Oberforsthauses soll erhalten bleiben. Verzögert hat sich der Aufbau des Dachs vergangenes Jahr nochmals dadurch, dass am Abend des 8. Juli der Dachstuhl aus ungeklärtem Grund in Flammen aufging. Seither klafft ein Loch im Dachstuhl. Corona und der Mangel an Baumaterialien taten ihr übriges.

Das Baudezernat hofft, dass das geplante Notdach bald aufgestellt wird. Das Amt für Bau und Immobilien (ABI) habe ein „ein Modulgerüst mit einem vorkonfektionierten Wetterschutzdachsystem und einer Trapezblecheindeckung“ in Auftrag gegeben, so Radermacher. Sprich: Es wird ein Gerüst errichtet. Dafür wurden bereits Fundamente rund um das Gebäude gegossen, um das Gewicht zu tragen. Auf dem Gerüst wird ein flaches Metalldach befestigt, dass sich über den Resten des eigentlichen Daches erhebt. Die Kosten sind noch unklar – zumal sich diese üblicherweise nach der Dauer richten, für die das Notdach im Einsatz bleibt.

Bevor das Gerüst aufgestellt werden könne, fehle laut Radermacher noch die Freigabe des Prüfstatikers und die endgültige Genehmigung durch die Bauaufsicht. „Die ausführende Fachfirma kann unmittelbar nach dieser Genehmigung mit dem Aufstellen beginnen. Einen genauen Zeitpunkt können wir leider nicht nennen, hoffen aber, dass das Notdach sehr bald stehen wird.“

Das Notdach sehen viele im Frankfurter Süden inzwischen skeptisch. „Das alte Gebäude wird doch sowieso abgerissen, nach all der Zeit“, sagen viele hinter vorgehaltener Hand. Ob sich die Investition lohne, sei fraglich. Der Herbst und nasskalte Winter ohne intaktes Dach haben dem Gemäuer sicherlich zugesetzt.

Die Reste des 1729 errichteten Ensembles, das laut Landesamt für Denkmalpflege „zu den bedeutendsten Zeugnissen der Geschichte Frankfurts“ gehört, werden seit Jahren dem Verfall preisgegeben. Ein Investor, der das Areal entwickelt, wurde nie dingfest gemacht. Um das Haus zu schützen, wurde zuletzt ein Zaun aufgestellt, um Obdachlose abzuhalten, dort ihr Lager aufzuschlagen.

Die Stadt verfolge „weiterhin das Ziel, das ehemalige Oberforsthaus im Rahmen einer Projektentwicklung für das Gesamtareal langfristig zu sichern“, hieß es zuletzt im November 2021 vom Magistrat. Mit einem Investor, der schon seit längerer Zeit ein Interesse an dem Areal habe, sei die Stadt immer noch im Gespräch.

„Das Notdach ist dringend erforderlich, um die Überreste des Gemäuers zu erhalten“, sagt Christian Becker (CDU), Ortsvorsteher im Ortsbeirat 5. „Es muss aber auch Klarheit über die grundsätzliche Frage nach der Zukunft des Gebäudes geben.“

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